Jahresbericht zur Gleichstellung der Geschlechter

EU-Kommission sagt Paternalismus den Kampf an

Zum Internationalen Frauentag will die EU unter anderem mehr weibliche Führungskräfte – auch in an sich schon frauendominierten Berufsfeldern wie der Gesundheit und der Pflege.

Von Matthias WallenfelsMatthias Wallenfels Veröffentlicht:
Ohne Männerquote? Auch Frauen entscheiden als Führungspersönlichkeiten – das will die EU-Kommission in Zukunft gerne sehen.

Ohne Männerquote? Auch Frauen entscheiden als Führungspersönlichkeiten – das will die EU-Kommission in Zukunft gerne sehen.

© Gernot Krautberger / stock.adobe.com

Brüssel. Die Gleichstellung der Geschlechter muss in Europa im Mittelpunkt der Erholung nach der Corona-Pandemie stehen. Das postuliert die EU-Kommission nun anlässlich des Weltfrauentages am 8. März mit Blick auf die Ergebnisse des aktuellen EU-Jahresberichtes zur Gleichstellung der Geschlechter. Die Verordnung über die Aufbau- und Resilienzfazilität sehe vor, dass die Gleichstellung der Geschlechter und Chancengleichheit für alle bei der Ausarbeitung und Umsetzung der nationalen Aufbau- und Resilienzpläne berücksichtigt und gefördert werden sollten, stellt die Kommission klar. Und ergänzt: Frauen müssten auch in Führungspositionen besser vertreten sein, sei es in der Politik oder in den Leitungsorganen von Unternehmen.

Die Pandemie habe die bestehenden Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern in fast allen Lebensbereichen, sowohl in Europa als auch darüber hinaus, verschärft. Hart erkämpfte Errungenschaften der vergangenen Jahre seien wieder zunichtegemacht worden, heißt es im Bericht. So sei in den Mitgliedstaaten ein wesentlicher Anstieg häuslicher Gewalt festgestellt worden. Frauen stünden aber gleichzeitig an der Front der Pandemiebekämpfung: Im EU-Schnitt seien 76 Prozent der Beschäftigten in Gesundheit und Pflege Frauen – in der Pflege gar 86 Prozent. In der Pandemie müssten sie einen hohen Arbeitsaufwand schultern und seien einem großen Gesundheitsrisiko ausgesetzt, so die Kommission.

Jeder dritte Gesundheitsminister ist der EU ist weiblich

Wie es im Bericht weiter heißt, wiesen nur 30 Prozent der Gesundheitsminister in der EU ein weibliches Geschlecht auf. Die EU-Kommission drängt derweil auf mehr Frauen in Führungspositionen, nachdem mit Ursula von der Leyen erstmals kein Mann ihrer Spitze steht.

Zum Internationalen Frauentag gab die EU-Kommission eine entsprechende Erklärung ab: „Das letzte Jahr war ein schwieriges Jahr. Die COVID-19-Pandemie hat niemanden verschont und stellte für Frauen weltweit eine besondere Herausforderung dar. Ärztinnen und Ärzte, Krankenpfleger/innen, Lehrkräfte, Verkäufer/innen – häufig von Frauen ausgeübte Berufe – standen an vorderster Front der Pandemie. Dazu übernahmen Frauen auch größere Verantwortung zu Hause.“

Während Frauen den Großteil der Arbeitskräfte an vorderster Front im Gesundheitswesen ausmachten, seien sie kaum in den Entscheidungsprozessen in der Pandemie vertreten. „So waren beispielsweise in den nationalen spezifischen COVID-19-Taskforces in 87 Ländern, davon 17 EU-Mitgliedstaaten, 85,2 Prozent Männer“, verdeutlicht die Kommission.

Fortschritte würden hart erkämpft, gingen aber leicht wieder verloren. „Wir müssen darauf hinarbeiten, dass Europa ein Vorreiter für die Rechte der Frau bleibt. Rückschritte sind keine Option, und wir werden uns weiterhin für Fortschritte einsetzen“, so die Conclusio der Kommission.

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Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Dr. Thomas Georg Schätzler

Jenseits der Paternalismus/Maternalismus Debatte - Jungchen/Mädchen/Diverschen?

Bevor die EU-Kommission in ihrem Jahresbericht zur Gleichstellung der Geschlechter dem Paternalismus den Kampf ansagt, sollte Sie deren vielschichtige, regionale und sprachliche Ursachen nicht aus den Augen verlieren.

Es ist sicherlich keine semantische Spitzfindigkeit, dass es in unserer deutschen Sprach- und Alltagskultur keine Gender-gerechten Ausdrucksformen für jüngere Frauen, Männer, Diverse bzw. Kinder gibt.

Immer stehen die (großen) JUNGEN der Verkleinerungsform der (kleinen) MÄDCHEN gegenüber. Selbst die Bundesregierung spricht offiziell von einer "Jobbörse für Jungen und Mädchen", ohne rot zu werden.

Im Englischen heißt es BOY/GIRL (mit Tendenz zum diskriminierend-diminuierenden girlie). Im Französischen heißt es neutral FILLE et GARÇON bzw. petite garçon und petite fille.

Aber selbst © Linguee Wörterbuch, 2020, übersetzt nicht korrekt: Da werden garçons pl m - mit Jungen pl · Jungs pl [ugs.] · Burschen pl
und dagegen
filles pl f - Mädchen pl · Girls pl · Mädels pl [ugs.] übersetzt. Vom korrekten Gegensatzpaar Mädchen/Bübchen ist nicht die Rede.

Im Österreichischen Sprachraum gibt es die Gegensatzpaare MÄDCHEN/BÜBCHEN, Bub/Mad oder Büberl/Madl.

Der fehlerhafte Deutsche Sprachgebrauch entlarvte sich vollends, wenn die diskriminierende und diminuierende Ausdrucksweise Jungen/Mädchen/Diverschen weiter Platz greifen würde.

Die Deutsche Sprache belegt offensichtlich ein Ausnahmetalent, was die Diskriminierung und Verniedlichung des Weiblichen angeht: In krassem Gegensatz zu allen anderen Sprachräumen der Europäischen Gemeinschaft.

Mf+kG, Ihr Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

Dr. A. Constantin Rocke

Quoten und „equality of outcome“ sind sicherlich keine Lösung. Die sozialistischen Ideen haben wir doch kürzlich erst überwunden, weil sie einfach nicht funktionieren! In Skandinavien zeigt sich, dass Männer und Frauen umso mehr (!) die jeweils „typischen“ Berufe verfolgen, je mehr sie „gleichgestellt“ werden. Kleine Polemik am Rande: Dass Frauen in der Führung auch nicht besser agieren sehen wir seit Jahren täglich an Frau vd Leyen. Der sg. „gender pay gap“ hat wohl diverse Ursachen, nicht nur das Geschlecht an sich. Bezgl. der Gewalt in der Coronakrise ist die oft zitierte Studie gerade zum Vgl. zu vorher explizit nicht geeignet laut Autorenteam! Hier wird mit Steuergeldern Ideologie mit fehlender Datenbasis verbreitet. Das ist unwissendchaftlich. Die biologischen Geschlechtsunterschiede werden ja ebenfalls aus politischen Gründen zunehmend negiert, gerade diese sollten uns Ärzte m.E. zuallererst interessieren!


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