Kommentar

Kein Virus-Ende in Sicht

Dieser Herbst wird anders sein: Die ersten Bundesländer machen gerade vor, wie Schule und Kita mit Corona geht. Es ist eine Zeit von Versuch und Irrtum – und Gratwanderungen.

Von Wolfgang van den Bergh Veröffentlicht: 17.08.2020, 16:00 Uhr

Die Situation ist vertrackt: Auf der einen Seite gilt es, alles zu vermeiden, was Menschen in Angst und Schrecken versetzt, wenn eine mögliche zweite Pandemie-Welle auf uns zukommt. Auf der anderen Seite hält man die Luft an, ob der Unbekümmertheit, mit der manche Zeitgenossen den Eindruck vermitteln, das Gröbste läge längst hinter uns.

Dazwischen herrscht Krisenmanagement: Wie umgehen mit dem Schulstart? Was bringen flächendeckende Tests? Wie scharf müssen Reisewarnungen ausgesprochen werden? Wie sieht‘s mit größeren Menschenansammlungen aus – verbieten oder tolerieren?

Darüber hinaus versorgt uns das Robert Koch-Institut täglich mit neuen Erkenntnissen über das Infektionsgeschehen. Auch das ist wichtig, um zeitnah gegebenenfalls eine Risiko-Neubewertung vornehmen zu können.

Probleme waren programmiert

Ja, und es muss auch erlaubt sein, darüber nachzudenken, ob es nicht Sinn macht, bestimmte Lockerungen, etwa mit Blick auf Feiern und Feste im privaten Umfeld wieder zurückzufahren, wie es an diesem Montag Gesundheitsminister Jens Spahn gemacht hat. Wenn man verhindern möchte, dass sich die Lockdown-Zeiten von Mitte März bis Juni wiederholen. Das gilt vor allem mit Blick auf Schulen, Kitas und andere sensible Bereiche im öffentlichen Leben.

Es bleibt eine Gratwanderung. Mit der Gewährung der Reisefreizügigkeit hätte jedem klar sein müssen, dass es hier bei Rückkehr zu Problemen kommen kann. Einen Vorgeschmack darauf liefert Nordrhein-Westfalen mit punktuellen Schulschließungen oder der Quarantäne einzelner Schulklassen.

Die beiden großen Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg werden folgen. Bis dort im September die Schule beginnt, wird man weitere Erkenntnisse haben, wie ein Schulbetrieb unter Hygienemaßnahmen und Abstandhalten in solchen Zeiten laufen kann. Dann folgen die Herbstferien und damit die nächste vielleicht noch stärker reglementierte Reisezeit. Kein Virus-Ende in Sicht.

Schreiben Sie dem Autor: vdb@springer.com

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