Gastbeitrag

Erfolgreiche kinderurologische Hilfe für Eritrea

Dr. Marcus Riccabona hat 2005 ein kinderurologisches Hilfsprojekt in Eritrea initiiert. Inzwischen hat es sich zu einem erfolgreichen Projekt entwickelt.

Von Univ. Doz. Dr. Marcus Riccabona Veröffentlicht:
Nach dem Eingriff: Ein kleiner Patient im postoperativen Überwachungsraum.

Nach dem Eingriff: Ein kleiner Patient im postoperativen Überwachungsraum.

© Marcus Riccabona

Eritrea ist eines der ärmsten Länder der Welt, gezeichnet durch einen überlangen Unabhängigkeitskrieg, eine rigide Machtstruktur, Isolation, Sanktionen des Westens und zeitweise Dürre und Hunger. Die Hälfte der Bevölkerung ist christlich orthodox, die andere moderat muslimisch, beide Gruppen leben friedlich miteinander.

Für die 4,5 Millionen Einwohner, die Hälfte unter 15 Jahren, stehen gerade mal 160 Ärzte zur Verfügung. Es gibt keinen Urologen, keinen Kinderarzt im Land. An der jungen Medizinischen Fakultät promovieren pro Jahr ca. 30 Studenten. Ebenso viele Mediziner verlassen jährlich das Land: Sie verdienen pro Monat 140 Euro, in den Nachbarländern das Dreifache.

Hilfe zwei Mal pro Jahr

Wir haben 2005 begonnen, in Kooperation mit der deutschen NGO ArcheMed zu helfen. Zwei mal pro Jahr fährt ein kinderurologisches Team von 10 bis 12 Ärzten und Krankenschwestern für eine Woche in die Hauptstadt Asmara und versorgt dort im größten Spital des Landes im IOCCA (International Operation Center for Children in Asmara) Kinder mit urologischen Problemen, die sonst keinerlei Chance auf eine adäquate medizinische Hilfe hätten. Ziel unserer Einsätze ist die unmittelbare kinderurologische Versorgung, die Ausbildung von Ärzten und Pflegepersonal, sowie die Verbesserung der medizinischen Infrastruktur.

Dr. Marcus Riccabona, Initiator eines kinderurologischen Hilfsprojekts in Eritrea

Dr. Marcus Riccabona, Initiator eines kinderurologischen Hilfsprojekts in Eritrea

© Marcus Riccabona

Es werden überwiegend angeborene Fehlbildungen operativ versorgt: komplexe Hodenhochstände, Hypospadien, Epispadien, Blasenekstrophien, Harnabflussstörungen und zahlreiche Nieren-, Harnleiter- und Blasensteine.

Hinzu kommen akute Fälle, wie Harnverhaltungen durch narbige Meatusstenosen nach Circumcision mit Rasierklingen – wie sie in diesem Land traditionell durchgeführt werden, Fälle von Urosepsis mit unterschiedlichen Ursachen oder traumatische Harnröhrenverletzungen, die behelfsmäßig monatelang mittels eines suprapubischen Bauchkatheters versorgt wurden.

Mit einem von der Firma Storz gespendeten Lithotripter können wir mittlerweile die Steine mittels ESWL behandeln. In der Vergangenheit mussten diese mit aufwendigen Schnittoperationen entfernt werden. Über mehrere Jahre hatten wir 40 Kinder mit komplexen Problemen über Patenschaften nach Linz gebracht und dort operativ versorgt.

Seit der Flüchtlingskrise 2015 ist es nicht mehr möglich, diese nach Österreich zu bringen. Zum anderen haben sich im Spital die Bedingungen mit 24h-Überwachung, besserer Nachsorge durch einheimische Ärzte sowie Infrastruktur wesentlich gebessert.

Einsätze über Spenden finanziert

Die für jeden Einsatz notwendigen Medikamente, Narkosemittel, Verbands- und Nahtmaterial und Heilbehelfe nehmen wir mit. Die Kosten pro Einsatzwoche betragen zwischen 13.000 und 15.000 Euro. Das teuerste sind je nach Kerosinpreis die Reisekosten. Pro Einsatzwoche können wir durchschnittlich 40 Kinder operativ und zusätzlich 20 mittels ESWL versorgen. Daneben werden pro Woche etwa 150 bis 200 Kinder ambulant gesehen, versorgt oder für Operationen vorgemerkt. Die Einsätze werden ausschließlich über Spenden finanziert.

Alle Teammitglieder arbeiten ehrenamtlich und verbrauchen dafür einen Teil ihres Urlaubs. Diese kommen wechselweise aus Österreich, Deutschland, Schweiz, Italien, Belgien und Holland. Ein Team setzt sich zusammen aus zwei bis drei erfahrenen Kinderurologen, die auf einem hohen Niveau operieren können, einem Assistenten, zwei Narkoseärzten, einem Logistiker, zwei Personen für den Lithotriptor und zwei Krankenschwestern.

Von einheimischer Seite werden mittlerweile alle Instrumentarinnen, zwei Chirurgen, zwei Narkosepfleger und das gesamte Personal im postoperativen Überwachungsraum und der stationären Nachsorge zur Verfügung gestellt.

Wir haben in den 30 Einsätzen über 1400 Kinder operativ versorgt und über 4000 ambulant gesehen und betreut. Außerdem haben wir vier Chirurgen partiell ausgebildet und dem Narkosepersonal Regionalanästhesie und Schmerztherapie beigebracht. Verbesserungen gibt es in der postoperativen Pflege sowie in Teilbereichen der medizinischen Infrastruktur. Für Studenten und Ärzte gab es Ultraschallkurse und Vorlesungen.

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