Verband medizinischer Fachberufe fordert

MFA sollen Corona-Sonderbonus erhalten!

Der Verband medizinischer Fachberufe will die Systemrelevanz von Medizinischen Fachangestellten in barer Münze sehen: Er fordert einen Corona-Sonderbonus – aus Steuermitteln.

Von Matthias Wallenfels Veröffentlicht: 15.07.2020, 16:36 Uhr
MFA sollen Corona-Sonderbonus erhalten!

Warten auf einen Steuerbonus: MFA wollen ihre zu Corona-Zeiten bewiesene Systemrelevanz belohnt sehen.

© Picture-Factory / stock.adobe.com

Bochum/Göttingen. Die durch die gegenwärtige Corona-Pandemie ausgelöste Diskussion um den Sonderbonus und die Neubewertung der systemrelevanten Tätigkeiten im Gesundheitswesen klammert aus Sicht des Verbandes medizinischer Fachberufe (VmF) bisher einen wichtigen Bereich aus. Es dürfe nicht nur um den Bereich der Alten- und Krankenpflege gehen, monierte der VmF auf seiner jüngsten Bundeshauptversammlung in Göttingen. Wie es in einer Resolution der Versammlung heißt, müssten vor allem auch die Tätigkeiten der Medizinischen, Zahnmedizinischen, aber auch Tiermedizinischen Fachangestellten (MFA/ZFA/TFA) endlich außer der Reihe honoriert werden – und zwar in barer Münze. Finanziert werden sollte der Sonderbonus aus Steuermitteln, stellt der Verband klar – und nimmt damit offensichtlich auch Rücksicht auf die teils herben finanziellen Belastungen, die sich für viele Praxen im Zuge der Pandemie bereits ergeben haben.

Verweis auf hohes Gesundheitsrisiko

Zur Rechtfertigung und Untermauerung ihrer Forderung erinnert die neugewählte VmF-Präsidentin Hannelore König an die zentrale Rolle der MFA und ZFA, aber auch TFA im Versorgungsmanagement zu Pandemiezeiten. „Die ärztliche und zahnärztliche Versorgung und Betreuung der Patienten konnte während der ersten Welle der Corona- Pandemie nur durch die zuverlässige und verantwortungsvolle Mitarbeit der Medizinischen und Zahnmedizinischen Fachangestellten aufrechterhalten werden. Einen ebenso wichtigen Beitrag haben die Tiermedizinischen Fachangestellten geleistet, um die tiermedizinische Versorgung zu gewährleisten.“

Erschwerend sei dazugekommen, „dass für den ambulanten Bereich zu- nächst keine ausreichende Schutzausrüstung zur Verfügung stand und somit viele dieser Berufsangehörigen tagtäglich direkten Kontakt mit Infizierten oder Verdachtsfällen hatten, also einem besonders hohen Risiko ausgesetzt waren.“

MFA unter Top Ten bei Corona-bedingten Fehlzeiten

Zudem verweist König auf die jüngst veröffentlichte Analyse der Arbeitsunfähigkeitsdaten der AOK-Mitglieder durch das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO), die zeige, dass Medizinische und Zahnmedizinische Fachangestellte unter den Top Ten der Berufsgruppen mit den höchsten krankheitsbedingten Fehlzeiten im Zusammenhang mit COVID-19 liegen.

Dabei seien die MFA an dritter Stelle angeführt – im betrachteten Zeitraum hätten 1207 je 100.000 beschäftigte MFA im Zusammenhang mit COVID-19 an ihrem Arbeitsplatz gefehlt. Damit seien MFA rund zweieinhalb Mal so häufig betroffen wie der Durchschnitt von 474 je 100.000 AOK-versicherten Beschäftigten.

„Erstes Achtungszeichen“

König lässt die Gelegenheit nicht aus, darauf hinzuweisen, dass „viele unserer Kollegen dabei im Niedriglohnbereich – und zum Teil unterhalb des Mindestlohns für Pflegehilfskräfte – arbeiten. Ein entsprechender Bonus wäre ein erstes Achtungszeichen für eine bessere Wertschätzung dieser Berufsangehörigen, denn die Leistungen insbesondere der Medizinischen Fachangestellten blieben in der Pandemie unbeachtet.“

Um nicht den Ärger der Kollegen aus der Pflege auf sich zu ziehen, betont die Verbandschefin, dass MFA & Co den Sonderbonus für die Pflegekräfte unterstützen. „Aber die Politik darf die Leistungen der anderen systemrelevanten Berufe nicht verges- sen“, schiebt König nach.

Um die Beschäftigten in Arzt-, Tierarzt- und Zahnarztpraxen nicht weiter von der allgemeinen Lohnentwicklung abzukoppeln, sei es außerdem „dringend erforderlich, die erzielten Tarifsteigerungen in diesen Bereichen analog den Pflegekräften gegenzufinanzieren“, moniert sie. An die Adresse der Politik gerichtet, mokiert sie, dass Politiker bisher auf die VmF-Forderungen „bestenfalls mit warmen Worten reagiert und die Bedeutung der MFA, TFA und ZFA als systemrelevant bestätigt haben. Jetzt ist es Zeit, diesen Worten auch Taten folgen zu lassen“, so König.

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