Freedom-Day

Große Nervosität bei britischen Ärzten vor Ende der Corona-Einschränkungen

Angesichts des Endes aller COVID-19-Maßnahmen am Freedom-Day (19. Juli) herrscht in Großbritannien große Nervosität bei Ärzten. Manche befürworten auch die Rückkehr zur Normalität. Um im Herbst einigermaßen gewappnet zu sein, kündigt das Gesundheitsministerium kostenlose Grippeschutzimpfungen für mehr als 35 Millionen Menschen an.

Von Arndt StrieglerArndt Striegler Veröffentlicht:
Eine leere Wartehalle mit Abstandshaltern

Alle Maßnahmen gegen COVID sollen heute in Großbritannien der Vergangenheit angehören. Viele sind skeptisch, es gibt aber auch Befürworter.

© Frank Hoermann / SVEN SIMON / picture alliance

London. Große Nervosität bei Ärzten, Wissenschaftlern, Patienten und Politikern am britischen Freedom Day an diesem Montag. Am 19. Juli fielen alle noch in England geltenden COVID-Beschränkungen und die Welt schaut genau hin, wie sich das Infektionsgeschehen dort weiter entwickeln wird.

Innerhalb der britischen Ärzteschaft gibt es sowohl Befürworter für den Liberalisierungskurs der Regierung Johnson, als auch scharfe Kritiker. Zwar hatte der britische Ärztebund (British Medical Association, BMA) jüngst mehrfach vor zu vielen und zu frühen Lockerungen gewarnt. Zumal die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen in Großbritannien inzwischen die 50.000er Marke überstiegen hat. Auch die Zahl der Klinikeinweisungen und Todesfälle als Folge von COVID steigen.

Rund fünf Millionen warten auf Operation

Allerdings meldeten sich am Wochenende auch Klinikärzte und Hausärzte zu Wort und begrüßten vorsichtig „einen weiteren Schritt in Richtung Normalität“. Dabei wird seitens der Klinikärzte argumentiert, dass in Großbritannien inzwischen rund fünf Millionen Patienten auf eine Operation warten. Rekord.

Während der Pandemie mussten im staatlichen Gesundheitsdienst (National Health Service, NHS) hunderttausende Operationen mangels freier Kapazitäten im stationären Sektor abgesagt werden. Die Wartezeit für Gelenk-Operationen ist dramatisch in die Höhe geschnellt. Viele Patienten müssen jahrelang und unter Schmerzen warten. Auch im HNO-Bereich, in der Augenheilkunde und anderswo ist die Versorgungslage inzwischen desolat.

Endlich wieder Vorsorgeuntersuchungen

Onkologen klagen, dass als Folge der Pandemie zehntausende Krebspatienten „zusätzlich und unnötig“ sterben werden, weil sie wichtige Check-ups aus Angst vor COVID nicht wahrnahmen. „Der Abschied vom Lockdown wird mittelfristig dazu führen, dass Nicht-COVID-Erkrankungen wieder zeitnaher behandelt werden können“, so ein Sprecher der BMA. Dies sei zu begrüßen.

Andere Teile des Vereinten Königreichs sind deutlich vorsichtiger als England und folgten am Montag nicht dem „Big Bang der Lockerungen“ (so britische Boulevard-Zeitungen). So haben in Schottland, Nord-Irland und Wales zahlreiche Beschränkungen vorerst weiter Gültigkeit. In Edinburgh, Cardiff und Belfast wird man freilich genau wie in Deutschland und weltweit genau nach England schauen, um zu sehen, was dort als Nächstes geschieht.

Kann Grippeimpfung Rückschlag verhindern?

Um einen möglichen Corona-Rückschlag im Herbst zu verhindern, legt Großbritannien ein Grippeschutz-Impfprogramm auf. Mehr als 35 Millionen Menschen stehe von September an eine kostenlose Grippeschutzimpfung zur Verfügung, kündigte das Gesundheitsministerium in London am Samstag an. „Wenn sich das Land nun dem normalen Leben nähert, müssen wir lernen, neben anderen Viren auch mit Corona zu leben“, sagte Ressortchef Sajid Javid. „Deshalb bieten wir Millionen weiteren Menschen die kostenlose Grippeimpfung an, um sie diesen Winter zu schützen.“

Erstmals bieten die Behörden allen Kindern und Jugendlichen auf weiterführenden Schulen eine Grippeschutzimpfung an. Außerdem können unter anderem auch alle Kinder im Alter von zwei und drei Jahren, alle Grundschüler, Schwangere und alle über 50-Jährigen eine Dosis erhalten. Das Ministerium betonte, Ziel sei, den Erfolg des vergangenen Jahres zu übertreffen. Damals waren gut 80 Prozent der über 65-Jährigen in England gegen Grippe geimpft worden. Das liege über dem Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 75 Prozent. (mit dpa)

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