Blick in die Zukunft

KBV-Chef Gassen fordert klares Bekenntnis zur Niederlassung

Ja zu einem neuen Belegarztwesen, Nein zur "Wunderwaffe" Telemedizin: So sieht die KBV die ambulante Versorgung der Zukunft. Für den Fall eines CDU-Wahlsiegs kündigte Gesundheitsminister Gröhe weitere Unterstützung an.

Von Julia Frisch Veröffentlicht:
Im Gespräch: Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) diskutierte am Mittwoch unter anderem mit KBV-Vize Dr. Stephan Hofmeister und KBV-Chef Dr. Andreas Gassen (von links) die Zukunft der Versorgung.

Im Gespräch: Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) diskutierte am Mittwoch unter anderem mit KBV-Vize Dr. Stephan Hofmeister und KBV-Chef Dr. Andreas Gassen (von links) die Zukunft der Versorgung.

© KBV

BERLIN. Vertragsärzte bekommen aus der Politik nicht genug Rückhalt für ihre Arbeit. Diese Klage führte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) Dr. Andreas Gassen auf dem KBV-Sicherstellungskongress am Mittwoch. Bei einer Diskussion mit Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) forderte er ein "nachhaltiges Bekenntnis der Politik zu der Versorgungsform der Niedergelassenen".

Ein solches Bekenntnis habe die Politik längst abgegeben, erwiderte Gröhe. Es stehe in den Taten der vergangenen Jahre, und es stehe im Koalitionsvertrag. Es werde, versprach Gröhe, auch im nächsten Koalitionsvertrag stehen, sollte die CDU einen erfolgreichen Wahlausgang verbuchen. Zu der wieder aufgeflammten Diskussion um die Bürgerversicherung sagte Gröhe, dass er es vernünftiger finde, über "Behandlungsbedarfe" zu reden. Nur so löse man die Probleme auf dem Land. "Wir können keine Zeit damit verschwenden, in abstrakte Systemdebatten zu gehen. Wir werden uns auf konkrete Dinge konzentrieren", kündigte Gröhe für eine mögliche weitere Legislaturperiode an. "Wir werden uns da nicht verheddern."

KBV-Chef Andreas Gassen betonte, dass zur Sicherstellung der ambulanten Versorgung durch die KVen eine engere Zusammenarbeit mit den Kliniken gehöre. "Wir wollen deshalb das Belegarztwesen neu definieren, womöglich werden wir auch einen neuen Namen dafür finden müssen", so Gassen. Kern eines neuen Belegarztwesens könnten zentrale Einrichtungen mit einem Bettentrakt sein, "an denen alle Facharztgruppen beteiligt werden", sagte Gassen. Die Koordination der Patienten könnten die Hausärzte übernehmen. Das biete den Patienten eine Kontinuität der Betreuung.

Telemedizin hingegen gehört laut Gassen nicht zu den großen Pfeilern der künftigen Sicherstellung. Die Telemedizin werde "dramatisch überschätzt". Sie sei nicht die Antwort auf die Versorgungsfragen, sondern nur ein Hilfsmittel. In Bezug auf die Notfallversorgung kündigte der KBV-Chef an, dass die KVen daran arbeiten, über die Nummer 116.117 künftig die Patienten zu lenken.

Auch Gröhe erläuterte auf dem Kongress, wohin es aus seiner Sicht bei der Gesundheitsversorgung laufen soll: Erneut mahnte er eine größere Vernetzung zwischen den Sektoren an und bedauerte das schleppende Vorankommen bei der spezialfachärztlichen ambulanten Versorgung: "Ich wünschte, da wären wir weiter." Darüber hinaus verlangte Gröhe ein weniger "angstbesetztes" Agieren der Selbstverwaltung. "Wir brauchen beides", sagte Gröhe mit Blick auf den ambulanten und stationären Sektor.

Gassen betonte den Standpunkt von KBV und KVen, nach dem die Versorgungsstrukturen in den Regionen dem künftigen Bedarf angepasst werden müssen. Dazu gehöre auch, überzählige Krankenhausbetten abzubauen. Das heiße nicht, dass generell Krankenhausstandorte geschlossen werden sollten. An den Standorten seien aber auch andere ambulante Versorgungsformen wie etwa MVZ möglich, so Gassen.

Mehr zum Thema

Approbationsordnung

Bayerns Ärzte fordern einheitliche Zwischenprüfung

Virchowbund

Kaspar-Roos-Medaille für Lundershausen

Das könnte Sie auch interessieren
Digitalisierung? „Muss für Ärzte einen Mehrwert bieten!“

© [M] Scherer: Tabea Marten | Spöhrer: privat

„EvidenzUpdate“-Podcast

Digitalisierung? „Muss für Ärzte einen Mehrwert bieten!“

Digitalisierung und Datenschutz pandemiekonform: SVR-Vorsitzender Professor Ferdinand Gerlach (li.) am 24. März in Berlin bei der Vorstellung des Ratsgutachtens und der Bundesdatenschutzbeauftragte Professor Ulrich Kelber (re.) einen Tag später bei der Vorlage seines Tätigkeitsberichts.

© [M] Gerlach: Wolfgang Kumm / dpa | Kelber: Bernd von Jutrczenka / dpa

„ÄrzteTag“-Podcast

„Wir verlangen Digitalisierung mit Gehirnschmalz!“ (Streitgespräch Teil 1)

Thorsten Kaatze, kaufmännischer Direktor am Uniklinikum Essen

© UK Essen

„ÄrzteTag“-Podcast

Ein „Kochrezept“ für die Digitalisierung einer Uniklinik

Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden / registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Impetigo bei einem fünf Jahre alten Kind.

© FotoHelin / stock.adobe.com

practica 2021

Bei Impetigo contagiosa ist Abstrich meist überflüssig

Impfausweis mit Comirnaty-Eintrag: Welcher ist immunogener – der Corona-Impfstoff von BioNTech oder der von Moderna?

© Bikej Barakus / stock.adobe.com

Corona-Studien-Splitter

Dritte Impfung mit Comirnaty® frischt Schutz zuverlässig auf

Gut ausgebildete Medizinische Fachangestellte werden immer häufiger aus den Praxen abgeworben, beklagt Virchowbund-Vorsitzender Dr. Dirk Heinrich. In der Corona-Pandemie habe sich gezeigt, wie systemrelevant MFA sind.

© Virchowbund

MFA häufig abgeworben

Virchowbund-Chef: „Ein Arzt alleine ist noch keine Praxis!“