Versorgung von COVID-19-Kranken

Berlin braucht 800 Mitarbeiter für Corona-Klinik auf der Messe

In Berlin soll auf dem Messegelände ein zusätzliches Corona-Krankenhaus entstehen. Mit Hochdruck wird an den Konzepten gearbeitet. Während der Innenausbau nächste Woche starten soll, fehlt es noch an Ärzten und Pflegekräften.

Von Madlen Schäfer Veröffentlicht: 24.03.2020, 12:26 Uhr
Südeingang der Messe Berlin: Auf dem Gelände entsteht derzeit ein zusätzliches Corona-Behandlungszentrum.

Südeingang der Messe Berlin: Auf dem Gelände entsteht derzeit ein zusätzliches Corona-Behandlungszentrum.

© Michael Kappeler/dpa

Berlin. In Berlin soll möglichst zeitnah das Projekt „Corona Behandlungszentrum Jafféstraße“ realisiert werden. Bereits jetzt sei abzusehen, dass die Zahl der COVID-19-Patienten in der Hauptstadt steigen werde.

Das Behandlungszentrum soll die Krankenhäuser und Kliniken der Stadt entlasten. „In der Annahme, dass die Krankenhäuser mit den Mengen überfordert sein könnten, hat Berlin rechtzeitig entschieden, wir bauen als Überlaufmöglichkeit eine Zusatzmöglichkeit für die Behandlung“, sagt Projektleiter Alfred Broemme, ehemaliger Landesbranddirektor und THW-Präsident.

Vor einer Woche hatte Broemme das Projekt von der Berliner Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci angeboten bekommen.

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Halle 26 wird zum Klinikstandort

Bis zur Eröffnung des neuen „Corona Behandlungszentrums Jafféstraße“ gibt es noch einige Herausforderungen zu bewältigen. Zunächst wurde geprüft, an welcher Stelle in der Stadt ein solches Krankenhaus am schnellsten zu realisieren sei. Genutzt wird die Halle 26, die von der Messe verwendet wird.

„Die Halle soll von der Messe sichtbar und aus Sicherheitsgründen räumlich abgetrennt werden“, sagt Broemme. Für die nächsten Monate soll die Halle für ihren neuen Zweck genutzt werden, solange wie die Behandlung von Patienten erforderlich sein wird.

Der Innenausbau soll bereits in der kommenden Woche beginnen. „Das Ziel ist, bis zu 1000 Betten dort zu haben, wo verschiedene Arten von Beatmungsmethoden durchgeführt werden“, sagt Broemme. Einige Elemente eines typischen Krankenhauses wie eine Wäscherei oder Krankenhausküche könnten in der Halle nicht realisiert werden. „All dies muss an anderer Stelle gemacht werden“, erklärt er.

Nur für die „leichteren“ Corona-Fälle

„Die allerschwersten Fälle, die eine Intensivbehandlung erfordern, können wir dort überhaupt nicht betreuen“, sagt der Projektleiter weiter. Diese Patienten müssten im Krankenhaus behandelt werden. Das Behandlungszentrum soll grundsätzlich dazu dienen, dass die Krankenhäuser nicht überfüllt sind und Patienten verlagern können.

„Bei all den Nöten, die man jetzt hat, bei all den zeitlichen Nöten, darf man solche Prinzipien nicht mit Füßen treten, denn die Leute sollen ja gesund da raus kommen“, sagt Alfred Broemme. Hygiene- und Gesundheitsvorschriften werden beachtet und die Planung von Fachleuten betreut.

Broemme schätzt, dass 600 bis 800 Mitarbeiter im Schichtbetrieb für das Corona Behandlungszentrum notwendig sein werden. Doch woher sollen die Ärzte und Pflegekräfte für das zusätzliche Krankenhaus kommen?

„Ich denke da an Belegkliniken, Rehakliniken, wo der Betrieb quasi eingestellt wird. Das werden wir auch noch mit Spitzenverbänden kommunizieren. Wir werden auch einen allgemeinen Aufruf machen“, sagt Broemme auf Nachfrage der „Ärzte Zeitung“.

Pensionierte Ärzte und Pfleger bieten Hilfe an

Ärzte aus den Krankenhäusern würden dort nicht arbeiten, sie werden auch künftig in den Kliniken gebraucht. Per Mail hätten sich aber bereits 30 bis 40 Menschen aus dem Ruhestand gemeldet, die eine Unterstützung in der Arbeit angeboten hätten, so Broemme.

Eine Möglichkeit sei es, über die Spitzenorganisationen auch auf Sportärzte etwa aus dem Profifußball zurückzugreifen. „Natürlich hat ein Sportarzt noch nie mit Infektionspatienten zu tun gehabt, aber da muss man eben zum Teil auch mit Schulungen und Anweisungen, wie man damit umzugehen hat, arbeiten“, erklärt Broemme.

Auf die Unterstützung der Kassenärztlichen Vereinigung setzt der Projektleiter des Behandlungszentrum aus guten Gründen nicht, die KV könne keine Ärzte stellen. Sowohl der Pflegedienst als auch der KV-Dienst werde so schon immer stärker beansprucht, je mehr Menschen sich in der häuslichen Isolation befänden. Wenn man sie für das Behandlungszentrum abziehe, fehlten die Vertragsärzte „dann wieder bei ihren eigentlichen Aufgaben“, so Broemme. Eine Option seien aber Medizinstudenten.

Träger fürs Corona-Krankenhaus gesucht

Ein Träger für das Krankenhaus wird derzeit noch gesucht. „Das wird noch eine schwierige Aufgabe“, sagt Broemme. Die Bundeswehr unterstützt das Projekt beratend, auch ein Offizier ist mit im Team.

„Immer dann wenn wir merken, dass wir die Fähigkeiten der Bundeswehr brauchen, wird es ein gezieltes Amtshilfeersuchen geben“, sagt Alfred Broemme. Bisher sei dies aber nicht erforderlich. Die Dringlichkeit des Corona Behandlungszentrums sei erkannt und werde sehr gut von allen Seiten unterstützt. Der Eröffnungstermin ist noch unbekannt.

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