Bundesregierung

Reform der Gesundheitsberufe ab Ende 2019

Gesundheitsministerium kündigt für das Jahresende mit den Ländern abgestimmte Eckpunkte an.

Veröffentlicht: 23.05.2019, 09:35 Uhr

BERLIN. Bis Ende des Jahres will das Bundesgesundheitsministerium Eckpunkte für eine Neuordnung der Ausbildungen in den Gesundheitsfachberufen vorstellen.

Dieses „Gesamtkonzept“ werde mit den Ländern abgestimmt und auch das Thema Schulgeld adressieren, heißt es in der Antwort der Regierung auf eine parlamentarische Anfrage der Linken.

Die Regierung hat zuletzt mehrfach an einzelnen Stellschrauben der Heilmittelversorgung gedreht. So wurde mit dem Terminservicegesetz (TSVG) die Blankoverordnung Bestandteil der Regelversorgung. Im Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetz (HHVG) wurde die enge Bindung der Vergütung an die Entwicklung der Grundlohnsumme erst ausgesetzt und später dann ganz aufgehoben.

Doch ein Gesamtkonzept für die Gesundheitsfachberufe fehlt bis heute. Auch die bis zu 20 Jahren alten Berufsgesetze bremsen die Attraktivität der Berufe. Die Perspektiven der Akademisierung für Physiotherapeuten & Co. sind ungeklärt und hängen seit 2009 von einer Modellklausel ab.

Hinzu kommt das Schulgeld, das sich in der Ausbildung auf bis zu 20.000 Euro addieren kann sowie geringe durchschnittliche Bruttoverdienste von – im Fall von angestellten Physiotherapeuten – rund 2300 Euro.

Im Ergebnis sind die Absolventenzahlen deutlich im Vergleich zu 2014 gesunken – um rund 500 auf 5562 (Daten für 2017). Auch bei Ergotherapeuten (2554) und Logopäden sind die Ausbildungsabschlüsse rückläufig.

Online-Umfrage offenbart hohe Unzufriedenheit

Bei einer Online-Umfrage unter Therapeuten hat die Hochschule Fresenius im vergangenen Jahr katastrophale Werte in Sachen Berufszufriedenheit ermittelt: 92 Prozent der Antwortenden sahen für sich demnach eine Gratifikationskrise im Hinblick auf ihr Gehalt, 88 Prozent nennen die fehlenden Entwicklungsmöglichkeiten im Beruf als Manko, 77 Prozent nehmen eine mangelnde Anerkennung ihrer Tätigkeit wahr.

Das steht im deutlichen Gegensatz zu den Aussagen der Regierung, die Heilmittelversorgung werde in einer älter werdenden Gesellschaft „immer wichtiger“.

Bereits 2017 nannte die Gesundheitsministerkonferenz Reformen bei den Gesundheitsberufen „zwingend erforderlich“ und mahnte auch eine „Neustrukturierung der Aufgaben- und Kompetenzprofile“ an.

Zumindest beim Schulgeld wollen etliche Länder der Entwicklung nicht länger zuschauen: Nordrhein-Westfalen finanziert seit vergangenem September 70 Prozent der Gebühren.

Bayern zahlt seit März klassenbezogene Zuschüsse und Niedersachsen plant eine Förderrichtlinie, um ab August den Schulen die Schulgelder in voller Höhe zu erstatten. (fst)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Eine Reform, die not tut

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