Geriatrie-Konzept

KBV stößt auf Widerstand

Die Vertragswerkstatt der KBV hat Ideen für eine strukturierte Versorgung von geriatrischen Patienten vorgelegt. Beim Hausärzteverband sieht man in dem Konzept einen Angriff auf etablierte hausärztliche Versorgungsstrukturen.

Florian StaeckVon Florian Staeck Veröffentlicht:

BERLIN. Die geriatrische Versorgung soll vernetzt werden und durch ein interdisziplinäres Team erfolgen. Dies sieht ein neues Konzept aus der Vertragswerkstatt der KBV vor, das am Mittwoch vorgestellt wurde. Der Entwurf soll KVen und Kassen als Blaupause für einen regionalen Versorgungsvertrag dienen.

Vom Deutschen Hausärzteverband wird das KBV-Konzept brüsk zurückgewiesen. Mit diesem Vertragsentwurf würde die ohnehin schon unübersichtliche Patientenversorgung im Kollektivvertrag noch "weiter zerpflückt", meint Verbandschef Ulrich Weigeldt.

Die Einführung von geriatrischen Schwerpunktpraxen würde dazu führen, dass "noch mehr fehleranfällige Schnittstellen" bei der Versorgung der multimorbiden Patienten entstünden. Im Endergebnis würden diese "aus ihren vertrauten hausärztlichen Versorgungsstrukturen herausgerissen", warnt Weigeldt.

Was schlägt die KBV-Vertragswerkstatt konkret vor? Bei der Betreuung der geriatrischen Patienten gehe es um eine "komplexe Langzeitversorgung", die eine berufsgruppenübergreifende Kooperation zwischen Ärzten, medizinischen Fachangestellten, Therapeutenteam und Pflegekräften erfordere, heißt es.

Vorgeschlagen wird die Weiterentwicklung der geriatrischen Versorgung durch geriatrische Schwerpunktpraxen.

Diese Praxen sollen ausschließlich auf Überweisung des Patienten durch Hausärzte, Nervenärzte, Neurologen und Psychiater tätig werden. Pflegekräfte und -einrichtungen sollen stärker in die Organisation der ärztlichen Versorgung eingebunden werden.

Konzipiert ist die Vertragsblaupause für die Versorgung von Patienten über 70 Jahre, bei denen eine "geriatrietypische Morbidität" vorliegt.

Welche Versorgungsebenen werden unterschieden? Der Hausarzt stellt den geriatrischen Versorgungsbedarf fest und überweist den Patienten für die Mitbehandlung an einen geriatrisch besonders qualifizierten Arzt.

Welche Ärzte können teilnehmen? Insbesondere Internisten mit der Schwerpunktbezeichnung "Geriatrie" oder Vertragsärzte mit der Zusatzbezeichnung "Geriatrie".

Fachärzte für Allgemeinmedizin oder physikalische und rehabilitative Medizin müssen unter anderem mindestens fünf Jahre Erfahrung in der Niederlassung sowie die Betreuung von mindestens 100 geriatrischen Patienten nachweisen.

Wie verläuft die interdisziplinäre Zusammenarbeit? Der Hausarzt soll auf Wunsch des Patienten dessen zentraler Ansprechpartner bleiben. Teilnehmende Ärzte müssen eine "geriatrisch qualifizierte" MFA beschäftigen.

Sie soll auf Weisung des Arztes eng mit Ärzten, Therapeuten und Pflegediensten zusammenarbeiten. Der Geriater soll "strukturierte Berichte" an die weiteren teilnehmenden Ärzte veranlassen. Regelmäßige patientenbezogene Fallbesprechungen sollen Ärzte und nichtärztliche Leistungserbringer einbeziehen.

Der Hausärzteverband nennt es "absurd", die Aufgabe der Betreuung geriatrischer Patienten aus den Hausarztpraxen herauslösen zu wollen. Die KBV täte besser daran, die Funktion der Hausärzte zu stärken, heißt es. Stattdessen versuche man mit dem Konzept, "einen Facharzt für Geriatrie durch die Hintertür einzuführen".

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