Porträt

Dr. Silja Schäfer: Ernährungstipps vom TV-Hausboot

Ihr Steckenpferd hat ihr eine Rolle in der TV-Sendung „Die Ernährungs-Docs“ beschert: Die Ernährungsmedizin sollte schon im Studium einen größeren Stellenwert erhalten, meint Dr. Silja Schäfer. Vier Verbesserungsvorschläge.

Von Dirk SchnackDirk Schnack Veröffentlicht:
TV-„Ernährungsdoc“ Dr. Silja Schäfer sieht noch viel Potenzial für die Ernährungsmedizin.

TV-„Ernährungsdoc“ Dr. Silja Schäfer sieht noch viel Potenzial für die Ernährungsmedizin.

© Dirk Schnack

Kiel. Nach jedem Patientengespräch ein Glas Wasser, morgens schon die Obst- und Gemüse-Box für den Mittagslunch in der Praxis vorbereiten – es gibt so einige Tipps, mit denen niedergelassene Ärzte ihre Ernährungsgewohnheiten auch im stressigen Alltag noch verbessern könnten. Dr. Silja Schäfer weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer dies manchmal sein kann.

Die Kieler Hausärztin hat Familie, einen vollen Praxistag und ist rund 300 Stunden im Jahr mit Aufgaben rund um die Sendung „Die ErnährungsDocs“ des NDR beschäftigt. Schäfer ist dort neben Dr. Anne Fleck, Dr. Matthias Riedl und Dr. Jörn Klasen eine der Ärztinnen und Ärzte, die die Ernährung von Patienten mit schweren gesundheitlichen Problemen analysieren und Empfehlungen für eine Umstellung geben.

Es läuft bereits die siebte Staffel

Seit 2020 ist Schäfer dabei, wenn die Ärzte Patienten mit Gesundheitsproblemen auf ein Hausboot in Hamburg-Hammerbrook einladen, dort mit ihnen über die Ursachen ihrer Erkrankung sprechen und ein Konzept für eine Ernährungsumstellung erarbeiten. Die weitere Entwicklung halten die Patienten in einem Videotagebuch fest und kommen nach Fortschritten und Rückschlägen schließlich zum Arztgespräch zurück auf das Hausboot.

Ich möchte nicht jedem die Ernährungsmedizin aufoktroyieren, sondern warte oft, bis Fragen von den Patienten kommen.

Dr. Silja Schäfer, Fachärztin für Allgemeinärztin in Kiel

Schäfer wurde zu einem Zeitpunkt von der Produktionsfirma gefragt, als die Sendung im Norden bereits ein Erfolg war und auf weiteren ARD-Sendern im dritten Programm zu sehen war. Derzeit läuft die siebte Staffel der 2015 erstmals ausgestrahlten Sendung. Seit ihrer Mitwirkung sieht Schäfer sich in ihrer Einstellung zur Bedeutung der Ernährung für die Gesundheit noch gestärkt. „Ernährung kann so viel bewirken“, sagt sie.

Schäfer bezeichnet sich selbst als „Hausärztin mit Leib und Seele“. Die seit neun Jahren niedergelassene Fachärztin für Allgemeinmedizin ist schulmedizinisch ausgebildet, geprägt und überzeugt, dass dieser Weg nicht verlassen werden sollte. Sie wünscht sich allerdings, dass die Ernährungsmedizin darin einen größeren Stellenwert erhält.

„Wir sind mit der Ernährungsmedizin noch nicht da, wo wir hinwollen“, sagt sie. Potenzial sieht sie an vielen Stellen:

  • Lehre: „Hier ist die Ernährungsmedizin noch nicht richtig angekommen“, sagt Schäfer. Wer sich als Medizinstudent mit dem Thema auseinandersetzen möchte, müsse oft „Nebenwege“ gehen. Besser wäre es, das Thema verpflichtend in Lehrpläne zu integrieren. Dies könnte auch helfen, zum Teil noch bestehende Vorurteile über die Ernährungsmedizin unter Ärzten abzubauen.
  • Politik: „Es könnte viel mehr getan werden“, sagt Schäfer, die sich mehr gesetzgeberische Initiative für gesunde Ernährung und zum Beispiel eine Zuckersteuer wünscht. Die neu eingeführte Ampel sieht sie allerdings als Fortschritt.
  • Schule: „Das Wissen um Ernährung sollte spielerisch im jungen Alter vermittelt werden“, sagt die Hausärztin. Damit könnten Kinder viele Erfahrungen verinnerlichen, die sie später wie selbstverständlich im Alltag umsetzen und dies nicht als Belastung begreifen.
  • Aufklärung: „Es herrscht eine für Patienten verwirrende Informationsflut“, beobachtet Schäfer. Es fehlt ihr an Einordnung und wissenschaftlich fundierten Informationen. Angebliche Experten und deren Eigeninteressen bewirken nach ihrer Wahrnehmung nicht immer, dass die Gesundheit der Menschen profitiert. In ihrer Sprechstunde nimmt die Ernährungsmedizin nach ihrer Einschätzung rund die Hälfte der Zeit ein. Das liegt vor allem daran, dass oft die Patienten das Thema anschneiden und sie inzwischen Patientenanfragen aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz bekommt.

Sie versucht, die meisten davon an Kollegen in Wohnortnähe zu vermitteln. Sie stellt auch klar: „Ich möchte nicht jedem die Ernährungsmedizin aufoktroyieren, sondern warte oft, bis Fragen von den Patienten kommen.“ Viele von ihnen haben sich nach ihrer Wahrnehmung über Medien Informationen angeeignet, die aber nach einem roten Faden und der jeweils passenden Unterstützung verlangen.

„Komplett-Paket“ für Patienten

In ihrer eigenen Praxis haben sie und ihre Praxispartnerinnen Dr. Inken Langhans und Dr. Martina Renth sich darauf eingestellt. Die beiden Kolleginnen sind Fachärztinnen für Innere Medizin und Diabetologie. Angestellt haben sie mit Dr. Manfred Simon einen Hausarzt, der sich seit Jahrzehnten mit der Ernährungsmedizin beschäftigt, sowie Diabetesassistentinnen und Ökotrophologinnen.

Mit diesem Team können sie flexibel auf verschiedene Probleme von Patienten reagieren. Solch ein „Komplett-Paket“ muss nach Ansicht Schäfers aber nicht sein, um mit Patienten zielführend über Ernährung zu sprechen: „Hausärzte können so viele kleine, wichtige Tipps geben, die ihren Patienten helfen.“

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