Ertrinkungsunfall: Unter Reanimation ins Krankenhaus

Bei Wiederbelebungsmaßnahmen nach Ertrinkungsunfällen sind Defibrillationen und Medikamente vor Ort meist unwirksam. Am wichtigsten ist die kontinuierliche manuelle Reanimation, selbst nach langen Submersionszeiten.

Dr. Thomas MeißnerVon Dr. Thomas Meißner Veröffentlicht:
Trotz Defibrillatoren muss Reanimation mit den Händen sicher sitzen und deshalb geübt werden.

Trotz Defibrillatoren muss Reanimation mit den Händen sicher sitzen und deshalb geübt werden.

© Roman Bilz / fotolia.com

BADEN-BADEN. Wegen der Unterkühlung blieben bei Ertrinkungsunfällen Defibrillationen im Allgemeinen wirkungslos, sagte Dr. Michael G. Brandt aus Lindau beim MedCongress 2010 in Baden-Baden. Sollte ein Gerät zur Verfügung stehen, könne man bei Herzstillstand einen einmaligen Versuch unternehmen. Ist das erfolglos, sollte man jedoch weitere Defibrillationen unterlassen, bis der Patient wieder erwärmt ist. Ähnliches gilt für die Applikation von Medikamenten unmittelbar nach der Bergung des Verunglückten. Bei Körperkerntemperaturen unter 27°C werden Arzneimittel stark verlangsamt metabolisiert, so dass nicht die erwünschten Effekte erzielt werden. Bei wiederholter Gabe drohen Überdosierungen.

Brandt erinnerte daran, dass selbst nach sehr langen Zeiten unter Wasser (Submersionszeit) immer eine Reanimation begonnen werden sollte. Wiederholt gab es Berichte über beinahe ertrunkene Menschen, die selbst nach Submersionszeiten von 30 oder 40 Minuten und länger erfolgreich wiederbelebt wurden und teilweise keine neurologischen Schäden davon getragen haben. Ein Patient nach Ertrinkungsunfall dürfe erst dann für tot erklärt werden, wenn die Wiederbelebungsmaßnahmen nach Erwärmung auf normale Körpertemperatur erfolglos bleiben. Diese Erwärmung gelingt vor Ort meist nicht. Deshalb müssten diese Patienten unter Reanimation ins Krankenhaus gebracht werden, betonte der Notarzt. Ersthelfern empfahl er, zudem nach Begleitverletzungen zu suchen sowie die äußeren Umstände des Unfalls zu registrieren, etwa eine sehr kalte Wassertemperatur oder ob womöglich ein Kopfsprung in seichtes Gewässer stattgefunden habe.

Nicht angezeigt sind darüber hinaus Versuche, Wasser aus der Lunge zu entfernen, wie es früher empfohlen worden war. In der Regel werde wenig Wasser aspiriert, weil es zu Laryngospasmen kommt. Außerdem gehen solche Versuche mit der Gefahr erneuter Aspiration einher.

Im Jahr ertrinken in Deutschland etwa 500 Menschen, etwa ein Drittel ist jünger als 20 Jahre, oft sind es Kinder. Die Unfallorte sind nicht immer Badeseen oder Freibäder. Kinder ertrinken vor allem in Badewannen, Regentonnen oder Gartenteichen -Jungen sind dabei weit häufiger betroffen als Mädchen. Die Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft weist darauf hin, dass 40 Prozent der Zehnjährigen nicht schwimmen können.

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