Wirtschaftsweise

Im Corona-Jahr 2020 waren Frauen von Arbeitslosigkeit besonders betroffen

Laut Sachverständigenrat Corona hat sich negativ auf die Beschäftigtenzahl im Gesundheitswesen ausgewirkt. Mehr als ein Drittel der Jobverluste entfällt dabei auf Arztpraxen.

Von Helmut LaschetHelmut Laschet Veröffentlicht:
Rückgänge der Fallzahlen wirkten sich im vergangenen Jahr auf die Personalsituation in Arztpraxen aus.

Rückgänge der Fallzahlen wirkten sich im vergangenen Jahr auf die Personalsituation in Arztpraxen aus.

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Berlin. Massive Kritik hat der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in seinem gestern veröffentlichten Jahresgutachten an der deutschen Bildungspolitik geübt: Die ohnehin schlechten Startbedingungen von Kindern aus sozial benachteiligten Familien haben aufgrund der Lockdowns pandemiebedingt zu erheblichen Lernrückständen und psychosozialen Belastungen geführt.

Die Wirtschaftsweisen warnen: „Wenn nicht gegengesteuert wird, dürften dadurch in Zukunft hohe gesamtwirtschaftliche Kosten entstehen, und die Einkommensungleichheit dürfte zunehmen.“ Notwendig seien „umfangreiche Programme“ zum Aufholen pandemiebedingter Bildungsrückstände, die gezielt bei jenen Kindern ansetzen müssten, die am härtesten unter der Pandemie gelitten haben.

Langfristreform-Programm angemahnt

Der Rat mahnt ein Langfrist-Reformprogramm für die Bildung an, um die Chancengleichheit zu verbessern. Dazu gehörten insbesondere Maßnahmen der frühkindlichen Bildung, Reformen des Schulsystems sowie Aufgaben des Personals und dessen Qualifizierung.

Der Erwerb digitaler Kompetenzen sei dabei essenziell. Ebenso betroffen waren von den Auswirkungen der Pandemie geringfügig Beschäftigte, Selbstständige und gering qualifizierte Personen. Ferner hat sich die Situation am Ausbildungsmarkt verschlechtert.

Die Einkommen aller Haushalte gingen 2020 um sechs Prozent zurück. Nach einer Umfrage des Sachverständigenrates waren die Einbußen der untersten Einkommensgruppe (weniger als 1100 Euro netto im Monat) mit 36 Prozent besonders stark rückläufig, bei der obersten Einkommensgruppe (über 2600 Euro Netto) jedoch nur um zwei Prozent.

Diese Effekte seien aber durch diskretionäre Maßnahmen – das wichtigste Instrument war dabei das Kurzarbeitergeld – weitgehend kompensiert worden, so dass die Einkommensverteilung kaum ungleicher geworden ist.

Frauen besonders stark betroffen

Darüber hinaus stellt der Sachverständigenrat eine Verfestigung der Arbeitslosigkeit fest: Langzeitarbeitslosigkeit sei um 21 Prozent auf 1,04 Millionen Betroffene im dritten Quartal 2021 gestiegen. Besonders starke Zugangsquoten bei der Arbeitslosigkeit waren in kontaktintensiven Wirtschaftsbereichen wie dem Gastgewerbe zu verzeichnen.

Anders als in vorangegangenen Wirtschaftskrisen waren Frauen von Arbeitslosigkeit besonders stark betroffen, so auch im Gesundheits- und Sozialwesen. Dabei entfällt der Großteil mit 36 Prozent auf den Wirtschaftsbereich Arztpraxen, 19 Prozent auf das Gesundheitswesen (ohne nähere Angabe) und 14 Prozent auf die soziale Betreuung alter Menschen.

Besonders stark seien die Abgänge aus der Beschäftigung im zweiten Quartal 2020 gewesen, als die erste Pandemiewelle ihren Höhepunkt erreichte und erhebliche Fallzahlrückgänge in den Praxen zur Folge hatte.

Digitalisierung als Chance

Die Wirtschaftsweisen sehen aus der Pandemie aber auch Chancen erwachsen: Die Krise habe zu einem Digitalisierungsschub geführt und die Nachfrage nach datenbasierten Diensten deutlich gesteigert. Aber: „In Deutschland wird die Entwicklung digitaler Plattformen sowie deren flächendeckende Nutzung insbesondere von einem Mangel an Personal für die Entwicklung digitaler Geschäftsinnovationen sowie Sicherheitsbedenken gegenüber der Speicherung sensibler Inhalte durch externe Cloud-Anbieter gehemmt.“

Um die Entwicklung einer datenbasierten Wirtschaft zu unterstützen, sei eine „kohärente Strategie mit Meilensteinen für die staatlich gesetzten Rahmenbedingungen erforderlich. So sollte insbesondere ein sicherer Zugang zu und Handel mit Daten sowie ein effektiver und fairer Wettbewerb auf digitalen Märkten sichergestellt werden.

Erholung bereits für Anfang 2022 prognostiziert

Nicht zuletzt betroffen von der Pandemie ist auch der Staat: Für das Jahr 2021 rechnet der Rat mit einem gesamtstaatlichen Finanzierungsdefizit von 174,2 Milliarden Euro, das sind 4,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die Schuldenquote erreicht damit 70,6 Prozent des BIP.

Aufgrund einer möglichen starken Erholung 2022 – am Jahresanfang sollte wieder das BIP-Niveau von Ende 2019 erreicht werden – könnte die Schuldenquote auf 68,2 Prozent sinken und die Konsolidierungsphase beginnen.

Der Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa) sieht im dem Angebot von Impfstoffen eine wesentliche Voraussetzung für die wirtschaftliche Erholung. „Ohne die Innovationskraft der Pharmaunternehmen hätte die deutsche Volkswirtschaft niemals so schnell Tritt fassen können“, heißt es in einer Mitteilung am Mittwoch. Verbandspräsident Han Steutel: „Wachstumsaussichten wären ohne Covid-19-Impfstoffe derzeit nichts als Illusion!“

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