Enttäuschendes Jahr 2012

Ernüchternde Bilanz für deutsche Biotech-Unternehmen

Mehr als eine Dekade nach dem Hype am Neuen Markt muss die Hoffnung auf eine deutsche Biotechszene, die es bis zu eigenen Arzneimittel-Innovationen bringt, wohl endgültig begraben werden.

Christoph WinnatVon Christoph Winnat Veröffentlicht:
Kernkompetenz Forschung: Die deutschen Biotech-Firmen sind von eigenen Produkten noch immer weit entfernt.

Kernkompetenz Forschung: Die deutschen Biotech-Firmen sind von eigenen Produkten noch immer weit entfernt.

© Medigene

FRANKFURT / MAIN. "Umdenken..." ist der 14. Report der Unternehmensberatung Ernst & Young zur Situation der deutschen Biotech-Start-ups überschrieben.

Zwar fehlt mit dem Ausrufezeichen der Imperativ. Doch Dr. Siegfried Bialojan, der die Studie vor kurzem in Frankfurt präsentierte, ließ keinen Zweifel daran, dass der Titel durchaus auch als Aufforderung zu verstehen ist.

Vor zwei Jahren bereits befand der Leiter des Life-Science-Industriezentrums bei E & Y, die einst vielversprechende Produktstory gebe unter den deutschen Biotechs nicht mehr das vorherrschende Orientierungsbild ab.

Erfolgreicher und weit weniger riskant entwickelten sich diejenigen Unternehmen, die auf die Vermarktung von Technologieplattformen entlang der Wertschöpfungskette in der Pharmaforschung setzten.

Die jüngste Branchenbilanz bestätige dies. Bialojan: "Biotechunternehmen sollten sich noch intensiver auf ihre eigentlichen Stärken als Technologieentwickler konzentrieren und sich als Ideenlieferant und Innovationsmotor begreifen".

Kein Wirkstoff im Zulassungsverfahren

2012 war von Enttäuschungen geprägt. "Kaum Erfolge bei der Entwicklung neuer Wirkstoffe, hohe Verluste, anhaltende Probleme bei der Kapitalbeschaffung".

Die 403 deutschen Biotech-Unternehmen (-1,0 Prozent) setzten zwar mit 1,13 Milliarden Euro vier Prozent mehr um. Jedoch nahmen auch die Verluste zu, um 17 Prozent auf -490 Millionen Euro. Die F&E-Ausgaben gingen um sieben Prozent auf 727 Millionen Euro zurück.

294 Wirkstoffe befinden sich der Analyse zufolge in den Entwicklungspipelines, davon 166 in der Präklinik, 44 in Phase I und 75 in Phase II. Nur noch neun Projekte werden in Phase III bearbeitet. Im Vorjahr waren es in dieser späten klinischen Phase noch 14 Präparate.

Kein deutsches Biotech-Start-up hat derzeit einen Wirkstoff im Zulassungsverfahren. Auch bei der Finanzierung sieht Berater Bialojan wenig Grund zur Freude.

Zwar flossen der Branche mit 287 Millionen Euro deutlich mehr Mittel zu als im Vorjahr (131 Millionen Euro). Doch sei die Venture-Capital-Vergabe nach wie vor sehr volatil.

Hauptsächlich Anbieter von Technologieplattformen hätten in den letzten Finanzierungsrunden profitiert. - Offenkundig schenken auch die Investoren der Produktstory kaum noch Glauben.

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