Schleswig-Holstein

Kreis Ostholstein steht vor Neuordnung der Klinikstruktur

Nach einem Gutachten des IGES-Instituts würde für den Landkreis in Norddeutschland theoretisch ein Zentralkrankenhaus reichen. Ganz so harsch soll die Neustrukturierung aber dann doch nicht ausfallen.

Von Dirk SchnackDirk Schnack Veröffentlicht:
Künftig wird es im Landkreis Ostholstein nach Plan zwar weniger Kliniken, dafür aber mehr Kooperation geben.

Künftig wird es im Landkreis Ostholstein nach Plan zwar weniger Kliniken, dafür aber mehr Kooperation geben.

© Benjamin LEFEBVRE/stock.adobe.com

EUTIN. Dem Kreis Ostholstein steht eine Neuordnung der Klinikstruktur bevor: Es wird mehr Kooperation und weniger Kliniken geben. Die Bettenzahl wird sich kaum verändern –aber zwischen den Fachbereichen und den Standorten deutlich verschieben.

Kein anderer Landkreis in Norddeutschland ist mit Klinikbetten so gut versorgt wie Ostholstein: Insgesamt 13 Krankenhäuser bieten dort Akut- und Rehaleistungen an. Die Spanne reicht von kleinen Beleg- und hochspezialisierten Fachkliniken bis zum 400-Betten-Haus. Direkt an der Kreisgrenze gibt es außerdem in Lübeck eine Universitätsklinik und weitere Krankenhäuser.

Das Aus für die Inselklinik?

Wie es im Kreis weitergehen könnte, zeigt ein vom Landesgesundheitsministerium in Auftrag gegebenes Gutachten des Berliner IGES-Instituts: Theoretisch würde danach sogar ein Zentralkrankenhaus reichen. Mit Erhalt der drei wichtigsten Standorte in Eutin, Neustadt und Oldenburg erwarten die Gutachter, dass weiterhin eine qualitativ hochwertige Versorgung möglich ist.

Verzichtbar ist dagegen die stationäre Versorgung in der Inselklinik auf Fehmarn – die Zahlen zeigen, dass das Haus nicht annähernd ausgelastet ist. Für die von Sana übernommene Spezialklinik in Middelburg halten die Gutachter eine Verlagerung der Kapazitäten an die Standorte in Oldenburg und Eutin für angezeigt. Die Beleg- und Rehakliniken flossen nicht in ihre Betrachtungen ein.

Die wichtigsten Ergebnisse des Gutachtens wurden auf einer Gesundheitskonferenz des Kreises vorgestellt. Landesgesundheitsminister Dr. Heiner Garg (FDP) machte in Eutin deutlich, dass die drei Klinikstandorte in Eutin, Oldenburg und Neustadt bestehen bleiben. Für die Inselklinik – den Neubau hatte er in seiner ersten Amtsperiode selbst eingeweiht – hält er ein neues Konzept für angezeigt.

Dr. Thomas Schang vom Ärztenetz Eutin-Malente und die KV-Vorsitzende Dr. Monika Schliffke signalisierten noch in der Gesundheitskonferenz, dass sich die niedergelassenen Ärzte bei der Suche nach sektorenübergreifenden Konzepten einbringen werden. Klinikträger Sana will sich hierzu "mit allen Beteiligten zu neuen Versorgungsformen austauschen". Für den Erhalt der Inselklinik in der bisherigen Form sprach sich in der Konferenz niemand aus – allerdings verwiesen Bürger auf die zu erwartenden längeren Wege.

Verlegung von Teilkapazitäten

Außer auf Fehmarn betreibt Sana auch Kliniken in Eutin, Oldenburg und Middelburg, die Schön Kliniken in Neustadt und der Elisabeth Vinzenz Verbund in Eutin. Gutachten und Konferenz sorgten im zuletzt festgefahrenen Austausch zwischen den Trägern für frischen Wind. Sana stellte klar, dass das in seiner Bausubstanz angegriffene Eutiner Haus saniert und nicht neu gebaut wird. Diese offene Frage hatte die Gespräche zuletzt blockiert.

Auch personell macht die Klinikkette mit Geschäftsführer Florian Glück einen Neuanfang im Kreis. Das Eutiner Elisabeth-Haus und die Schön Klinik Neustadt kooperieren bereits in einem alterstraumatologischen Zentrum. Die Gespräche mit Sana waren nach Übernahme der Klinik Middelburg festgefahren. Offen war, ob Sana die geriatrischen Betten nach Eutin verlegt und damit in der Kreisstadt die Konkurrenz erhöht.

Die Gutachter empfehlen nun die Verlegung von Teilkapazitäten nach Oldenburg, was zu einer wohnortnäheren Versorgung im Osten des Kreises beitragen und das Verhältnis zu den Mitbewerbern entspannen könnte. Für Oldenburg empfehlen die Gutachter einen neurologisch- geriatrischen Behandlungsschwerpunkt.

Neben Garg machten auch Landrat Reinhard Sager (CDU), Armin Tank vom Ersatzkassenverband und Patrick Reimund von der Krankenhausgesellschaft deutlich, dass sie mit einer Umsetzung der Empfehlungen zufrieden wären – sie betonten aber auch, dass sie nun die Klinikträger am Zug sehen.

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