Schleswig-Holstein

Notfallplan für Kliniken im Norden teils schon umgesetzt

Rehakliniken werden als Ausweichquartiere genutzt, geschlossene Kliniken reaktiviert, Aufrufe an Ärzte und Studenten: Schleswig-Holstein hat Teile des Notfallplans für Kliniken schon umgesetzt.

Von Dirk Schnack Veröffentlicht: 19.03.2020, 12:34 Uhr
Allein in den Rehakliniken in Schleswig-Holstein stehen 1000 Betten zur Verfügung.

Allein in den Rehakliniken in Schleswig-Holstein stehen 1000 Betten zur Verfügung.

© Kzenon / stock.adobe.com

Kiel. Länder und Kliniken sind wie berichtet angehalten, ihre Intensivmedizin für Patienten mit COVID-19 hochzufahren und provisorische Kapazitäten zu entwickeln. Wie aber kann gleichzeitig die stationäre Akutmedizin sichergestellt werden? Ein Blick auf Schleswig-Holstein zeigt, welche Ausweichquartiere in den Ländern für die Akutmedizin gefunden werden können.

Das Kieler Gesundheitsministerium hatte am 17. März erlassen, dass in Vorsorge- und Rehaeinrichtungen keine entsprechenden Maßnahmen mehr erbracht werden dürfen. Neue Patienten durften nicht mehr aufgenommen und nur solche Maßnahmen beendet werden, die bis 16. März begonnen worden waren. Der Erlass gilt auch für psychosomatische Reha-Kliniken.

Reha-Kliniken zur Entlastung genutzt

Ziel ist es, dass die Kapazitäten in diesen Einrichtungen bei Bedarf als Ausweichquartiere für die allgemeine Krankenversorgung genutzt werden, wenn die Akutkliniken Intensivpatienten versorgen müssen.

Allein in den Reha-Kliniken stehen in Schleswig-Holstein mindestens 1000 Betten zur Verfügung, um die Akutkrankenhäuser zu entlasten – eine Ressource, über die in diesem Ausmaß bundesweit nur wenige andere Bundesländer wie etwa Mecklenburg-Vorpommern verfügen.

Klinikum Wedel reaktiviert

Zudem baut Schleswig-Holstein Bettenkapazitäten in vom Ministerium als „alternative Gebäude“ bezeichneten Einrichtungen auf. Dazu gehört zum Beispiel das kleine Krankenhaus in Wedel, dessen Schließung der Träger Regio Kliniken erst kürzlich bekannt gegeben hatte, sowie bislang nicht genutzte Trakte in den Kliniken. „Solche krankenhausnahen Strukturen haben derzeit Vorrang vor anderen Alternativen wie Hallen oder ähnliches, da die Herrichtung deutlich einfacher ist“, heißt es vom Ministerium.

Statt Touristen Kranke ins Hotel?

Das bedeutet, dass die Nutzung etwa von Betten in Hotels und anderen Übernachtungsmöglichkeiten zumindest nicht ausgeschlossen wird. Seit Schleswig-Holstein in dieser Woche alle Touristen nach Hause geschickt hat, stehen dort genauso wie in Mecklenburg-Vorpommern zahlreiche Betten leer.

Mit dem Aufbau der zusätzlichen Kapazitäten in Ausweichquartieren wird eine räumliche Trennung von Covid-19-Patienten und anderen stationär aufgenommenen Patienten erleichtert. Für die erste Gruppe setzt das Land auf eine regionale Clusterbildung, für die sich derzeit Verbünde mehrerer Kliniken abstimmen.

500 Ärzte melden sich zur Unterstützung

Um das für die Versorgung zusätzlich erforderliche Personal zu rekrutieren, haben die Ärztekammer und die Pflegeberufekammer Aufrufe gestartet. Allein die Ärztekammer Schleswig-Holstein hat nach Angaben ihres Präsidenten Dr. Henrik Herrmann rund 2500 Mitglieder kontaktiert, die unter 75 Jahre alt sind und nicht mehr ärztlich tätig waren.

Innerhalb von nicht einmal zwei Tagen haben sich dort rund 500 Ärzte gemeldet, die in Kliniken, Praxen oder Gesundheitsämtern helfen könnten. Aus dem Pool soll bei Bedarf Unterstützung vermittelt werden.

Aufruf an Medizinstudenten

Landesgesundheitsminister Dr. Heiner Garg hat sich zudem mit einem Aufruf an die Medizinstudierenden in Schleswig-Holstein mit der Bitte um eine freiwillige Unterstützung etwa in einer der Anlaufpraxen oder in der derzeit stark belasteten Leitstelle gewandt.

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