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KV Schleswig-Holstein

Das Ende der Harmonie?

Werden Hausärzte benachteiligt? In der KV-VV im Norden kam es zu einer in dieser Form völlig unerwarteten kontroversen Diskussion. Dem Ehrenvorsitzenden tat das "Gift aus Berlin" weh.

Dirk SchnackVon Dirk Schnack Veröffentlicht:
"Hausärzte - eine von vielen Fachgruppen, die sich benachteiligt fühlen": KV-Vorstand Dr. Ralph Ennenbach.

"Hausärzte - eine von vielen Fachgruppen, die sich benachteiligt fühlen": KV-Vorstand Dr. Ralph Ennenbach.

© Schnack

BAD SEGEBERG. Nun hat auch Schleswig-Holstein seine Hausarzt-Facharzt-Kontroverse. In der jüngsten Abgeordnetenversammlung kam es erstmals im Norden zu gegenseitigen Vorwürfen.

Erst der Ehrenvorsitzende Dr. Klaus Bittmann sorgte für ein Ende der Diskussion. "Dass Sie zulassen, dass das Gift aus Berlin hier herein kommt, tut mir weh", fasste Bittmann nach einer langen Diskussion seine Gemütslage zusammen.

Ausgerechnet die Abgeordneten in Bad Segeberg, die stets ihre Geschlossenheit betonen und die Kontroversen in Berlin gern auch öffentlich verurteilen, hatten sich aus einem scheinbar nichtigen Grund in eine lange Debatte über die von manchen Hausärzten so empfundene Benachteiligung hineingesteigert. Dabei brach offen zutage, dass es mit der Geschlossenheit nicht so weit her ist, wie die Nordlichter es gerne hätten.

Anlass war ein von vielen Vorsitzenden der Vertreterversammlungen unterzeichnetes Papier zur Situation auf Bundesebene, das die Geschlossenheit der Ärzteschaft unterstreicht - mit "Allgemeinplätzen", wie Dr. Thomas Maurer befand.

Der Chef des Hausärzteverbands in Schleswig-Holstein hätte stattdessen gern über "Knackpunkte" gesprochen, wozu aus seiner Sicht auch die Benachteiligung der Hausärzte gehört - etwa durch eine aus seiner Sicht nicht angemessene Repräsentanz der Hausärzte in den Gremien. "Wir wollen gleichlange Spieße", forderte Maurer.

Sich als Verlierer zu fühlen, muss noch keine Wahrheit sein

Sein Kollege aus dem Vorstand des Hausärzteverbands, Michael Sturm, beklagte ebenfalls fehlende Solidarität. Er vermisst, dass andere Fachgruppen die Hausärzte unterstützen, wenn diese zusätzliches Geld über Selektivverträge aushandeln. Sein Kollege Dr. Björn Steffensen forderte, die Probleme der Hausärzte offen anzusprechen und nicht "zuzudecken".

Der großen Mehrheit und der Hausspitze bereitete diese nach Meinung des Abgeordneten und Allgemeinmediziners Dr. Axel Kloetzing "rückwärts gewandte Diskussion" Unbehagen. "Wir bekommen gerade demonstriert, dass es bei uns doch so läuft wie woanders", sagte Dr. Dennis Wolter.

Der Vorsitzende der Abgeordnetenversammlung Dr. Christian Sellschopp erinnerte Maurer daran, dass er nicht als Hausarzt, sondern als Vertreter seines Kreises - und damit für jede Fachgruppe - in die Abgeordnetenversammlung gewählt wurde.

Sein Stellvertreter Dr. Uwe Bannert erhielt großen Beifall für seine Forderung, der Fachgruppenzugehörigkeit weniger Bedeutung beizumessen, als dies auf Bundesebene geschieht: "Warum soll dieses Kriterium so bedeutend sein, dass alles danach sortiert wird?".

KV-Vorstand Dr. Ralph Ennenbach machte deutlich, dass die Hausärzte nur eine von vielen Fachgruppen sind, die sich benachteiligt fühlen. "Nur weil Sie sich als größte Gruppe kollektiv als Verlierer fühlen, muss es nicht wahr sein."

Am Ende stimmten die Abgeordneten doch über das Papier zur KBV-Politik ab - bei einer Gegenstimme und drei Enthaltungen wurde es begrüßt. (di)

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