Forderungen an Gesundheitspolitik

DGPPN will Priorität für psychische Gesundheit

Ein neuer Bundestag wird im Herbst gewählt. Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) hat ihre gesundheitspolitischen Forderungen bereits formuliert.

Von Christiane BadenbergChristiane Badenberg Veröffentlicht:
Im September wird gewählt. Die DGPPN hat schon mal ihre Forderungen formuliert.

Im September wird gewählt. Die DGPPN hat schon mal ihre Forderungen formuliert.

© Fokussiert / stock.adobe.com

Berlin. Die Bewältigung der Pandemie bestimmt derzeit die Politik. Die Parteien sind noch nicht richtig im Wahlkampfmodus, da meldet die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) bereits ihre Forderungen zur Bundestagswahl im September an.

Die Sorge ist groß, dass angesichts der Pandemie, deren Folgen auch die kürzlich noch üppig gefüllten Kassen der Gesetzlichen Krankenversicherung stark dezimieren, andere gesundheitspolitisch drängende Fragen aus dem Blickfeld geraten. Zum Beispiel, eine bessere Versorgung der Menschen mit psychischen Erkrankungen, von denen laut DGPPN jeder Vierte in Deutschland betroffen ist.

Pandemie deckt Schwächen auf

„Die Pandemie hat uns in den letzten Monaten die Schwächen der Gesundheitsversorgung vor Augen geführt. Sie hat psychische Erkrankungen verschlechtert und insbesondere arme, entwurzelte Menschen in prekären Lebensverhältnissen, darunter viele mit psychischen Erkrankungen, von der Gesundheitsversorgung komplett ausgeschlossen, obwohl sie diese gerade jetzt besonders nötig hätten“, kritisiert DGPPN-Präsident Professor Thomas Pollmächer. Das sei für ein reiches Land nicht akzeptabel.

„Wir werden uns deshalb in diesem richtungsweisenden Wahljahr auf vielen Ebenen einmischen und unseren Forderungen an die Politik Nachdruck verleihen“, so Pollmächer. Es gehe schließlich um eine adäquate Versorgung, eine langfristig gesicherte Forschung, mehr berufliche und soziale Teilhabe für Betroffene und die Stärkung der Patientenrechte.

Angebote zur Früherkennung und -behandlung psychischer Erkrankungen müssten flächendeckend ausgebaut und das Potenzial präventiver Maßnahmen besser ausgeschöpft und gefördert werden, fordert der DGPPN-Präsident.

Damit das Ziel psychisch Kranke besser zu versorgen erreicht wird, schlägt die DGPPN eine trialogisch besetzte Expertenkommission beim Bundesgesundheitsministerium vor.

Expertenkommission beim BMG

Sie soll über die notwendigen politischen und gesetzgeberischen Maßnahmen beraten, wie Versorgung, Forschung und Teilhabe weiterentwickelt werden könnten.

Die DGPPN fordert darüber hinaus unter anderem:

  • Aufklärungs- und Informationskampagnen zum Beispiel in Schulen, an Arbeitsplätzen oder in Nachbarschaften. So sollen Vorurteile reduziert werden.
  • Bessere Ausstattung und niedrigschwelliger Zugang zu bestehenden Versorgungsangeboten. Vor allem eine angemessene Vergütung der Diagnostik in der vertragsärztlichen Praxis, eine bessere Personalausstattung in den Kliniken, einen leichteren Zugang zu medizinischer Reha und Soziotherapie sowie die Finanzierung von kultursensiblen Angeboten und Dolmetscherleistungen.
  • Neue Angebotsstrukturen, die bestehende Lücken im System schließen. Dazu zählt die DGPPN intensiv-ambulante Komplexleistungen, sozialpsychiatrische Schwerpunktpraxen, fachärztlich supervidierte Krisendienste und digitale Gesundheitsanwendungen.
  • Der Etat zur Erforschung psychischer Erkrankungen soll von ein auf fünf Prozent der gesamten öffentlichen Gesundheitsforschung angehoben werden.
  • Fortführung des Innovationsfonds über 2024 hinaus unter anderem mit den Förderschwerpunkten psychische Erkrankungen und Vermeidung von Zwang.
  • Förderung des trialogischen Prinzips in der Versorgungs- und Hilfeplanung, in der Behandlung, in der Forschung sowie in Kontroll- und Beschwerdestellen.
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