Musik

Wer Heavy Metal hört, geht öfter klauen

Es soll Eltern geben, die den Musikgeschmack ihrer Sprösslinge für kriminell halten. Ganz unrecht haben sie damit offenbar nicht, wie eine niederländische Studie nun gezeigt hat.

Von Robert BublakRobert Bublak Veröffentlicht: 21.01.2013, 06:44 Uhr
Punk oder Jazz? Am Musikgeschmack zeigt sich offenbar, ob ein Jugendlicher zu kleineren Straftaten neigt.

Punk oder Jazz? Am Musikgeschmack zeigt sich offenbar, ob ein Jugendlicher zu kleineren Straftaten neigt.

© Darren Baker/fotolia.com

UTRECHT. Drogenmissbrauch, hemmungsloser Sex, Gewalt, Gotteslästerung gar - es gibt wohl kein Fehlverhalten Jugendlicher, welches nicht schon mit dem Hören wilder Musik in Zusammenhang gebracht worden wäre.

Das sind hysterische Phantasien von Erwachsenen. Schlimmer noch: Sie treffen zu, wenigstens was kleinere Delikte angeht.

Wissenschaftler der Universität Utrecht haben den Musikgeschmack von mehr als 300 Oberschülern im Alter von 12 bis 16 Jahren untersucht und solche Zusammenhänge festgestellt.

Straftaten wie Laden- und Bagatelldiebstahl sowie Vandalismus werden demnach häufiger von jenen Jugendlichen begangen, die zuvor unorthodoxen Musikrichtungen wie Heavy Metal, Gothic, Gangsta-Rap, Punk oder Hardhouse gefrönt haben (Pediatrics 2013, online 6. Januar).

Die Korrelationskoeffizienten erreichten dabei signifikante Werte bis 0,31.

Brave Musik, braves Verhalten

Kein Zusammenhang war dagegen zwischen früher Delinquenz und späterem Musikgeschmack festzustellen.

"Die Musikauswahl zeigt daher an, ob später ein problematisches Verhalten zu erwarten ist, nicht umgekehrt", folgern die niederländischen Forscher.

Jugendliche, die brav die Hitparade hörten oder sogar Jazz- und Klassikplatten ins CD-Laufwerk schoben, zeigten sich in der aktuellen niederländischen Studie übrigens ebenso brav in ihrem Verhalten. Hier bestanden sogar schwach negative Korrelationen mit strafbaren Handlungen.

Die Zwangsbeschallung des Kinderzimmers, zum Beispiel mit dem "Dona nobis pacem" aus Mozarts Krönungsmesse, mag daher für geplagte Väter und Mütter eine verlockende Option darstellen.

Indessen umfasst das klassische Repertoire bekanntlich auch Werke wie Strawinskys "Feuervogel". Ob der geeignet ist, jugendliches Rebellentum einzudämmen, muss jedoch dahingestellt bleiben.

Mehr zum Thema

Kommentar zum Corona-Diskurs

Von Fischweibern und Begriffsvermögen

Seltene Infektionen

Zwei weitere Todesfälle durch Borna-Virus

Umwelt

Klinikum Harburg recycelt OP-Material

Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Dr. Elisabeth Arnold

Späte Erkenntnis!

Sehr geehrter Herr Kollege Schätzler, Sie haben recht, jetzt wird mir endlich alles klar!
Ich habe als Teenager einfach zu selten Caroline Reiber, Gitte und Rex Gildo und den "Blauen Bock" im Fernsehen angesehen! Pink Floyd,die Rolling Stones, Iron Butterfly, Strawinskys "Sacre de Printemps" und die Carmina Burana waren mir damals schon lieber. Wahrscheinlich waren es lediglich die heilsamen Einflüsse des Medizinstudiums, die mich vor einer ausufernden Delinquenz bewahrt haben.
Nochmals Glück gehabt!
Mit besten kollegialen Grüßen

Dr. Thomas Georg Schätzler

Musikgeschmack und Rebellion

Und wer lebenslang Musikantenstadel, Festival der Volksmusik, Florian Silbereisen oder Andrea Berg hört und nicht ein einziges Mal in Wacken war, wird eines Tages aufwachen und feststellen, dass er niemals wirklich gelebt hat. MfG


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Herzecho: Ein kardiologischer Check vor der Gelenkersatz-Op lohnt sich vor allem bei älteren Patienten und solchen mit positiver Familienanamnese.

Auch bei asymptomatischen Patienten

Vor der Gelenkersatz-Op nach kardialen Risiken fahnden!

Vitamin D zur Supplementierung. Das Vitamin hemmt die Karzinogenese und die Tumorprogression nach Daten von In-vitro- und Tierexperimenten.

Seltener Metastasen

Hilft Vitamin D doch gegen Krebs?