Ärztemangel

Thüringer FDP: Fachkräftegipfel statt Schnellschuss beim Aufbau von Studienplätzen

Kritik an der Forderung von Minister Lauterbach, kurzfristig 5000 zusätzliche Medizinstudienplätze zu schaffen, kommt nun auch von der Thüringer FDP. Besser sei ein Bundes-Gipfel zum Fachkräftemangel.

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Anatomie-Vorlesung: Geht es nach Gesundheitsminister Lauterbach sollen zügig 5000 zusätzliche Medizinstudienplätze entstehen. In Thüringen hält man ein anderes Vorgehen für zielführender.

Anatomie-Vorlesung: Geht es nach Gesundheitsminister Lauterbach sollen zügig 5000 zusätzliche Medizinstudienplätze entstehen. In Thüringen hält man ein anderes Vorgehen für zielführender.

© Waltraud Grubitzsch / picture alliance / dpa

Erfurt. Kann eine Aufstockung der Medizinstudienplätze das Versorgungsproblem der Zukunft lösen? Die FDP im Thüringer Landtag hält das für zu kurz gesprungen. In einem Antrag fordert sie daher den Landtag auf, sich für einen Gipfel „Fachkräfteoffensive – medizinische, zahnmedizinische und pharmazeutische Versorgung 2030“ im Rahmen der Gesundheitsministerkonferenz (GMK) der Länder einzusetzen.

Ein Gipfel, an dem sich auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) aktiv beteiligen müsse, sagte der FDP-Landtagsabgeordnete Robert-Martin Montag. Montag hat den Antrag federführend initiiert.

Lauterbach sei in der Pflicht, von den Ländern nicht nur mehr Studienplätze abzufordern, sondern gute Lösungen für den Fachkräftemangel als „Arbeitsauftrag an sich selbst“ zu verstehen. Beim Neujahrsempfang der Deutschen Ärzteschaft in Berlin vergangene Woche hatte Lauterbach seine Forderung nach bundesweit 5000 zusätzlichen Medizinstudienplätzen wiederholt. Doch die Länder seien nicht bereit, diese zu finanzieren, so die Botschaft des Gesundheitsministers.

Tatsächlich eine Platzfrage

Laut Montag haben sich die Länder in der Tat in den vergangenen Jahrzehnten aus der Verantwortung gestohlen, was die Ausbildung von Fachkräften – auch in der Zahnmedizin und Pharmazie – betrifft. Er wertet die aktuelle Lage aber ganz ähnlich wie die Bundesvertretung der Medizinstudierenden e.V. (bvmd): „Für mehr Studienplätze fehlen schlicht die Kapazitäten baulicher Art“, sagt er im Gespräch mit der Ärzte Zeitung. Nicht besser sehe es bei den Lehrkräften aus, die es dafür brauche.

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Hausarztquoten sieht Montag ebenfalls kritisch. Erst am Dienstag hatte das thüringische Gesundheitsministerium ein entsprechendes Hausärztesicherstellungsgesetz vorgelegt, das eine solche Quote vorsieht. „Hausarztquoten nützen nichts, das ist Mangelverwaltung. Wenn ich wenige Studienplätze mit dem Label Landarzt versehe, gewinne ich insgesamt ja nicht mehr Kapazitäten“, stellt Montag klar.

Studierende aktiv einbeziehen

Der Vorschlag der FDP in Thüringen lautet daher, dass bei einem Gipfel Fachkräfteoffensive, der eben nicht nur die Humanmedizin, sondern ebenso die Zahnmedizin und Pharmazeuten umfasst, bundesweit gemeinsam ein Studienkapazitäten-Aufbaupfad in allen drei Fächern festgelegt wird. Den Mangel gebe es auch in der Zahnmedizin und bei den Apothekerinnen und Apothekern.

„Die Situation im Osten ist absehbar dramatisch, bei den Zahnärztinnen und -ärzten besonder stark. Wir sehen ja, dass in den nächsten Jahren ganze Alterskohorten in Ruhestand gehen“, beschreibt er die Situation. Der gemeinsame Studienkapazitäten-Aufbaupfad solle als Grundlage eines novellierten Hochschulpaktes dienen. An dem Gipfel sollen auch Vertreter der Studierenden und Kassenärztlichen und Kassenzahnärztlichen Vereinigungen beteiligt werden.

Warum nicht das Studium im Ausland unterstützen?

Zur zeitlichen Überbrückung, bis ausreichend Studienplätze bereitstehen, solle zumindest schon einmal ein Landesprogramm in Thüringen aufgelegt werden, das Kooperationen mit ausländischen Fakultäten vorsieht. Genauer fordert die FDP, dass das Land für eine gewisse Zahl an Absolventen die Studiengebühren für die Dauer der Regelstudienzeit übernimmt.

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Finanziert werden soll dies bei den Medizin- und Zahnmedizinstudierenden durch Landesmittel und Mittel aus dem Strukturfonds nach Paragraf 105 SGB V, bei den Pharmaziestudierenden nur aus Landesmitteln.

Alle Praxisbestandteile des Studiums und Pflichtpraktika sollen die Teilnehmer verpflichtend in Thüringen absolvieren. Gleiches gilt für die Facharztweiterbildung und die Weiterbildung zum Fachzahnarzt/-zahnärztin oder Fachapotheker/-apothekerin. Darüber hinaus sollen die Studierenden verpflichtet werden, später fünf Jahre als Ärztin/Arzt, Zahnärztin/-arzt oder Apothekerin/Apotheker in Thüringen zu arbeiten. Ganz bewusst habe man hier keine Zehnjahresverpflichtung wie in den Landarztprogrammen vorgesehen, erläuterte Montag. Wann der Antrag im Landtag tatsächlich beraten werden könnte, ist allerdings noch unklar. (reh)

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