Kommentar zu Reha nach COVID-19

Genesen, aber nicht unbedingt gesund

Viele Patienten, die schwer an COVID-19 erkrankt waren, kämpfen noch lange mit den Folgen: physischen und psychischen. Eine Reha könnte ihnen die Rückkehr ins alte Leben erleichtern.

Von Dirk SchnackDirk Schnack Veröffentlicht:

In den vielen Statistiken über COVID-19 werden sie mitunter als „Genesene“ geführt: Menschen, die an COVID-19 erkrankt waren und die akute Krankheitsphase überstanden haben. In welchem gesundheitlichen Zustand sie dies geschafft haben, darüber geben die Statistiken keine Auskunft.

Tatsächlich finden manche Menschen schnell in ihren Alltag zurück, andere dagegen spüren noch Monate lang die Folgen und bleiben arbeitsunfähig. Sie weisen zwar nicht mehr die akuten Symptome auf – gesund sind sie deshalb nicht. Oft ist die Lungenfunktion noch nicht wiederhergestellt, die frühere Leistungsfähigkeit will sich nicht wieder einstellen.

Hinzu kommen die psychischen Folgen: Wie verarbeitet man die Angst, wenn man mit dem Tod rechnen musste? Wie verkraftet es ein Triathlet, wenn der Körper noch Wochen nach der Entlassung aus der Klinik keinen Sport zulässt?

Nach der Klinikentlassung sind Patienten in erster Linie erleichtert, dass sie COVID-19 überwunden haben.

Wenn ihnen in der Klinik keine Anschlussheilbehandlung ans Herz gelegt wird, sollten niedergelassene Ärzte daran denken. In der ambulanten Sprechstunde alle Folgeprobleme von COVID-19-Patienten aufzuarbeiten, sprengt schnell die Möglichkeiten von ohnehin am Limit arbeitenden Praxen.

Reha-Kliniken haben die entsprechenden Angebote, zum Teil schon zugeschnitten auf COVID-19. Sie helfen, den Weg zurück in das frühere Leben zu erleichtern oder zumindest ein Stück dieses Weges zu gehen. Wenn das gelingt, profitieren die Betroffenen, aber auch die ganze Gesellschaft. So wichtig der Fokus auf Vermeidung und Bekämpfung der akuten Erkrankung ist – auch die anschließenden Therapien dürfen nicht vernachlässigt werden.

Schreiben Sie dem Autor: gp@springer.com

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