Berufspolitik

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Innovationen werden künftig stärker auf Krebs und Alterskrankheiten fokussiert sein. Ihr Nutzen muss stärker darauf getestet werden, wie er in der Versorgungsrealität beim Patienten ankommt.

Von Helmut Laschet

Innovationen werden auch künftig zur Weiterentwicklung der medizinischen Versorgung beitragen - aber unter stark veränderten gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Vorzeichen.

Ein ganz klares Bekenntnis legte IQWiG-Chef Professor Peter Sawicki beim von Pfizer für den Hauptstadtkongress organisierten Symposion "Wieviel Fortschritt können und wollen wir uns künftig leisten" ab: "Wir wollen mehr", so Sawicki, der eher als Innovationsskeptiker bekannt ist. Deshalb kommt bei ihm ein großes Aber: Für ihn ist zunächst vorrangig, dass Innovationen nicht schaden dürfen, dass Irrtümer schneller als in der Vergangenheit aufgeklärt und revidiert werden. Es sei unzulänglich, Evaluation von Innovationen nur auf bestimmte Therapieformen, etwa auf die Pharmakotherapie, zu fokussieren. Sawicki fordert, mehr für die Versorgung relevantes Wissen durch öffentliche Sponsoren zu schaffen und im ersten Schritt die relevanten Wissenslücken zu definieren. Ein Prozent des GKV-Budgets, das wären derzeit 1,6 Milliarden Euro, könnten in die Versorgungsforschung fließen.

Ausdrücklich fordert Sawicki, solche Patienten in Studien einzubeziehen, wie sie wirklich in Praxen und Kliniken behandelt werden. Die Erkenntnisse müssten in die Regelversorgung implementiert, dort überprüft und im Bedarfsfall korrigiert werden.

Erstaunlich optimistisch äußerte sich Thomas Ballast vom Ersatzkassenverband. GKV-Ausgaben und Bruttoinlandsprodukt seien in den vergangenen zehn Jahren nahezu parallel gewachsen - beide etwa um 26,5 Prozent -, und bei nur wenigen Ausgrenzungen habe es viele neue Leistungen gegeben: die Pflege, die Psychoptherapie, neue Früherkennungsleistungsleistungen, Sozialtherapie und spezielle palliativmedizinische Versorgung. "So wird es im Prinzip auch in Zukunft bleiben." Eine Herausforderung sei jedoch die Versorgung einer immer älter werdenden Bevölkerung: Dafür brauche man neue Ressourcen, vor allem qualifizierte Menschen, neue Organisationsformen und deshalb strukturelle Veränderungen.

Professor Bertram Häussler vom Berliner IGES-Institut ist etwas skeptischer. Er erwartet, wie auch Peter Marx von Pfizer, dass sich Innovationen den gesellschaftlichen Bedürfnissen anpassen: Nach den großen Fortschritten zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Todesursache Nummer 1 habe nun der Kampf gegen den Krebs begonnen. Dort werde es Therapiesprünge geben. Um das zu finanzieren, schlägt er eine Innovationsversicherung innerhalb der GKV vor, deren Charakteristikum allerdings ist, dass sie vom Versicherten frei gewählt werden kann. Zur Kalkulierbarkeit empfiehlt Häussler eine maximale Deckungssumme.

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