Kommentar zum britischen Impfprogramm

Schutzwand gegen Corona und Influenza

England stimmt seine Bürger auf ein riesiges Impfprogramm gegen Influenza im Herbst ein. Das sollten wir auch hierzulande tun.

Von Wolfgang GeisselWolfgang Geissel Veröffentlicht:

England plant in diesem Herbst das größte Grippe-Impfprogramm seiner Geschichte. Der National Health Service (NHS) werde den Schutz außer allen Bürgern ab 50 sowie Risikogruppen wie medizinischem Personal, Schwangeren und chronisch Kranken auch allen Kindern und Jugendlichen im Alter von 2 bis 16 Jahren anbieten.

Das hat Gesundheitsminister Sajid Javid angekündigt. Durch die Impfkampagne soll „eine Schutzwand für eine Rekordzahl der Engländer“ aufgebaut werden. Man hofft, dabei 35 Millionen Menschen impfen zu können.

Mit dem umfassenden Schutz in der Bevölkerung soll der doppelten Bedrohung von COVID und Influenza im Winter Rechnung getragen werden. Studiendaten von Public Health England aus der ersten Coronawelle legen nämlich nahe, dass sich die COVID-Mortalität bei Co-Infektion mit Influenzaviren mehr als verdoppelt.

Ausbleiben einer Grippewelle hat auch Nachteile

Zwar war die letzte Grippewelle in England – wie in Deutschland und vielen weiteren Ländern auch – (weitgehend) ausgeblieben. Dies wird mit den erfolgreichen allgemeinen Pandemiemaßnahmen wie Maske tragen, Abstandsregeln und Hygiene erklärt.

Das Ausbleiben der Grippewelle hat offenbar aber auch Nachteile: Die Bevölkerung hat keinen „Boost“ im Umgang mit Influenzaviren erfahren. Daher könnten Saisons mit sehr niedrigen Infektionszahlen die Vulnerabilität der Bevölkerung in nachfolgenden Wintern deutlich erhöhen, hat zum Beispiel eine US-Analyse historischer Daten ergeben (PNAS 2020; 117:30547).

Das alles spricht dafür, auch in Deutschland im kommenden Herbst fleißig gegen Grippe zu impfen. Senioren ab 60 kann dabei erstmals auch ein verbesserter Schutz durch eine neue Vakzine mit vierfachem Antigengehalt angeboten werden. Diese wird von der STIKO empfohlen und soll breit verfügbar sein.

Kommt die dritte Corona-Impfdosis?

Allerdings: Die Indikationsgruppen für die Impfung werden sich bei uns jetzt nicht mehr, wie dies in England geschieht, ausweiten lassen. Dafür reichte die Zeit für die Produktion der dafür notwendigen zusätzlichen Impfdosen nicht mehr. In jedem Fall würde Impfen auch komplizierter werden, wenn im Herbst eine dritte Dosis für den Coronaschutz nötig würde. Denn jeweils 14 Tage vor und nach einer Corona-Impfung darf nicht gegen eine weitere Krankheit geimpft werden.

Der dafür nötige Organisationsaufwand lohnt sich: Abgesehen vom Coronaschutz lassen sich mit keiner Impfung in Deutschland mehr Menschenleben retten als mit dem Schutz gegen Influenza.

Schreiben Sie dem Autor: wolfgang.geissel@springer.com

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