Impfstoffpolitik

Bayern setzt Verhandlungen über russischen Corona-Vakzine Sputnik V fort

Der russische Corona-Impfstoff Sputnik V könnte schon bald auch in Bayern produziert werden. Eine EU-Zulassung gibt es zwar noch nicht. Trotzdem will der Freistaat Millionen Dosen der Vakzine kaufen.

Veröffentlicht:
A nurse from the vaccination office of the polyclinic No. 5 in Tambov holds a box and an ampoule with the Russian vaccine against the coronavirus infection Gam-COVID-Vac (Sputnik V)

Wer Russisch kann, ist klar im Vorteil: Brechampulle von Sputnik V, der offziell Гам-КОВИД-Вак heißt.

© Lev Vlasov / SOPA Images / ZUMAPRESS.com / picture alliance

Illertissen. Nach der Zulassung einer Impfstoffproduktion bei der deutschen Tochter des russischen Pharmakonzerns R-Pharm will die bayerische Staatsregierung auch weiterhin über einen Ankauf des Impfstoffs Sputnik V verhandeln. Dies erklärte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums in München.

„Bislang wurde weder ein Kaufvertrag unterzeichnet noch wurden Kaufpreiszahlungen geleistet“, betonte sie allerdings. R-Pharm hatte am 1. Oktober vom zuständigen Landratsamt Neu-Ulm die sogenannte immissionsschutzrechtliche Genehmigung für die Herstellung von Sputnik V erhalten.

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte im April erklärt, 2,5 Millionen Dosen der russischen Corona-Vektorvakzine ankaufen zu wollen. Die EU-Kommission hat den Impfstoff bislang nicht zugelassen, auch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat bislang keine entsprechende Empfehlung ausgesprochen.

Bayern bei der Impfquote im Tabellenkeller

Die EU-Zulassung sei wesentliches Kriterium für einen Kauf des Impfstoffs durch den Freistaat, sagte die Ministeriumssprecherin. Wann die Europäische Kommission darüber entscheide, sei noch nicht absehbar. Dem Bayerischen Rundfunk teilte das Ministerium zudem mit, dass auch die Kosten für einen möglichen Sputnik-Ankauf noch unklar seien.

Die Grünen-Fraktionschefin im Landtag, Katharina Schulze, bezeichnete das Festhalten an Sputnik für falsch. „Söder sollte seine Energie lieber in die Steigerung der Impfquote stecken“, schrieb sie auf Twitter. Es mangele nicht an Impfstoff, trotzdem sei Bayern auf den hinteren Plätzen.

Mecklenburg-Vorpommern hatte ebenfalls geplant, den russischen Impfstoff anzukaufen. Mittlerweile wurden dort die Pläne aber auf Eis gelegt, nachdem die EU-Prüfung von Sputnik länger als ursprünglich erwartet dauert.

Impfstoffproduktion in Illertissen

Ungeachtet dessen begrüßt das Gesundheitsministerium in München, dass das Landratsamt Neu-Ulm den Antrag der R-Pharm-Tochter in Illertissen genehmigt hat. Es gehe in Gesprächen mit dem Unternehmen „auch um die Schaffung von Produktionskapazitäten in der Region, die mit Blick auf die künftige Versorgungssicherheit von Interesse sind“, sagte die Sprecherin.

R-Pharm hatte angekündigt, mehr als 30 Millionen Euro in eine impfstofftaugliche Biotech-Produktion in Schwaben zu investieren. Die Fabrik in Illertissen besteht bereits seit dem 19. Jahrhundert. R-Pharm hatte den traditionsreichen Pharmastandort 2014 übernommen. (dpa)

Mehr zum Thema

Klinischer Nutzennachweis nötig

Moderne Wundversorgung: Die langsamen Mühlen des GBA

Aktuelle Zi-Zahlen

Videosprechstunden auch 2021 auf erhöhtem Niveau

Positionspapier zur Vorsorge

Plädoyer für „Herz-Check 50“

Das könnte Sie auch interessieren
Die Chancen der Vitamin-C-Hochdosis-Therapie nutzen

© Pascoe Naturmedizin

Vitamin-C-Therapie

Die Chancen der Vitamin-C-Hochdosis-Therapie nutzen

Anzeige | Pascoe Naturmedizin
Claudia Vollbracht, Humanbiologin und medizinische Wissenschaftlerin beim Unternehmen Pascoe

© [M] Privat; Levan / stock.adobe.com

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Wie Vitamin-C-Infusionen bei COVID-19 helfen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pascoe
Long-COVID-Syndrom: Warum Frauen häufiger betroffen sind

© Pascoe Naturmedizin

Vitamin-C-Infusionen bei Long-COVID

Long-COVID-Syndrom: Warum Frauen häufiger betroffen sind

Anzeige | Pascoe Naturmedizin
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden / registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lange wurden Jugendliche nur als Zielgruppe für Corona-Impfungen wahrgenommen, nicht aber als Pandemieopfer. Das sorgt jetzt für volle Wartezimmer bei Therapeuten.

© Frank Hoermann / SvenSimon / picture alliance

Zi-Trendreport

Corona wirkt weiter auf Fallzahlen

Bei der Knie-Totalendoprothese gibt es einiges zu beachten, mahnt ein Orthopäde.

© peterschreiber.media / stock.adobe.com

Appell des BVOU

Mehr Zurückhaltung bei der Indikation zu Knieendoprothesen!

Besteht eine Indikation zur Schilddrüsen-Operation, wird heutzutage nicht mehr das ganze Organ entfernt.

© 7activestudio / stock.adobe.com

Screening

Schilddrüsenknoten sind meist unbedenklich