Bahr beim Apothekertag

Gemeinwohl statt Kostendeckung

Zum Apothekertag hatte der Gesundheitsminister Zuckerbrot und eine Peitsche mitgebracht. Das bisherige System sei gut, lobte Bahr, aber jede einzelne Apotheke erhalten wolle er auch nicht.

Veröffentlicht: 13.10.2012, 17:12 Uhr
Apotheke: Der Gesundheitsminister will am bestehenden System nicht rütteln.

Apotheke: Der Gesundheitsminister will am bestehenden System nicht rütteln.

© Frank Rumpenhorst / dpa

MÜNCHEN (run/nös). Mit einem deutlichen Plädoyer für den Erhalt der unabhängigen, selbstständigen Apotheke und des Verbots von Ketten und Mehrbesitz, richtete sich Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr an die Apothekerschaft beim diesjährigen deutschen Apothekertag in München.

In seiner Ansprache an die Apotheker zur Eröffnung ihrer politischen Jahrestagung, bekräftigte Bahr, dass sich die bisherige Apothekenstruktur Deutschlands auch im Vergleich zu anderen EU-Staaten bewährt habe, denn damit werde ein hohes Maß an Arzneimittelsicherheit gewährleistet.

Aber, so schränkte er ein, dies rechtfertige auch gewisse Gemeinwohlpflichten, wie Nacht- und Notdienste, Labor- und Rezepturarbeiten sowie eine unabhängige Beratung. Apotheker seien zwar auch Kaufmann, aber ebenso Heilberufler.

Auf kritische Zwischenrufe zur aktuellen Honorarerhöhung äußerte er: "Ich halte die 25 Cent für gerecht." Er sehe es nicht als Aufgabe des Gesundheitsministers, jede einzelne Apotheke zu erhalten.

Auch die geplanten Notdienstpauschalen seien als Anerkennung der Gemeinwohlpflichten anzusehen, nicht als kostendeckende Honorierung.

Für ABDA-Präsident Heinz-Günter Wolf sind 25 Cent Honorarerhöhung nach neun Jahren aber nach wie vor zu wenig, denn mit jeder der vergangenen Gesundheitsreformen seien die Apotheker zusätzlich finanziell belastet worden.

Kritik an Rabattverträgen für Impfstoffe

Der Apothekertag 2012 finde daher nicht nur unter turbulenten Bedingungen statt. "Er ist einer meiner schwierigsten in meiner Amtszeit seit acht Jahren."

Um aber gemeinsame Ziele zur Verbesserung der wirtschaftlichen Situation in den Apotheken zu erreichen, schwor er die Kollegen zu mehr Solidarität ein. "Das Wichtigste ist, dass wir uns nicht auseinander dividieren lassen", betonte er.

Das "friendly fire", auf dass sich einige spezialisiert hätten, sei ebenso wenig hilfreich wie Aggressivität und Schwarzmalerei sagte er in Anspielung auf die zuletzt zum Teil sehr heftige Kritik aus den eigenen Reihen an der Standesführung.

Derweil sprachen sich die Delegierten des Apothekertags am Samstag gegen Rabattverträge für Impfstoffe aus. Derzeit gibt es Lieferprobleme für rabattierte Influenza-Vakzinen in Bayern und im Norden der Republik.

In Schleswig-Holstein und Hamburg haben die Kassen Ende der Woche als Reaktion auf den Engpass alle Impfstoffe zur Abgabe freigegeben.

Der Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbandes (DAV), Fritz Becker, kritisierte die Impfstoff-Rabattverträge: "Das muss sofort gestoppt werden."

Die Krankenkassen konterkarierten mit ihren wirtschaftlichen Interessen das Verlangen der Bürger auf eine ausreichende Versorgung, monierte er.

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