Zuschlag erhalten

Haftpflicht-Problem der Hebammen gelöst?

Regierung verweist auf erfolgreiche Sicherstellungszuschläge für Hebammen. Der Berufsverband fordert indes eine Prämiendeckelung.

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BERLIN. Freiberufliche Hebammenhaben seit Anfang 2016 Sicherstellungszuschläge in Höhe von 20,56 Millionen Euro erhalten. Die Mittel sind an insgesamt 3040 Hebammen geflossen, teilt die Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen im Bundestag mit.

Mit dem Zuschlag sollten die stetig steigenden Haftpflichtprämien für Hebammen abgefedert werden. Damit sei ein "wesentlicher Faktor weggefallen", der von Hebammen in der Vergangenheit als Grund für den Rückzug aus der Geburtshilfe angegeben wurde, so die Regierung.

Seit 2006 ist die Zahl der Kliniken mit Kreißsälen von 880 auf 690 (2016) gesunken. Parallel stieg im gleichen Zeitraum die Geburtenzahl um rund 120.000 auf 792.000 (2016), das ist ein Plus von 18 Prozent.

In den Stadtstaaten fällt die Zunahme noch höher aus: in Berlin fast 39 Prozent, in Hamburg 33,5 Prozent und in Bremen knapp 30 Prozent. Und ausgerechnet in Berlin sind in den vergangenen zehn Jahren zwei Entbindungsstationen vom Netz gegangen.

In den vergangenen Monaten hat die zeitweise Schließung von Geburtsstationen wegen Überfüllung bundesweit für Schlagzeilen gesorgt.

Einzelne Länder gaben als Grund für die Schließung fehlendes Hebammenpersonal und fehlende räumliche Kapazität an. "Strukturelle Gründe" für die vermehrten Engpässe fallen der Bundesregierung nicht ein, Krankenhausplanung sei Sache der Länder.

Gegensteuern gefordert

Der Deutsche Hebammenverband sieht nicht kostendeckende Fallpauschalen als Ursache für den Schrumpfungsprozess und fordert ein Gegensteuern.

"Die Schließung kleiner Abteilungen und die Zentralisierung muss kritisch betrachtet werden", sagte die Präsidentin des Verbandes, Ulrike Geppert-Orthofer, am Donnerstag in Berlin.

Der Koalitionsvertrag von Union und SPD sehe eine flächendeckende geburtshilfliche Versorgung vor. Für den Hebammenverband ist das richtige Maß dafür eine Erreichbarkeit der nächstgelegenen Geburtsstation binnen 30 Minuten.

Anlässlich des Hebammentages am 5. Mai fordert der Berufsverband bessere Arbeits- und Ausbildungsbedingungen. Die Geburtshelferinnen benötigten familienfreundlichere Arbeitsbedingungen und Personaluntergrenzen auch in den Kreißsälen.

Geppert-Orthofer mahnte zudem eine zügige Vollakademisierung des Berufsstandes an. Deutschland hinke dabei in Europa hinterher. Bis Januar 2020 müssen die EU-Mitgliedsstaaten eine entsprechende Richtlinie umsetzen.

Handlungsbedarf sehen Vertreterinnen des Berufsstandes auch bei der Haftpflicht. Hier bedürfe es einer Deckelung oder eines völlig neuen Ansatzes, sagte Ursula Jahn-Zöhrens vom Hebammenverband. (af/fst)

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