Großbritannien

Brexit-Angst geht in Praxen um

Ein No-Deal-Brexit würde britische Praxen, Kliniken und Arzneihersteller vor große Probleme stellen. Notfallpläne werden langsam konkreter.

Veröffentlicht: 11.01.2019, 06:06 Uhr
Brexit-Angst geht in Praxen um

Wehende Fahnen vor dem Big Ben: Großbritannien steht eine spannende Zukunft bevor.

© Michael Kappeler / dpa / ZUMAPRESS.com / picture alliance

LONDON. In wenigen Wochen, am 29. März 2019, wird voraussichtlich Großbritannien nach mehr als 40 Jahren Mitgliedschaft die EU verlassen. In Arztpraxen, Kliniken, bei Patienten und bei Arzneimittelherstellern breitet sich zusehends Angst und sogar Panik aus, wie es nach dem EU-Aus weitergehen wird.

Grund für die zunehmende Panik im Medizinbetrieb ist die Möglichkeit eines No-Deal-Brexit, also das Ausscheiden des Königreichs aus der EU ohne irgendwelche Einigungen. Britische Arzneimittelhersteller haben in den vergangenen Monaten Millionen investiert, um sich für diesen Ernstfall zu rüsten. Industrievertreter sprechen beim No-Deal vom „ultimativen Super-GAU“.

Gerade wurde bekannt, dass die Londoner Regierung vorsichtshalber Frachtunternehmen optioniert hat, die im Falle eines No-Deal Flugzeuge, Schiffe und anderes Transportgerät bereit halten sollen, um dringend benötigte Arzneimittel schnell ins Land zu schaffen.

Der staatliche Gesundheitsdienst (National Health Service, NHS) hat nach eigenen Angaben kürzlich „500 neue Kühlschränke“ bestellt, um zusätzliche Lagerkapazitäten für besondere Arzneimittel zu haben. Und spricht man in diesen Tagen mit britischen Ärzten und Klinikmanagern, dann fällt auf, dass sich die Stimmung in den Praxen und Kliniken in den vergangenen Tagen deutlich verdüstert hat.

„Niemand wünscht einen No-Deal. Aber genau das wird immer wahrscheinlicher“, so ein Londoner Klinikarzt zur „Ärzte Zeitung“. „Wir stehen vor potenziell riesigen Problemen bei der Patientenversorgung, sollte Westminster jetzt nicht schnell doch noch eine Einigung hinlegen.“

Bis zum Brexit Day am 29. März sind es weniger als 80 Tage. Das Unterhaus muss während dieser Zeit noch mehr als 300 Gesetze, Bestimmungen und anderes an die Zeit nach der EU anpassen. Freilich: Da das Parlament zwischen jetzt und dem 29. März nur an 43 Tagen überhaupt zu Sitzungen zusammen kommen wird, drängt die Zeit sehr. (ast)

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