Breites Bündnis

Kabinett verabschiedet Nationale Demenz-Strategie

Die Zahl der Demenzpatienten wird in den kommenden Jahren vermutlich stark steigen. Ein breites Bündnis will dafür sorgen, dass Betroffene in Deutschland ein möglichst gutes Leben haben.

Von Thomas Hommel Veröffentlicht: 01.07.2020, 12:57 Uhr
Kabinett verabschiedet Nationale Demenz-Strategie

Demenzpatienten leiden schwer unter ihrem Gedächtnisverlust. Mit einer Nationalen Demenzstrategie soll der Umgang mit der Erkrankung verbessert werden.

© Osterland / stock.adobe.com

Berlin. Die rund 1,6 Millionen Demenzerkrankten in Deutschland sollen künftig in den Genuss einer besseren Versorgung durch Ärzte und Kliniken kommen. Zudem soll die Erkrankung stärker erforscht werden. Das sind Kernziele der Nationalen Demenzstrategie, die das Bundeskabinett am Mittwochvormittag verabschiedet hat.

In einem Bündnis mit der Deutschen Alzheimer Gesellschaft, den Ländern und Kommunen, Verbänden des Gesundheitswesens und der Pflege sowie Sozialversicherungsträgern, Zivilgesellschaft und Wissenschaft habe die Bundesregierung Maßnahmen beschlossen, um „Deutschland demenzfreundlich zu machen“, teilten Seniorenministerin Dr. Franziska Giffey (SPD), Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und Forschungsministerin Anja Karliczek (CDU) nach der Kabinettssitzung mit.

Vielfältige Optionen

Deutschland altere rasant, immer mehr Menschen erkrankten an Demenz, so die drei Minister. Im Jahr 2050 könne die Zahl der Betroffenen bei 2,8 Millionen Menschen liegen. „Darauf müssen wir Deutschland vorbereiten, das tun wir mit der Nationalen Demenzstrategie.“Diese enthält insgesamt 27 Ziele und rund 160 Maßnahmen. Dazu gehören:
  • Bessere Abläufe in der Versorgung: Ärzte, Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und weitere Beteiligte sollen ihre Zusammenarbeit in einem „Versorgungspfad“ klarer beschreiben und das Schnittstellenmanagement verbessern.
  • Demenzsensible Krankenhäuser: Bedürfnisse von Demenzkranken sollen bei der räumlichen Gestaltung von Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen stärker als bisher einfließen.
  • Vor-Ort-Netzwerke: In lokalen Netzwerken sollen neue Angebote zwecks Beratung und Unterstützung für Betroffene und Angehörige entstehen.
  • Netzwerke zur pflegerischen Versorgung: Zusätzlich sollen regionale (Demenz-) Netzwerke zur besseren Vernetzung der an der pflegerischen Versorgung teilnehmenden ausgebaut werden. Die hierfür vorgesehenen Mittel aus der Pflegeversicherung sollen erhöht werden.
  • Mehr Aufmerksamkeit für Demenz: Zu diesem Zweck soll eine bundesweite Kampagne gestartet werden, in der zu mehr Engagement für Demenzkranke aufgerufen wird. Unterstützt werden soll auch die Möglichkeit, sich als „Demenz Partner“ schulen zu lassen.
  • Pflege und Beruf: Unternehmen, Kommunen und pflegende Angehörige sollen gemeinsam Strategien entwickeln und Netzwerke knüpfen. Zur Unterstützung richtet das Seniorenministerium auf Bundesebene eine „Regiestelle“ ein.
  • Gesundheitsförderung für Angehörige: Gesundheits- und Präventionsprogramme für pflegende Angehörige sollen weiter etabliert und verbessert werden. Ein neues Förderprogramm wird geprüft.
  • Forschung zur Demenz: Geplant ist der Aufbau eines nationalen klinischen Demenzforschungsnetzwerks und eines Netzwerks zur Demenzversorgungsforschung. Auf diese Weise soll der Zugang zu Daten für Forschungszwecke erleichtert werden. Wissenschaftliche Erkenntnisse sollen schneller und wirksamer in die Praxis kommen.
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Kommentare
Cordula Petit

Das klingt ja interessant. Ich vermisse nur eine Erwähnung von Prävention? Es wäre hochspannend, die Arbeit von Dr. Dale Bredesen und Dr. Michael Nehls in Betracht zu ziehen.


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