Gesundheitsförderung in Städten und Gemeinden

Mit diesen Projekten wird Kommunen in der Pandemie geholfen

Alte Idee, bis heute aktuell: Wie können möglichst viele Menschen Gesundheitsförderung für alle etablieren – Beispiele aus ganz Deutschland. 2020 stand vor allem die Corona-Pandemie im Mittelpunkt.

Von Christian BenekerChristian Beneker Veröffentlicht:

Neu Isenburg. Der Wunsch, die Gesundheit über viele verschiedene Akteure in einem Stadtviertel oder einer Kommune zu fördern, ist nicht neu. Bereits im Juni 1989 gründeten zehn Städte und ein Kreis in Frankfurt am Main das Gesunde-Städte-Netzwerk Deutschland.

Das Ziel: Die Gesundheitsförderung für alle soll im Alltag der Bürger treffsicherer ankommen. Dafür arbeiten kommunale Verwaltungen und zivilgesellschaftliche Initiativen, Vereine und Träger aus der Gesundheits- und Selbsthilfearbeit bei den Netzwerkmitgliedern gleichberechtigt zusammen.

Verweis auf Ottawa-Charta

Die Initiatoren berufen sich auf die Ottawa-Charta zur Gesundheitsförderung von 1986, sagt Dr. Hans-Georg Wolter, Kontaktmann für das Gesunde-Städte-Projekt, der „Ärzte Zeitung“. 2020 stand vor allem die Corona-Pandemie im Mittelpunkt.

Handlungsstrategien der Ottawa-Charta

  • Eintreten für Gesundheit und das Schaffen gleicher Voraussetzungen durch Beeinflussung politischer, biologischer und sozialer Faktoren
  • Kompetenzförderung mit dem Ziel, Unterschiede des Gesundheitszustands zu verringern und größtmögliches Gesundheitspotenzial zu verwirklichen
  • Kooperation mit allen Akteuren innerhalb und außerhalb des Gesundheitswesens; Vermittlung der verschiedenen Interessen der Gesellschaft

In Kiel zum Beispiel hat der Verein Groschendreher – Kieler Bündnis gegen Altersarmut ein Corona-Warn-Band entworfen. Es funktioniert mit der gleichen Blue-Tooth-Technik und auf die gleiche Weise wie die Corona-Warn-App, wird aber schlicht um den Arm getragen. Es ist für Menschen gedacht, die sich kein Smartphone leisten können oder damit nicht umgehen können.

Rund 1000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer testen das Armband. Mitarbeiter des Arbeiter-Samariter-Bundes Schleswig-Holstein haben über den Pflegedienst des ASB zuhause lebende Pflegebedürftige an dem Armband-Projekt beteiligt. In den Phasen des Lockdowns war das ganze Stadtgebiet Kiels einbezogen.

Corona-Streitereien schlichten

In Nürnberg hat die Kontakt- und Informationsstelle Selbsthilfegruppen (KISS) ein Gesprächsformat ins Leben gerufen, das Gegner und Befürworter etwa von Corona-Lockdowns oder des Masken-Tragens an einen Tisch holen will. Der Name der Initiative: „Wieder zusammenfinden – eine Chance in der Selbsthilfe“. Die Initiatoren sind überzeugt: Die wertschätzenden Gesprächsformen der Selbsthilfegruppen bieten die Möglichkeit, dass über Corona-Maßnahmen zerstrittene Menschen ihre Polarisierungen überwinden können.

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Marburg hat sogar eine ganze Unterstützungsstruktur ins Leben gerufen, auch für die Zeit nach der Pandemie. So gehen Freiwillige einkaufen für Menschen, die in Gefahr stehen, bei eine Corona-Infektion besonders schwere Verläufe zu bekommen. Die Mitglieder des Projekts „In Würde Teilhaben“ bringen zu ihren Seniorenbesuchen Klappstühle mit, um mit den alten Leuten ohne Gefahr der Infektion draußen vor der Tür sprechen zu können.

Und zu Weihnachten erhielten alleinstehende alte Leute „MutMachTüten“ persönlich an die Haustür. „Durch das umfassende Paket an diesen und weiteren Corona-Hilfen werden die gesundheitlichen und sozialen Herausforderungen der Pandemie in Marburg bisher gut bewältigt“, resümieren die Initiatoren.

Aktuell sind 93 Mitgliedskommunen mit insgesamt über 24 Millionen Einwohnern Teil der Netzwerke, sagt Koordinator Wolter, darunter 45 Großstädte, neun Berliner Bezirke, eine Region, zwölf Landkreise, 27 mittlere Städte und Gemeinden.

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