Bericht der Wehrbeauftragten

Die Corona-Armee sucht weiterhin Fachärzte

Neue Herausforderungen, alte Probleme: Die Bundeswehr erntet Lob für den Einsatz ihrer Soldaten in der Coronavirus-Pandemie – und hadert mit der Ausrüstung.

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Soldatinnen des Sanitätsdienstes der Bundeswehr vom Sanitätsregiment 1 Weißenfels aus Sachsen-Anhalt – wie viele andere Kameradinnen und Kameraden auch im Corona-Einsatz.

Soldatinnen des Sanitätsdienstes der Bundeswehr vom Sanitätsregiment 1 Weißenfels aus Sachsen-Anhalt – wie viele andere Kameradinnen und Kameraden auch im Corona-Einsatz.

© Robert Michael/dpa

Berlin. Die Bundeswehr hat in der Coronavirus-Pandemie eine neue Aufgabe gefunden: Anfang Februar seien neben der nahezu vollständigen Einbindung des Sanitätsdienstes zusätzlich etwa 11.900 Soldaten im Einsatz gegen das Virus gebunden gewesen, berichtete die Wehrbeauftragte Eva Högl (SPD) bei der Vorstellung ihres Berichts für 2020 am Dienstag in Berlin.

Demnach sind insgesamt rund 25.000 Soldaten in Bereitschaft – die Bundeswehr hat bisher auf mehr als 3400 sogenannte Amtshilfeersuchen von Städten und Kreisen reagiert. Allein in 311 von rund 400 Gesundheitsämtern seien 5540 Soldaten tätig geworden.

Zudem hätten sich 11.800 Reservisten freiwillig für einen Einsatz im Rahmen der Corona-Hilfe gemeldet, 1250 sind dann tatsächlich zum Dienst gezogen worden. Högl warb dafür, das Engagement dieser Soldaten durch eine Einsatzmedaille zu würdigen.

Bundeswehr hat ein Attraktivitätsproblem

Dass COVID-19 auch die Bundeswehr umgetrieben hat, zeigt die Statistik der Beschwerden von Soldaten. Rund 500 von 2753 dieser Eingaben betrafen die Pandemie. Dass der Sanitätsdienst der Bundeswehr eigene Apotheken betreibt und bestimmte Produkte selbst herstellen konnte, habe sich insbesondere in der ersten Phase der Pandemie als Vorteil herausgestellt – der Bundesrechnungshof hatte wiederholt die Abschaffung dieser Einheiten angeregt.

Nach wie vor hat die Bundeswehr ein Attraktivitätsproblem: Im Vorjahr waren 20200 Dienstposten – rund 18 Prozent – unbesetzt. Dies gilt zumal im Sanitätsdienst. Dort waren im Vorjahr zwölf von 28 Stellen von Neurochirurgen vakant, in der Rettungs- und Notfallmedizin galt dies für 121 von 499 Stellen. Zu selten gelinge es, durch Zuschläge qualifiziertes Personal zu halten.

Zwei Fachärzte verlängerten ihre Dienstzeit um jeweils vier Jahre, als die Bundeswehr 14000 Euro jährlich oben drauf legte. In vielen Fällen aber sei die Konkurrenz auf dem zivilen Arbeitsmarkt zu groß.

Ausstattung teilweise prekär

Wie überall gilt die Ausstattung auch im Sanitätsdienst als teilweise prekär. Erst 2022 soll mit der Neuanschaffung moderner Rettungsfahrzeuge begonnen werden. Ende dieses Jahres soll flächendeckend die „Anfangsbefähigung“ für eine elektronische Aktenführung im Sanitätsdienst existieren. Das sei „sehr optimistisch“, schreibt dazu Högl. Bisher verwaltet die Bundeswehr Gesundheitsakten ihrer Soldaten auf Papier.

Das Krankenhausinformationssystem in den Bundeswehr-Kliniken krankt dem Bericht zu Folge an vielen Stellen: Es wurde vergessen, beim Kauf der Software auch einen Supportvertrag abzuschließen. (fst)

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