Deutscher Kongress für Versorgungsforschung

Falkai: Versorgungsforscher und klinisch tätige Ärzte müssten stärker kooperieren

Beim Deutschen Kongress für Versorgungsforschung in Potsdam wollen Wissenschaftler und Ärzte beleuchten, welche Potenziale die Disziplin hat, konkret die Versorgung der Patienten zu verbessern.

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Potsdam. Versorgungsforscher treibt bei ihrem am Mittwoch (5. Oktober) in Potsdam beginnenden Kongress die Frage um, wie der Transfer medizinischer Innovationen in die klinische Praxis besser gelingen kann.

Das verfügbare Wissen über Neuerungen aus Zulassungsstudien sage in der Regel nur wenig darüber aus, wie sich medizinische Innovationen im Versorgungsalltag bewähren, sagte Professor Peter Falkai, Präsident des Deutschen Kongresses für Versorgungsforschung bei einem Online-Pressegespräch am Dienstag.

Beispiel psychische Erkrankungen: „Wir kommen an Grenzen“, sagte Falkai unter Verweis auf Patienten mit Depressionen. Rund zehn Prozent von ihnen entwickelten auch unter der Behandlung eine chronische Depression.

„Hier gibt es in den Abläufen viel zu tun“, so der an der Ludwig-Maximilians-Universität München arbeitende Psychiater. Er forderte, Versorgungsforscher und klinisch tätige Ärzte müssten stärker kooperieren.

Versorgungsforscher und Kliniker – oft zwei Welten

Denn nur idealiter flössen Erkenntnisse aus der Versorgungsrealität in die klinische Forschung zurück, um den Therapieansatz weiter zu verbessern. Tatsächlich stünden beide Gruppen bisher „oft unverbunden nebeneinander“.

Professor Christoph Corell, Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters an der Charité, betonte die Komplementarität der Arbeit von Versorgungsforschern und Klinikern. Wenn in randomisierten klinischen Studien 80 Prozent der in Frage kommenden Patienten ausgeschlossen werden – beispielsweise wegen Komorbidität, Substanzmissbrauch oder fehlender Einwilligungsfähigkeit – dann sei Versorgungsforschung das zentrale Instrument, um Therapieeffekte auch bei diesen oft klinisch hoch relevanten Patientengruppen untersuchen zu können, so Corell.

Doch was ist aus Sicht von Patienten unter einer Therapie wirklich wichtig? War die Beteiligung von Patienten in der medizinischen Forschung bis vor einigen Jahren nur ein Thema für wenige Spezialisten, so fördern inzwischen immer mehr Einrichtungen die Einbeziehung von Patienten in allen Phasen eines Forschungsprojekts, berichtete Privatdozentin Dr. Anna Levke Brütt vom Departement für Versorgungsforschung an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg.

Empfehlungen für Patientenbeteiligung

Deutschland habe hier Nachholbedarf, weil im Gegensatz zu manchen anderen Ländern eine öffentlich geförderte Infrastruktur für die Umsetzung von Patientenbeteiligung noch nicht existiere. Allerdings seien hier auch erst noch methodische Hürden zu nehmen, so Brütt.

Beispielsweise sei die häufig von Patienten als sehr wichtig bewertete Integration einer Therapie in den Alltag nicht einfach zu messen. Beteiligung führe somit per se nicht automatisch zu positiven Effekten bei Patienten. Wichtig sei es daher, Best-Practice-Beispiele zu identifizieren und daraus Empfehlungen für eine erfolgversprechende Patientenbeteiligung abzuleiten, forderte Brütt.

In der Onkologie werde schon lange daran gearbeitet, Forschung und Versorgung so miteinander zu verknüpfen, dass sich im Ergebnis das Therapieergebnis verbessert, sagte Professor Monika Klinkhammer-Schalke, Vorstandsvorsitzende des Deutschen Netzwerks Versorgungsforschung. Sie erwähnte als Beispiel das Innovationsfonds-Projekt „Wirksamkeit zertifizierter Zentren“, für das Daten aus klinischen Krebsregistern mit Abrechnungsdaten der AOK verknüpft wurden.

Im Ergebnis konnte gezeigt werden, dass die Behandlung in zertifizierten onkologischen Zentren die Überlebenschance von Krebspatienten erhöht. Versorgungsforschung habe durchaus auch politische Implikationen, so Klinkhammer-Schalke. Es gehe darum, auf Basis der Versorgungsforschung Gesundheitspolitik zu verändern. (fst)

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