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Corona-Lage in Frankreich

Macron und die Machtprobe zwischen Medizin und Politik

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron stößt die prominente Position führender Epidemiologen im Land sauer auf. In Regionen, wo die Coronavirus-Mutation grassiert, wird der Ruf nach Lockdown-Verschärfungen laut.

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Frankreichs Präsident Emmanuel Macron ist ungeduldig angesichts der öffentlichkeitswirksamen Rolle von Epidemiologen in der Pandemie. Viele Medien deuten dies als Machtkampf zwischen Medizin und Politik.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron ist ungeduldig angesichts der öffentlichkeitswirksamen Rolle von Epidemiologen in der Pandemie. Viele Medien deuten dies als Machtkampf zwischen Medizin und Politik.

© Hamilton/Pool/ABACAPRESS.COM/picture-alliance

Paris. Gegen den Willen seiner wissenschaftlichen Berater weigert sich Frankreichs Präsident Emmanuel Macron seit Wochen, die Corona-Schutzmaßnahmen weiter zu verschärfen oder einen neuen harten Lockdown anzuordnen.

Macrons Position wird nicht von allen Politikern geteilt, aber seine Haltung ist nach Meinung vieler Journalisten der Versuch, den Einfluss der Ärzte auf die Politik wieder zurückzudrängen. Bereits Anfang Februar berichteten Medien, dass Macron, der in den ersten Monaten der Pandemie den Empfehlungen seines wissenschaftlichen Beirats stets gefolgt war, diesen Experten seit Dezember immer weniger traue.

Privat hätte er sich mehrmals über die Ärzte geärgert, die „systematisch die Apokalypse prophezeien“, während das Land nicht nur mit steigenden wirtschaftlichen Probleme kämpfen müsse, sondern auch mit einer Welle psychischer Erkrankungen, von denen vor allem jüngere Franzosen betroffen seien. Auch der „Beinahe-Star-Status“ einiger Epidemiologen, die rund um die Uhr ihre Meinungen und Forderungen öffentlich äußerten, sei ihm unerträglich geworden, heißt es.

Ausgangssperre mit vielen Ausnahmen

Dieser Vertrauensverlust sei der Hauptgrund, warum Frankreich trotz aller Warnungen den aktuellen Status quo verlängere und die Maßnahmen nicht verschärfe. So gilt die Ausgangssperre nur abends und nachts und das mit vielen Ausnahmen. Selbst Premier Jean Castex, der sich mehrfach für härtere Maßnahmen stark gemacht hatte, erklärte kürzlich, dass ein neuer harter Lockdown gegenwärtig nicht in Sicht sei.

Während viele Bürger und Politiker weitere Lockerungen fordern, halten andere dies für verantwortungslos. Das gilt vor allem für das nordfranzösische Dünkirchen, wo die britische Mutationsvariante grassiert. Auch der Bürgermeister von Nizza, der wegen der dortigen besorgniserregende Lage seit mehreren Wochen einen lokalen Lockdown verlangt, hält Macrons Haltung für befremdlich.

Er fürchtet, dass Frankreich bald ein ähnliches Schicksal droht, wie vor wenigen Wochen Portugal. Da sich die Lage rund um Nizza seit Tagen weiter verschlechtert, könnte nun aber doch bald eine lokale Ausgangssperre für zwei Wochen verhängt werden, hieß es am Montag.

Nimmt die Inzidenz wieder zu, schwächt dies Macron

Besonders schwer von der Pandemie betroffen sind derzeit auch das lothringische Département de la Moselle sowie die Überseeinsel Mayotte. In vielen anderen Regionen ist die Lage dagegen nicht mehr so schlimm. Derzeit wirkt es wie eine politische Machtprobe zwischen Ärzten und Politikern. Gibt Corona Macron recht, wird dieser triumphieren und könnte schon für die nächsten Präsidentschaftswahlen 2022 punkten.

Gleichzeitig würde ein starker Rückgang der Pandemie die Glaubwürdigkeit der Experten schwächen und ihren Einfluss weiter reduzieren. Nimmt die Inzidenz hingegen wieder zu, wird Macron zwar schärfere Maßnahmen anordnen müssen, aber der Preis für ihn wird hoch sein. Denn wenn die Politik, wie es aktuell der Fall ist, in der Vorhand ist, hat der Chef der Nation kein Recht auf Fehler. (DDB)

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