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Kommentar zur Konzertierten Aktion Pflege

Langstreckenlauf mit Hürden

Der Pflege hilft kein kurzfristiges Konjunkturprogramm. Gefragt sind vielmehr drei Dinge, um den Beruf der Zukunft für den Nachwuchs interessant zu machen.

Helmut LaschetVon Helmut Laschet Veröffentlicht:

Der Patient Pflege ist krank, chronisch krank und multimorbide. Zu lange haben der Gesetzgeber und Verantwortungsträger im Gesundheitswesen den Prozess wachsender struktureller Probleme in der pflegerischen Versorgung ignoriert, als dass es nun eine rasch heilende Therapie geben könnte. Längst reicht es nicht mehr aus, allein mit massiven Geldspritzen einen Genesungsprozess einzuleiten.

Der ernüchternde Befund ist: Der Arbeitsmarkt für Pflegekräfte ist leer. Weder gelingt es in nennenswertem Umfang, ausgestiegene Mitarbeiter zu rekrutieren, noch existiert die Bereitschaft, Teilzeitarbeit aufzustocken. Am bittersten ist das im Moment auf den Intensivstationen, die sich erneut darauf vorbereiten müssen, elektive Operationen zu verschieben, um die wahrscheinlich wachsende Zahl intensivpflegebedürftiger COVID-19-Patienten versorgen zu können.

Es ist deshalb verfehlt, wenn von den Organisationen der Pflegeberufe immer wieder die Klage artikuliert wird, die vom Gesetzgeber beschlossenen und geplanten Programme seien „nur der Tropfen auf dem heißen Stein“, zuletzt so erfolgt in den Stellungnahmen zur Anhörung zum Gesundheitsversorgungs- und Pflegeverbesserungsgesetz.

Der Pflege hilft kein kurzfristiges Konjunkturprogramm, mit dem man „die Pferde wieder zum Saufen bringt“, wie dies der frühere Wirtschaftsminister Karl Schiller in der ersten Nachkriegsrezession der Bundesrepublik sagte.

Vielmehr braucht die Pflege dreierlei: Ein multimodales Strukturprogramm, das ansetzt bei Ausbildung, Qualifizierung, kluger Einwanderungspolitik, Verbesserung der Arbeitsbedingungen und Flankierung durch eine gute Refinanzierung durch Versicherungen und Steuern. Das zweite ist Geduld und Beharrlichkeit, gepaart mit einem permanenten Monitoring der Umsetzung von Reformen.

Das Dritte ist möglicherweise das wichtigste: Welche Story erzählen die Pflegeberufe der Gesellschaft und dem potenziellen Nachwuchs über sich selbst? Wer nur Untergangsszenarien in die Welt setzt, darf nicht erwarten, dass noch irgendjemand in dieses Boot einsteigt. Dabei ist die Pflege der Beruf der Zukunft.

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