Weniger Lust(ig)

Beschneidung kostet Sex-Spaß

Beschnittene Männer haben schlechteren Sex, berichten belgische Wissenschaftler. Ihre Studie ergab: Mit der Vorhaut geht auch etwas Sexvergnügen verloren.

Dr. Robert BublakVon Dr. Robert Bublak Veröffentlicht:
Mindert die Beschneidung die sexuelle Lust?

Mindert die Beschneidung die sexuelle Lust?

© Yuri Arcurs / fotolia.com

GENT. Wie empfindsam der Penis auf erogene Reizung reagiere abhängig davon, ob eine Zirkumzision vorgenommen wurde oder nicht, wollten Urologen um Guy Bronselaer von der Universitätsklinik Gent wissen.

Um das herauszufinden, haben sie 1059 unbeschnittene und 310 beschnittene Männer gefragt (BJU Int 2013, online 4. Februar).

Beschnittene haben schlechteren Sex

Ausgehend von der im Allgemeinen wohl zutreffenden Annahme, dass sich Menschen während sexueller Stimulation nicht gerne von fremden Wissenschaftlern untersuchen lassen, wählten die Forscher den Befragungsweg über das Internet.

Um Interessenten für das Projekt zu gewinnen, hatten zuvor Medizinstudenten nach dem Zufallsprinzip Handzettel auf belgischen Bahnhöfen verteilt.

Kurz zusammengefasst lautet das Ergebnis der Untersuchung: Beschnittene haben schlechteren Sex. Jeweils auf einer nach Intensität aufsteigenden Fünf-Punkte-Skala verortet, gab es signifikante Unterschiede zuungunsten der zirkumzidierten Männer.

Diese betrafen den sexuellen Genuss (im Mittel 3,7 versus 3,4) und die Orgasmusintensität (3,4 versus 3,2) bei Reizung der Glans. Am Penisschaft verspürten Beschnittene mehr Missempfindungen und Schmerzen, die Punktzahl lag im Mittel bei rund 1,2 versus 1,05.

Die differierende Erregbarkeit betraf vor allem den lateralen und dorsalen, weniger den ventralen Bereich des Penis, der bei einer Beschneidung am wenigsten an materieller Substanz verliert.

Im Übrigen waren im Erwachsenenalter Beschnittene schlechter dran als im Kindesalter Operierte.

Was weg ist, ist weg

Das Studiendesign betrachtend mag man einwenden, die Ergebnisse beträfen zunächst einmal internetaffine belgische Bahnfahrer.

Allerdings liefert die Anatomie keine Gründe anzunehmen, dass die Vorhäute von Männern außerhalb dieses Kollektivs wesentlich anders funktionieren.

Aus diesem Grund will nach Angaben von Bronselaer und seinen Kollegen von der Universitätsklinik Gent der Entschluss, sich eine normal gewachsene Vorhaut kürzen zu lassen, reiflich überlegt sein - zumal, wenn keine medizinische Indikation dafür besteht.

Denn was weg ist, ist weg, und fürs männliche Lustempfinden spielt das Präputium offenbar keine ganz geringe Rolle.

Mehr zum Thema

Was wird aus den NVL?

ÄZQ wird aufgelöst – Verträge gekündigt

Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Allokation von Ressourcen in schwierigen Zeiten

Allgemeinmedizin, das ist „lebenslange Präzisionsmedizin“

DGIM-Kongress

Sepsis-Verdacht: Eine Stunde, fünf essenzielle Maßnahmen

Lesetipps
Klinische Daten sind spärlich: EM-Aufnahme von Phagen.

© Matthew Dunne / ScopeM / ETH Zürich

Viele Studien, wenig Evidenz

Phagentherapie – der lange Weg in die klinische Anwendung

Was tun bei persistierenden Beschwerden trotz L-T4-Substitution?

© Kateryna_Kon / stock.adobe.com

Schilddrüsenhormon-Substitution

L-T4/L-T3-Kombination: Letztes Wort noch immer nicht gesprochen