Kommentar zur Organspende

Mehr Transplantations-Transparenz!

Transparenz ist der Anfang neuen Vertrauens. Mit diesem Credo hat Rainer Hess ein Jahr lang die Deutsche Stiftung Organtransplantation geleitet. Völlig umgekrempelt hat er sie nicht, aber viele Anstöße gegeben.

Von Anno Fricke Veröffentlicht: 12.11.2013, 18:40 Uhr

Für den freien Fall der Organspendezahlen in Deutschland kann Rainer Hess nichts. Er hat sein Amt als Interimsvorstand derDeutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) in einer Zeit angetreten, als die deutsche Öffentlichkeit von Manipulationsskandalen an mehreren Transplantationszentren erschüttert wurde.

Zur DSO gekommen war Hess aber wegen interner Probleme und Managementfehlern in der Stiftung. Dies und die Fehltritte der Operateure und Klinikverwaltungen haben nichts miteinander zu tun.

Die DSO ist in einem zugegeben schwer zu durchschauenden, sich über mehrere europäische Länder erstreckenden Verfahren nur für die Entnahme der Organe in Deutschland zuständig. Sie teilt sie nicht zu.

Öffentlich-rechtliches Antlitz verpasst

Ein Jahr im Amt hat Hess genau das gemacht, wozu der gelernte Jurist und Ex-Chef des Gemeinsamen Bundesausschusses bestellt worden ist.

Er hat der DSO auftragsgemäß ein öffentlich-rechtliches Antlitz verpasst. Zwei Vertreter von Bund und Ländern sitzen nun im Stiftungsrat am Tisch, auch zwei nicht stimmberechtigte Patientenvertreter sind dabei.

Hess wäre aber nicht Hess, wenn er nicht doch grundsätzlicher zu Werke gegangen wäre. Dem GBA hat er mitgegeben, endlich die sektorenübergreifende Qualitätssicherung für die Dialyse auf den Weg zu bringen. Hess ist davon überzeugt, dass dies die Manipulationen bei Lebertransplantationen unmöglich gemacht hätte.

Tipps für Regierung und Länder

Der neuen Regierung rät er nun für ihre Agenda, sie solle zügig die gesetzlichen Voraussetzungen für ein Transplantationsregister schaffen. Nur damit ließe sich Transparenz im Transplantationswesen schaffen. Mit allen Konsequenzen, einschließlich Klinikschließungen.

Den Ländern gibt er auf, endlich ihre Hausaufgaben zu machen und die Rechtsverordnungen über die Transplantationsbeauftragten in den Kliniken zu erlassen.

Trotz des gesetzlichen Auftrags hat noch kein Land darauf reagiert. Noch nicht einmal alle Länder haben bislang offiziell gemeldet, wie viele Entnahmekrankenhäuser es überhaupt gibt.

Diese Anstöße sind entscheidend. Nur über Transparenz lässt sich das Vertrauen der Menschen in die Organspende gewinnen.

Jetzt geht Hess von Bord. Er hat schon angekündigt, sich weiter einmischen zu wollen. Darauf darf man gespannt sein.

Lesen Sie dazu auch: Organspende: Ein Jahr der Tiefpunkte

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