Lieferengpässe

Bundesgesundheitsministerium lehnt mehr Zwang ab

Ungeachtet andauernder Meldungen über fehlende Arzneien und Impfstoffe wertet das Ministerium die Situation als undramatisch.

Veröffentlicht:

BERLIN. Die Bundesregierung sieht keinen Handlungsbedarf beim Thema Lieferengpässe für Arzneimittel und Impfstoffe. Diese Engpässe seien "häufig nicht von langer Dauer, auch müssen sie nicht zwangsläufig zu Versorgungsengpässen führen", heißt es in der Antwort von BMG-Staatssekretärin Ingrid Fischbach auf eine Anfrage der Linken-Fraktion.

Stattdessen verweist das BMG auf das öffentliche Register beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Dort können Hersteller auf freiwilliger Basis melden, bei welchen Präparaten die Lieferung hakt.

Dieses Register werde "zunehmend als hilfreiche Informationsquelle genutzt", heißt es unter Verweis auf die Einschätzung des BfArM.

Großhandel und Apotheken garantierten bisher eine ein- bis zweiwöchige Vorratshaltung. Das BMG nennt es "fraglich", ob eine zusätzliche Vorratshaltung durch Hersteller Lieferengpässe "spürbar abmildern könnte".

Ein Pharma-Hersteller sei schon bisher im Arzneimittelgesetz verpflichtet, für die "bedarfsgerechte Bereitstellung" eines Medikaments zu sorgen, das er in Verkehr gebracht hat.

Wenn Versorgungsmängel "außerhalb des Verantwortungsbereichs" des Herstellers liegen, liege kein Verstoß gegen den Bereitstellungsauftrag vor. Zusätzliche Rechte von Behörden gegenüber Herstellern seien daher nicht nötig, heißt es in der Antwort von Fischbach.

Linke werfen Regierung Untätigkeit vor

Auch Lieferschwierigkeiten bei Impfstoffen wertet das BMG als undramatisch: Bislang habe sich nur die Impfung "bei einzelnen Personen" verzögert, Krankheitsausbrüche aufgrund fehlender Impfungen habe es nicht gegeben.

Für die aktuellen Lieferprobleme beim Varizellen-Einzelimpfstoff und dem Masern-Mumps-Röteln-Varizellen-(MMRV)-Kombinationsimpfstoff werde sich im zweiten Quartal entspannen, Hinweise auf bisher ausgefallene oder verspätete Impfungen lägen der Regierung nicht vor. Verzögerungen bei diesen Impfungen seien "kurzfristig hinnehmbar".

Ob Lieferprobleme auch im EU-Ausland existieren, vermag das BMG nicht zu beantworten.

Kathrin Vogler, Sprecherin für Arzneimittelpolitik bei den Linken, warf der Regierung Untätigkeit vor. Dass freiwillige Melderegister nicht ausreichen, bestätigten Experten aus Kliniken, Apotheker und der Ärzteschaft, sagt Vogler.

Über die Situation bei Impfstoffen wisse das BMG "erschreckend wenig", kritisierte sie. (fst)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Kommission fordert Grippeimpfung auch für gesunde Kinder

© Getty Images

STIKO-Empfehlungen

Kommission fordert Grippeimpfung auch für gesunde Kinder

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Junge Frau spricht mit einer Freundin im Bus

© Getty Images

Update

Impflücken bei Chronikern

Chronisch krank? Grippeimpfung kann Leben retten

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Grippeschutz in der Praxis – Jetzt reinhören!

© Viatris-Gruppe Deutschland

Update

Neue Podcast-Folgen

Grippeschutz in der Praxis – Jetzt reinhören!

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema

Ist das AMNOG bereit für HIV-Innovationen?

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Martinsried
Arzneiforschung: Von Innovationen profitieren nicht nur Patienten, sondern immer auch die Gesellschaft als Ganzes.

© HockleyMedia24 / peopleimages.com / stock.adobe.com

Nutzenbewertung

Arznei-Innovationen: Investition mit doppeltem Nutzen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa)
Abb. 1: Zeitaufwand pro Verabreichung von Natalizumab s.c. bzw. i.v.

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [9]

Familienplanung und Impfen bei Multipler Sklerose

Sondersituationen in der MS-Therapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Biogen GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Vergleich der Kreise

Wo sich besonders wenige Senioren gegen Pneumokokken impfen lassen

„Sprechende Medizin“ beim Bayerischen Rundfunk

Hausarzt Schelling klärt im Radio über wichtige Gesundheitsthemen auf

Cochrane Review zu Ginkgo biloba

Ginkgo biloba: Kein Nutzen bei MCI, geringe Effekte auf Demenz

Lesetipps
Menschen im Park machen Qigong-Übungen

© zinkevych / Stock.adobe.com

Nutzen durch randomisierte Studie belegt

Qigong-Übungen senken erhöhten Blutdruck

Tablette, auf der GLP-1 steht

© THIBNH / Generated with AI / Stock.adobe.com

Neuer GLP-1-Rezeptoragonist

Orforglipron: Bekommt Semaglutid jetzt Konkurrenz?