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Kommentar – Neue DEGAM-Leitlinie

Eine politische Leitlinie

Raimund SchmidVon Raimund Schmid Veröffentlicht:

Die Leitlinie „Schutz vor Über- und Unterversorgung“ auf die Füße zu stellen, war wirklich ein Kraftakt, wie er bisher bei kaum einer Leitlinie zuvor zu stemmen war.

Dies liegt vor allem daran, dass die neue Leitlinie neben überwiegend strikt evidenzbasierten Teilen auch eindeutig politisch ausgerichtete Meinungen enthält. Der Vorsitzende der Leitlinienkommission, Professor Martin Scherer, hat schon recht, wenn er sagt, dass eine Leitlinie zur Fehlversorgung eigentlich gar nicht unpolitisch sein kann.

Denn implizit steckt in der Leitlinie an verschiedenen Stellen nicht nur der Ruf nach Stärkung der hausärztlichen Versorgung, sondern auch nach einem Primärarztmodell, selbst wenn diese Begriffe selbst nicht genannt werden.

So kritisieren die Autoren in ihrem Kommentar zur Empfehlung, bei Kreuzschmerzen solle ein Arzt eine „Lotsenfunktion“ übernehmen, das „Ärztehopping“: Hierzulande sei es möglich, eine „beliebige Zahl von Ärzten (...) zuzahlungsfrei zu konsultieren“.

Die Folge: nicht nur Ressourcenverschwendung, sondern auch das Risiko für „nicht miteinander abgestimmte Medikationen“ und „fehlgeleitete“ Patienten. Nur eine „zuverlässige Koordination durch einen verantwortlichen Arzt“ könne das vermeiden. Klarer kann man es politisch kaum ausdrücken.

Lesen Sie dazu auch: Neue DEGAM-Leitlinie: 26 priorisierte Empfehlungen für Hausärzte

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