Der Standpunkt

Kinderschutz mit Mängeln

Das neue Kinderschutzgesetz wird nicht halten, was sich die Politiker davon versprechen. Es fehlen zwei entscheidende Faktoren, meint Rebecca Beerheide.

Veröffentlicht:

Die Autorin ist Redakteurin im Ressort Gesundheitspolitik bei der Ärzte Zeitung. Schreiben Sie ihr: rebecca.beerheide@springer.com

Für Kevin und Lea-Sophie kam jede Hilfe zu spät - und für Chantal oder Malvin demnächst wohlmöglich auch. Das neue Kinderschutzgesetz wird nicht halten, was sich Bundes- und Landespolitiker davon versprechen. Dabei könnte es eine Erfolgsgeschichte sein - wenn sich alle Parteien mehr zutrauen würden.

Beim aktuellen Gesetz verloren sich Bund und Länder im Streit um Finanzierungsfragen. Zwar stehen jetzt die kommunalen Programme für "Frühe Hilfen" sowie für Familienhebammen auf finanziell halbwegs sicheren Füßen - doch der Schutz der Kinder bleibt auf der Strecke.

Dem Gesetz fehlen zwei entscheidende Faktoren: Die Qualitätssicherung der Arbeit von Familienhebammen ist nicht eindeutig geregelt - Unterschiede zwischen den Kommunen und Bundesländern sind programmiert.

Außerdem soll eine Norm geschaffen werden, die die künftigen Bedingungen zur ärztlichen Schweigepflicht gegenüber dem Jugendamt regelt. Ob der Austausch mit anderen Berufsgeheimnisträgern über ihre jungen Patienten damit verbessert wird, ist bei Inkrafttreten des Gesetzes nicht klar.

Ob die Norm den Austausch der Ärzte untereinander regelt, ist auch nicht geklärt. Der Elternwille steht weiter über dem Kindeswohl - doch ohne Kommunikation bleiben mögliche Kindesmisshandlungen unentdeckt.

Für Ärzte bleibt das Dilemma: Ist das Kind wegen der ungewohnten Situation in der Praxis verhaltensauffällig oder ist das Verhältnis zwischen Eltern und Kind gestört? Spricht der Arzt seine Beobachtungen an, wechseln Problemfamilien für die nächste U-Vorsorge die Praxis oder gehen bei Notfällen in Klinikambulanzen.

Ohne die Einbeziehung von Ärzten in die Gesetzgebung lässt sich kein verlässlicher Kinderschutz organisieren. Doch diese Diskussion mit dem Gesundheitswesen hat Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) gescheut. Auch die Vertreter der Länder wollten oder konnten diese Diskussion nicht führen.

Dramatische Schicksale wie die von Kevin oder Lea-Sophie werden sich so nicht verhindern lassen.

Mehr zum Thema

Ärzte warnen

Omikron-Welle in NRW: „Es wird Einschränkungen geben“

Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden / registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Warten auf den PCR-Test: Abstrichröhrchen.

© Uwe Anspach / dpa

Bund-Länder-Runde am Montag

Corona-PCR-Tests: Ärzte und MFA sollen jetzt doch Vorrang erhalten

Ein Mann geht auf der Theresienwiese an einem Plakat der Aufschrift "Impfen" vorbei.

© Sven Hoppe/dpa

Einrichtungsbezogene Impfpflicht

Länder attackieren Corona-Impfpflicht im Gesundheitswesen