Zahlenbericht

Der PKV laufen Versicherte weg

2011 wuchs die Private Krankenversicherung, jetzt verliert sie Versicherte. Außerdem rechnet die PKV mit deutlich höheren Leistungsausgaben.

Ilse SchlingensiepenVon Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht:

KÖLN/BERLIN. Die privaten Krankenversicherer erwarten für das laufende Jahr eine Zunahme der Beitragseinnahmen um 3,4 Prozent auf 35,9 Milliarden Euro. Der Anstieg bei den Leistungsausgaben wird stärker ausfallen.

Hier geht der PKV-Verband von einem Plus von 4,8 Prozent auf 23,9 Milliarden Euro aus.

"Der Kostenanstieg bleibt somit auch 2012 deutlich über der allgemeinen Preissteigerung", schreibt Verbandsdirektor Dr. Volker Leienbach im PKV-Zahlenbericht 2011/2012.

Mehr als 15.000 Versicherte verließen die PKV

Während die PKV-Unternehmen im Jahr 2011 noch einen Zuwachs bei der Zahl der Vollversicherten um 80.900 auf 8,98 Millionen erzielen konnten, verzeichnete die Branche im ersten Halbjahr dieses Jahres einen Rückgang um 15.300 Vollversicherte.

"Trotz dieses Negativwachstums im Neugeschäft bleibt der Wechsel-Saldo gegenüber der gesetzlichen Krankenversicherung positiv", sagte der scheidende Präsident des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft Rolf-Peter Hoenen vor Journalisten in Berlin.

Der Marktanteil der 43 Mitgliedsunternehmen des PKV-Verbands blieb verglichen mit dem ersten Halbjahr 2011 stabil bei 11,4 Prozent.

Die Zahl der Zusatzversicherungen nahm in den ersten sechs Monaten dieses Jahres um 86.300 auf 22,6 Millionen zu. Das war ein geringerer Zuwachs als ein Jahr zuvor, als die Versicherer noch 118.700 neue Policen absetzten.

Der PKV-Verband erklärt die Zurückhaltung damit, dass viele Kunden offenbar auf die neue Unisex-Tarifwelt warten. Ab dem 21. Dezember 2012 dürfen die Unternehmen nur noch geschlechtsneutrale Tarife anbieten.

6,7 Milliarden Euro für stationäre Leistungen

Im vergangenen Jahr erzielte die PKV nach den jetzt vorliegenden endgültigen Zahlen Beitragseinnahmen von 34,7 Milliarden Euro, das waren 4,2 Prozent mehr als 2010.

Von den gesamten Einnahmen entfielen 25,2 Milliarden Euro oder 72,6 Prozent auf die Vollversicherung.

Die Versicherungsleistungen inklusive der Schadensregulierungskosten legten um 3,9 Prozent auf 22,8 Milliarden Euro zu. Für die ambulante Arztbehandlung gaben die Versicherer insgesamt 5,4 Milliarden Euro aus, das war eine Zunahme um 3,2 Prozent.

Die Ausgaben für Arzneien und Verbandmittel legten um 1,8 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro zu. Die Kosten für stationäre Leistungen beliefen sich auf 6,7 Milliarden Euro, das war ein Plus von 4,2 Prozent.

Ausgaben für ambulante Arztbehandlung nimmt pro Versicherten zu

Im Zahlenbericht weist der PKV-Verband darauf hin, dass der Ausgabenanstieg pro Versichertem im vergangenen Jahr mit 3,2 Prozent deutlich stärker ausfiel als 2010 mit 2,2 Prozent.

"Er liegt damit sowohl über der allgemeinen Preissteigerung als auch über der Ausgabensteigerung in der GKV."

Bei der ambulanten Arztbehandlung nahmen die Ausgaben pro Versichertem um 2,2 Prozent zu. Das sei gegenüber den 0,45 Prozent des Jahres 2010 eine starke Zunahme, so der Verband.

Die Verwaltungskosten beliefen sich auf 849 Millionen Euro, das war eine Steigerung um 4,2 Prozent. Die Abschlussaufwendungen legten um 4,1 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro zu.

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