COVID-19

RKI alarmiert wegen hoher Corona-Infektionszahlen in Pflegeheimen

Das RKI warnt: Knapp jeder fünfte Heimbewohner, der an COVID-19 erkrankt, stirbt. Die Einrichtungen bräuchten daher dringend mehr Unterstützung.

Von Thomas HommelThomas Hommel Veröffentlicht:
Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), bei einem Pressebriefing zur aktuellen COVID-19-Lage in Deutschland.

Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts: Die Zahl der Corona-Ausbrüche in Krankenhäusern ist zwar im Vergleich zum Frühjahr gesunken, doch in Pflegeeinrichtungen ist sie nach wie vor sehr hoch.

© picture alliance/dpa/dpa-pool

Berlin. Das Robert Koch-Institut (RKI) zeigt sich besorgt über die anhaltend hohe Zahl an Corona-Neuinfektionen in Pflegeheimen. „Das bereitet uns tatsächlich große Sorgen“, sagte RKI-Präsident Professor Lothar Wieler bei einem Pressebriefing am Donnerstag in Berlin. Während die Zahl der Ausbrüche in Krankenhäusern im Vergleich zum Frühjahr gesunken sei, liege sie in Pflegeeinrichtungen „nach wie vor sehr hoch“, so Wieler. Folge sei auch eine steigende Zahl an Todesfällen. Fast jede fünfte Person, die in einem Altenheim oder einer anderen Gemeinschaftsunterkunft wohne und sich mit SARS-CoV-2 infiziere, sterbe.

Seit Beginn der Pandemie sind laut RKI knapp 5300 Menschen, die in einer Pflegeeinrichtung lebten und sich mit Corona infizierten, gestorben. Unter den infizierten Pflegekräften gab es den Angaben zufolge 55 Todesfälle.

Einrichtungen fehlen Ressourcen

Dass die Zahl der Infektionen in den Krankenhäusern abnehme, habe auch mit einer verbesserten Ausbruchsprävention dort zu tun, betonte Wieler. „Die Meldedaten legen nahe, dass die in Alten- und Pflegeheimen eingeführten Präventionsmaßnahmen bisher nicht vergleichbar erfolgreich Ausbrüche verhindern.“ Den Einrichtungen fehlten freilich „gewisse Möglichkeiten“, die die Krankenhäuser hätten, fügte der RKI-Chef hinzu. So könnten Pflegeheime keine Eingriffe verschieben, um so Infektionsrisiken zu minimieren.

Die Heime müssten bei der Eindämmung des Virus noch stärker unterstützt werden, forderte Wieler. Das RKI habe seit Beginn der Pandemie umfassende und zuletzt nochmals aktualisierte Empfehlungen erstellt, um Infektionen in Heimen zu verhindern und Ausbrüche rasch einzudämmen. „Die Alten- und Pflegeheime benötigen aber auch die notwendigen Ressourcen, um die empfohlenen Hygienekonzepte effektiv umsetzen zu können. Dafür sollten die Träger sorgen.“

Zudem stehe die Gesellschaft als Ganzes in der „Verantwortung, unsere älteren Mitmenschen zu schützen“, appellierte der RKI-Chef. Es reiche nicht, sich nur am Arbeitsplatz vor Ansteckung zu schützen. „Das Virus kennt keine Grenzen und keine Uhrzeit.“ Sich an Hygiene- und Abstandsregeln zu halten, sei „anstrengend und auch frustrierend“, sagte Wieler. „Tun sie es für sich selbst, aber tun sie es bitte auch für Oma und Opa.“

bpa-Landesverband: Besuchsregeln anpassen

Angesichts von knapp 400 Pflegeheimen in NRW mit hohen Infektionszahlen und mehr Todesfällen als in der ersten Pandemiewelle forderte der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa), aktuelle Besuchsregeln zu überprüfen. Derzeit müsse ein Heim mit 80 Plätzen nach der Allgemeinverfügung des Landes monatlich in der Theorie weit mehr als 2000 Besuche ermöglichen, kritisierte bpa-Landeschef Christof Beckmann.

Menschlicher Kontakt sei wichtig, betonte Beckmann. „Bei der Organisation von Besuchen in Pflegeheimen müssen wir aber immer die Sicherheit der Bewohner und die Belastungsgrenzen der Pflegenden in den Mittelpunkt stellen.“ Er schlug vor, die Besuche auf eine von der Einrichtung festzulegende und die jeweilige Situation angepasste tägliche Höchstzahl bei vorheriger Terminabsprache zu beschränken. Alle Besucher vorab zu testen, überfordere viele Heime.

RKI: Lage bleibt angespannt

Laut Robert Koch-Institut wurden am Donnerstag etwas mehr als 22.000 neue Infektionen binnen 24 Stunden von den Gesundheitsämterngemeldet. Das waren rund 200 weniger als am Donnerstag der Vorwoche.

Mit knapp 480 neuen Todesfällen innerhalb eines Tages gab es den zweithöchsten Stand seit Ausbruch der Pandemie. „Die Lage bleibt weiter sehr angespannt“, sagte Wieler. Mithilfe der Beschränkungen der vergangenen Wochen sei es zwar gelungen, die Zahl der Neuinfektionen zu stabilisieren. Sie seien aber immer noch zu hoch. Die Gesellschaft sei dem Virus nicht hilflos ausgeliefert. COVID-19 sei vermeidbar, viele Infektionen ließen sich verhindern. „Die Pandemie lebt von unserem Verhalten.“(hom)

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