Berufspolitik

Bahr will Selektivverträge künftig stärker fördern

Das Bundesgesundheitsministerium hält am Kollektivvertragssystem fest. Innovationen könnten aber auch über Selektivverträge ins System gelangen.

Von Sunna Gieseke Veröffentlicht:
Bahr: "Selektivverträge könnten Spielwiese sein."

Bahr: "Selektivverträge könnten Spielwiese sein."

© dpa

BERLIN. Darin sind sich Ärzte, Kassen und Politiker einig: Künftig wird es immer schwieriger freie Arztstellen, - vor allem auf dem Land - neu zu besetzen. Gesucht sind also intelligente Lösungen, um die flächendeckende ärztliche Versorgung auch in Zukunft sicherzustellen.

Eine Möglichkeit: Mehr Wettbewerb im Vertragssystem. Doch wie dieser ausgestaltet werden könnte, darüber wird nach wie vor diskutiert. Erst kürzlich hatten Gesundheitspolitiker der Union gefordert, dass die Frage zu klären sei, ob Selektivverträge den Kollektivvertrag ersetzen oder ob sie ihn ergänzen sollten.

Das Bundesgesundheitsministerium hat sich jetzt zu dieser Frage positioniert: "Wir halten am System des Kollektivvertrags fest", betonte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, Daniel Bahr, anlässlich eines Versorgungskongresses des Bundesverbands Managed Care in Berlin.

Künftig wolle man Selektivverträge aber stärker fördern. Damit könnten "Impulse" für die Versorgung gegeben werden. "Selektivverträge können eine Spielwiese für Innovationen sein", so Bahr. Wenn diese sich bewährten, sollten sie "in das Kollektivsystem Eingang finden".

Dem widersprach Hausarztverbands-Chef Ulrich Weigeldt: "Wir brauchen ernsthafte Strukturversorgungsverträge." Er warnte davor, in diesem Zusammenhang Selektivverträge "Spielwiesen" zu nennen. "Wir sprechen hier von Menschen, die krank sind."

Weigeldt kritisierte vor allem, dass viele Kassen immer noch keine Hausarztverträge abgeschlossen hätten. "Die Kassen sehen das Gesetz eher als Empfehlung." Die Koalition lasse sich von den Kassen immer wieder "vorführen".

Weigeldt: "Wir brauchen ernsthafte Versorgungsverträge."

Weigeldt: "Wir brauchen ernsthafte Versorgungsverträge."

© DHÄV

Schließlich seien Hausärzte in der Versorgung unersetzlich und Hausarztverträge ein wichtiger Baustein in der Versorgung. Um diese primäre Versorgungsebene weiterhin sicherzustellen, müsse man sich intelligente Strukturen überlegen.

"Es reicht nicht, einfach mehr Studenten ins System zu pumpen", kritisierte der Verbandschef. Schließlich sei die "Endstrecke" nicht attraktiv. Dabei gehe es nicht einfach darum, höhere Honorare zu zahlen. Schließlich habe sich gezeigt, dass "mehr Geld im System" nichts bringe.

Auch aktuell diskutiere man - trotz Milliardenzuwächse für Arzthonorare - immer noch über "dieselben Versorgungsprobleme" wie in den vergangenen Jahren. Vielmehr müsse es aber darum gehen, mehr Zeit für die Arzt-Patienten-Kontakte zu generieren.

"Innovationen sollten nicht nur Patienten bestimmter Kassen zur Verfügung stehen", forderte Gesundheitsforscher Professor Reinhard Busse von der TU Berlin. In der Versorgung sollte zudem die Frage im Vordergrund stehen, was Patienten wollten.

Das Gesundheitssystem sei zu sehr auf "Sektorendenken" fixiert. Nach Ansicht von Vorstandsmitglied der KV Westfalen-Lippe, Dr. Thomas Kriedel, geht es nicht ohne Kollektivverträge: "Ansonsten ist keine Sicherstellung der flächendeckenden Versorgung möglich." Er sprach sich zusätzlich für Add-on-Verträge aus.

Lesen Sie dazu auch: Bahr: Debatte um Versorgung erst am Anfang

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