Gesellschaft

Intensive Therapie schützt auch Kindernieren

Eine intensive antihypertensive Therapie lohnt sich auch bei Kindern mit Bluthochdruck. Das zeigen inzwischen mehrere Studien. So lässt sich die Rate für eine Niereninsuffizienz bei Blutdruckwerten unter der 50. Perzentile deutlich reduzieren.

Von Wiebke Kathmann Veröffentlicht: 01.12.2009, 05:00 Uhr
Intensive Therapie schützt auch Kindernieren

Kinder mit Hypertonie sind meist adipös.

© Foto: moodboard www.fotolia.de

LÜBECK. Trotz der niedrigen Patientenzahlen in der Pädiatrie konnten in den vergangenen Jahren Studien mit intelligentem Design gemacht werden, die nun eine evidenzbasierte Therapie von Kindern und Jugendlichen mit Hypertonie erlauben. Eine differenzielle Therapieempfehlung hat daher Einzug in die Pädiatrie gehalten.

Es gibt inzwischen sogar erste Studien mit relativ harten Endpunkten, wie Professor Jörg Dötsch aus Erlangen beim Kongress der Hochdruckliga in Lübeck gesagt hat. So wurde zum Beispiel in der ESCAPE-Studie (NEJM 361, 2009, 1639) die 50-prozentige Verminderung der glomerulären Filtrationsrate oder terminale Niereninsuffizienz als primärer Endpunkt gewählt. Es zeigte sich, dass dieser Endpunkt durch Intensivierung der Therapie mit Ramipril auf Blutdruckwerte (ABDM) unter der 50. Perzentile gegenüber einer konventionellen Therapie (50. bis 95. Perzentile) signifikant seltener auftrat. Zudem konnte bestätigt werden, dass auch bei Kindern zumindest vorübergehend ein anti-proteinurischer Effekt erzielt werden kann.

Kurz vor der Veröffentlichung ist nach Angaben von Dötsch die CINCH-Studie der Arbeitsgruppe von Professor Franz Schaefer aus Heidelberg. Sie hat die Wirksamkeit einer Candesartan-Suspension untersucht, die den großen Vorteil habe, körpergewichtsadaptiert punktgenau dosierbar zu sein. Blutdruck und Proteinausscheidung konnten dosisabhängig gesenkt werden.

Bereits älter ist eine Studie zu Enalapril, die die Wirksamkeit und deren Dosisabhängigkeit bei Kindern belegt hat. Auch für Amlodipin und Metoprolol sei der Nachweis der dosisabhängigen Wirksamkeit an pädiatrischen Patienten erbracht.

Dötsch wies noch auf eine Besonderheit der ABDM-Normwerte in der Pädiatrie hin: Sie beziehen sich nicht auf das Alter oder Gewicht, sondern auf die Körperlänge. Als Blutdruckzielwert gilt in der Pädiatrie generell ein Blutdruck unter der 90. alters-, geschlechts- und Körperlängen-spezifischen Perzentile.

Bei chronischer Nierenerkrankung, aber ohne Proteinurie, wird ein Blutdruck unter der 75. Perzentile, bei Vorliegen einer Proteinurie von unter der 50. Perzentile angestrebt - so die Empfehlungen (J Hypertension 27, 2009, 1719). Die Blutdruckmessung sollte als 24-Stunden-Messung erfolgen.

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