Präzisionsmedizin

BÄK-Expertise hält Kosten für beherrschbar

Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesärztekammer (BÄK) ist nicht in Sorge, die Behandlungskosten für Präzisionsmedizin könnten zu hoch sein. Das geht aus einer Stellungnahme hervor.

Veröffentlicht: 05.06.2020, 09:40 Uhr

Berlin. Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesärztekammer (BÄK) ist nicht in Sorge, die Behandlungskosten für Präzisionsmedizin könnten zu hoch sein. Ein Arbeitskreis innerhalb des Beirats hatte sich mit der Frage nach Chancen und Risiken der individualisierten oder personalisierten Medizin beschäftigt, die unter anderem in der Onkologie durch den Einsatz von molekularen, genetischen und proteomischen Biomarkern des einzelnen Patienten bemerkenswerte therapeutische Erfolge habe erzielen können, teilte die BÄK mit.

„Zumindest aktuell scheinen die mit der Präzisionsmedizin verbundenen Kosten die Finanzierbarkeit des Gesundheitssystems nicht in Frage zu stellen“, heißt es nun in einer am Dienstag veröffentlichten Stellungnahme.

Vorstellung erfolgreicher Behandlungsbeispiele

In dem Papier werden erfolgreiche Behandlungsbeispiele und aktuelle Entwicklungen in der Onkologie, Infektiologie, Pneumologie und Neuropädiatrie dargestellt und künftige Potenziale der Präzisionsmedizin aufgezeigt. Dabei wird auch auf die Befürchtung eingegangen, dass aufgrund der teilweise geringen Fallzahlen wissenschaftliche Evidenzstandards unterlaufen werden könnten. Professor Peter Scriba, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats, hält daher vor dem Einsatz in der klinischen Routine den Nachweis des Nutzen- und Schadenspotenzials diesbezüglicher Verfahren und Arzneimitteln durch belastbare klinische – idealerweise prospektiv randomisierte – Studien für erforderlich.

„Wir müssen uns immer wieder neu die Frage stellen, wie die Versorgungsqualität mit Hilfe des medizinisch-wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritts weiterentwickelt werden kann, ohne das Gesundheitssystem finanziell zu überfordern“, sagte BÄK-Präsident Dr. Klaus Reinhardt. Die vorliegende Stellungnahme sei ein wichtiger Beitrag zu dieser Debatte.

Die Autoren verweisen in der Kostenfrage auch auf die unterschiedliche zeitliche Dynamik von Kosten und Einsparungen: „Während Behandlungskosten in der Regel direkt anfallen, treten Einsparungen durch vermiedene Erkrankungsfolgen oder vermiedene Behandlungen häufig erst nach Jahren ein“, heißt es in dem Papier. (bar)

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