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Buchtipp

Psychiater beleuchtet Tötungsserien

Der Psychiater Karl H. Beine geht in seinem Buch vier Tötungsserien mit medizinischem Kontext nach. Seine These: Nur eine „Systemkorrektur“ und die Abkehr von der Ökonomisierung könnten helfen, solche Taten früher zu entdecken.

Veröffentlicht:

Köln. Wenn in den deutschen Krankenhäusern alles so bleibt, wie es ist, dann werden sich auch in Zukunft Serien von Patiententötungen nicht verhindern lassen. Das ist für Professor Karl H. Beine traurige Gewissheit.

Der Psychiater forscht seit Langem zum Thema Tötungsserien in Kliniken und will mit einem neuen Buch dazu beitragen, dass dieser Art von Verbrechen in Zukunft der Boden entzogen wird. Schon der Titel zeigt die Stoßrichtung: „Tatort Krankenhaus – Ein kaputtes System macht es den Tätern leicht“.

Karl H. Beine: Tatort Krankenhaus – Ein kaputtes System macht es den Tätern leicht

Karl H. Beine: Tatort Krankenhaus – Ein kaputtes System macht es den Tätern leicht

© Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH

Bei dem Taschenbuch handelt es sich um eine überarbeitete Version des Buches „Tatort Krankenhaus – Wie ein kaputtes System Misshandlungen und Morde an Kranken fördert“, das Beine im Jahr 2017 gemeinsam mit Jeanne Turczynski veröffentlicht hatte.

Basis der neuen Ausgabe ist eine Studie, für die der Psychiater im Jahr 2018 2507 Ärztinnen und Ärzte sowie 2683 Pflegekräfte aus deutschen Krankenhäusern online zu den Erfahrungen mit Sterbehilfe befragt hatte.

„Deutet auf großes Dunkelfeld hin“

Die Ergebnisse haben Beines Überzeugung untermauert, dass es sich bei Patiententötungen nicht um Einzelfälle handelt. Sie seien mit hoher Wahrscheinlichkeit häufiger als vermutet, schreibt er. „Vieles deutet auf ein großes Dunkelfeld hin.“

Im Zentrum des Buchs stehen vier Tötungsserien in Deutschland, inklusive jener durch den Krankenpfleger Niels H. Beine skizziert die Umstände, die seiner Meinung nach Patiententötungen begünstigen und die vor allem dazu beitragen, dass sie oft erst so spät erkannt werden.

Um solche Dramen in Zukunft zu verhindern, ist nach seiner Überzeugung eine „Systemkorrektur“ nötig. Dazu gehören für ihn: Die Abkehr von der Ökonomisierung der Krankenhäuser, mehr Personal und eine verbesserte Aus- und Weiterbildung. „Erst wenn genügend qualifizierte und ausreichend geschulte MitarbeiterInnen die nötige Zeit für einen unverstellten und kritischen Blick auf die komplexe Krankenhausrealität haben und der offene Umgang mit Fehlern systematisch gefördert wird, können gefährliche Entwicklungen erkannt und Täter frühzeitig gestoppt werden.“ (iss)

Karl H. Beine: Tatort Krankenhaus – Ein kaputtes System macht es den Tätern leicht, Droemer TB 2021, 272 Seiten, Preis: 9,99 Euro, ISBN: 978-3-426-30187-6.

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