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Um Misshandlung zu erkennen

Rechtsmedizin soll Jugendämter schulen

Der Deutsche Kinderverein fordert, Mitarbeiter des Jugendamts gerichtsmedizinisch zu schulen, um Missbrauch besser erkennen zu können.

Raimund SchmidVon Raimund Schmid Veröffentlicht:

ESSEN/BERLIN. Jeden dritten Tag stirbt ein Kind an den Folgen von Misshandlungen: 2016 wurden auf diesem Weg 133 Kinder getötet, (2015: 130 Fälle), in 78 Fällen blieb es im vergangenen Jahr bei einem Tötungsversuch. Das geht aus der Kriminalstatistik 2016 hervor.

Die Zahlen belegen nach Ansicht des Deutschen Kindervereins in Essen, dass körperliche und psychische Kindesmisshandlung nach wie vor Alltag in Deutschland ist. Daher fordert der Deutsche Kinderverein gemeinsam mit den Rechtsmedizinern der Charité eine gesetzlich gebundene rechtsmedizinische Schulung von Mitarbeitern des Jugendamtes, eine valide Evaluation von Jugendhilfemaßnahmen für Jugendämter sowie eine bessere finanzielle und personelle Ausstattung der Jugendämter mitsamt Fallobergrenzen.

Familienrichter besser schulen

Außerdem werde eine bessere Qualifikation von Familienrichtern benötigt. Oft würden Richter zu Familienrichtern berufen, ohne zu Kinderrechten und für kindgerechte Anhörungen geschult worden zu sein.

Dabei zeigt die aktuelle Kriminalstatistik, dass besonders in frühen Jahren Handlungsbedarf besteht: 100 der 133 getöteten Kinder waren zum Zeitpunkt des Todes jünger als sechs Jahre. Die Zahl körperlicher Kindesmisshandlungen stieg von 3929 (2015) auf 4204 Kinder im Jahr 2016. 1913 Kinder davon waren unter sechs Jahren.

Besonders brisant fällt die Statistik beim sexuellen Missbrauch aus. 13.210 Fälle sind im abgelaufenen Jahr registriert worden. Die Dunkelziffer dürfte wesentlich höher sein. "Auf jedes getötete Kind kommt wohl noch eines, bei dem ein Missbrauch gar nicht erkannt wurde", erklären die Rechtsmediziner der Charité Berlin, Professor Michael Tsokos und Dr. Saskia Etzold.

Und weiter: "Und es gibt Studien, nach denen auf jeden erfassten Fall von Misshandlungen noch bis zu 50 unerkannte Fälle kommen. Andere Studien sprechen von bis zu 400 nicht gemeldeten Misshandlungen pro bekanntem Fall."

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