Umfrage der AOK Nordwest

Gute Infrastruktur? Das Wichtigste ist der Hausarzt um die Ecke

Eine Forsa-Umfrage im Auftrag der AOK Nordwest bestätigt die überragende Bedeutung von Hausärzten im Kontext der Daseinsvorsorge.

Von Ilse SchlingensiepenIlse Schlingensiepen Veröffentlicht:
Praxisschild. Wichtiger als Schulen, Bildung und Internet ist die Zugänglichkeit zur hausärztlichen Versorgung, meinen Einwohner in Westfalen-Lippe.

Wichtiger als Schulen, Bildung und Internet: Die Zugänglichkeit zur hausärztlichen Versorgung, meinen Einwohner in Westfalen-Lippe.

© Jens Büttner / dpa

Dortmund. Der Zugang zur hausärztlichen Versorgung ist für die Menschen das wichtigste Kriterium einer guten Infrastruktur vor Ort. Die Verfügbarkeit von Hausärzten ist 94 Prozent persönlich wichtig. Das Thema rangiert damit noch vor den Bereichen Schule und Bildungseinrichtungen (87 Prozent) sowie der Internetversorgung (86 Prozent).

Das geht aus einer repräsentativen Umfrage für die AOK Nordwest hervor. Das Meinungsforschungsinstitut Forsa befragte dafür im November vergangenen Jahres in Westfalen-Lippe 400 deutschsprachige Bürger ab 18 Jahren telefonisch. Demnach haben auch Krankenhäuser (85 Prozent), Fachärzte (83 Prozent) und Apotheken (81 Prozent) einen hohen Stellenwert für die Menschen.

Die zentrale Bedeutung der Hausärzte hatte sich bereits in einer vergleichbaren Umfrage vom Mai 2019 gezeigt. 80 Prozent der Befragten sind laut jüngster Umfrage mit Blick auf die tatsächliche Versorgung mit Hausärzten zufrieden. Bei Apotheken sind es 96 Prozent, bei Kliniken 79Prozent und bei Fachärzten 65 Prozent.

Qualität ist entscheidend

Bei der Entscheidung für einen bestimmten Arzt oder ein bestimmtes Krankenhaus spielt die nachweislich gute Qualität mit 97 Prozent beziehungsweise 98 Prozent die entscheidende Rolle. Auch die Spezialisierung auf die Erkrankung der Befragten ist mit 85 Prozent und 92 Prozent sehr relevant.

Die kurze Entfernung zur Wohnung ist dagegen bei der Wahl des Arztes für 64 Prozent wichtig und beim Krankenhaus nur für 41 Prozent. „Nach unserer Interpretation ist das ein klares Votum: Vorfahrt für Qualität“, sagte Tom Ackermann, Vorstandsvorsitzender der AOK Nordwest.

Auch mit finanziellen und sonstigen Anreizen werde es nicht gelingen, den hausärztlichen Nachwuchs für eine Tätigkeit auf dem Land zu gewinnen, so Ackermann. „Wie kriegen Menschen nirgendwohin, wo sie privat nicht leben wollen, egal wie viel wir ihnen bezahlen.“

Delegation wird wichtiger

Laut Ackermann spielt künftig außer der Telemedizin die Delegation von Leistungen an speziell ausgebildetes und qualifiziertes medizinisches Personal eine wichtige Rolle. Dem steht die Bevölkerung laut Umfrage aufgeschlossen gegenüber. 94 Prozent finden solche Versorgungsangebote gut.

„Wir haben allerdings nicht nach der Inanspruchnahme gefragt“, räumte Ackermann ein. Schließlich wussten nur rund 40 Prozent von solchen Angeboten. 66 Prozent können sich grundsätzlich vorstellen, eine Videosprechstunde zu nutzen. Bei der vorherigen Umfrage waren es 47 Prozent. Tatsächlich in Anspruch genommen hatte die Televisite aber erst fünf Prozent.

Schließung von Praxen wird selten moniert

Die Befragten bewerten die Gesundheitsversorgung in der ersten Hochphase der Corona-Pandemie positiv. 75 Prozent sind der Meinung, dass sie alles in allem gut funktioniert hat. Probleme hat es nach ihrer Einschätzung vor allem in folgenden Bereichen gegeben: Verschiebung von Behandlungen in Kliniken (60 Prozent), Überforderung der Gesundheitsämter durch viele Anfragen (54 Prozent) und Mehrfachbelastung pflegender Angehöriger (41 Prozent).

Die Überfüllung von Arztpraxen (27 Prozent) und die Schließung von Praxen (18 Prozent) wurden deutlich seltener genannt. 44 Prozent der Menschen in Westfalen-Lippe sind der Ansicht, dass sich das dezentrale Krisenmanagement während der Pandemie bewährt hat. 52 Prozent der Befragten finden dagegen, dass es zentral geregelt werden sollte.

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