Bundesregierung

Reform der Gesundheitsberufe ab Ende 2019

Gesundheitsministerium kündigt für das Jahresende mit den Ländern abgestimmte Eckpunkte an.

Veröffentlicht:

BERLIN. Bis Ende des Jahres will das Bundesgesundheitsministerium Eckpunkte für eine Neuordnung der Ausbildungen in den Gesundheitsfachberufen vorstellen.

Dieses „Gesamtkonzept“ werde mit den Ländern abgestimmt und auch das Thema Schulgeld adressieren, heißt es in der Antwort der Regierung auf eine parlamentarische Anfrage der Linken.

Die Regierung hat zuletzt mehrfach an einzelnen Stellschrauben der Heilmittelversorgung gedreht. So wurde mit dem Terminservicegesetz (TSVG) die Blankoverordnung Bestandteil der Regelversorgung. Im Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetz (HHVG) wurde die enge Bindung der Vergütung an die Entwicklung der Grundlohnsumme erst ausgesetzt und später dann ganz aufgehoben.

Doch ein Gesamtkonzept für die Gesundheitsfachberufe fehlt bis heute. Auch die bis zu 20 Jahren alten Berufsgesetze bremsen die Attraktivität der Berufe. Die Perspektiven der Akademisierung für Physiotherapeuten & Co. sind ungeklärt und hängen seit 2009 von einer Modellklausel ab.

Hinzu kommt das Schulgeld, das sich in der Ausbildung auf bis zu 20.000 Euro addieren kann sowie geringe durchschnittliche Bruttoverdienste von – im Fall von angestellten Physiotherapeuten – rund 2300 Euro.

Im Ergebnis sind die Absolventenzahlen deutlich im Vergleich zu 2014 gesunken – um rund 500 auf 5562 (Daten für 2017). Auch bei Ergotherapeuten (2554) und Logopäden sind die Ausbildungsabschlüsse rückläufig.

Online-Umfrage offenbart hohe Unzufriedenheit

Bei einer Online-Umfrage unter Therapeuten hat die Hochschule Fresenius im vergangenen Jahr katastrophale Werte in Sachen Berufszufriedenheit ermittelt: 92 Prozent der Antwortenden sahen für sich demnach eine Gratifikationskrise im Hinblick auf ihr Gehalt, 88 Prozent nennen die fehlenden Entwicklungsmöglichkeiten im Beruf als Manko, 77 Prozent nehmen eine mangelnde Anerkennung ihrer Tätigkeit wahr.

Das steht im deutlichen Gegensatz zu den Aussagen der Regierung, die Heilmittelversorgung werde in einer älter werdenden Gesellschaft „immer wichtiger“.

Bereits 2017 nannte die Gesundheitsministerkonferenz Reformen bei den Gesundheitsberufen „zwingend erforderlich“ und mahnte auch eine „Neustrukturierung der Aufgaben- und Kompetenzprofile“ an.

Zumindest beim Schulgeld wollen etliche Länder der Entwicklung nicht länger zuschauen: Nordrhein-Westfalen finanziert seit vergangenem September 70 Prozent der Gebühren.

Bayern zahlt seit März klassenbezogene Zuschüsse und Niedersachsen plant eine Förderrichtlinie, um ab August den Schulen die Schulgelder in voller Höhe zu erstatten. (fst)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Eine Reform, die not tut

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Berufspolitik

Patientenströme – besser gelenkt

Kooperation | In Kooperation mit: Partnern aus Baden-Württemberg: AOK, Bosch BKK und dem MEDIVERBUND
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Mehr als ein oberflächlicher Eingriff: Die Krankenhausreform verändert auch an der Schnittstelle ambulant-stationär eine ganze Menge.

© Tobilander / stock.adobe.com

Folgen der Krankenhausreform für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte

Die Klinikreform bringt Bewegung an der Schnittstelle zwischen Praxen und Krankenhäusern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: der Deutschen Apotheker- und Ärztbank (apoBank)
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

KV Thüringen

Akutpraxis in Gera: Praxismodell gegen den Ärztemangel

Systematisches Review

Kortikosteroide bei schwerer Pneumonie wahrscheinlich nützlich

Lesetipps
Nie wieder spritzen? Small Molecules wie Orforglipron (C48H48F2N10O5) haben viele Vorteile gegenüber herkömmlichen Inkretinmimetika, etwa orale Einnahme, leichtere Lagerung und niedrigere Kosten.

© Kassandra / stock.adobe.com

Innovative Diabetestherapie

Nicht-peptidische GLP-1-Rezeptoragonisten am Start

Eine Frau sitzt einem älterem Arzt gegenüber.

© Jonas Glaubitz / stock.adobe.com

Nachsorge

Welche Unterstützung Krebspatienten von ihren Hausärzten erwarten

Eine Frau fässt sich mit den Händen an die Brust

© Art_Photo / stock.adobe.com

Unterschiede der Geschlechter

Herzinfarkte und Ischämie bei Frauen: Was ist wirklich anders?