NHS-Hausarztpraxen im Fokus

So sieht die Britische SARS-CoV-2-Impfstrategie aus

NHS-Hausarztpraxen sollen sich schon mal darauf einstellen, dass vielleicht noch vor Weihnachten mit Impfungen gegen SARS-CoV-2 begonnen werden kann. Ihnen wird eine besondere Rolle dabei zugewiesen.

Arndt StrieglerVon Arndt Striegler Veröffentlicht:
Mit Blick auf die Impfungen gegen SARS-CoV-2 setzt die britische Regierung auf den National Health Service (NHS).

Mit Blick auf die Impfungen gegen SARS-CoV-2 setzt die britische Regierung auf den National Health Service (NHS).

© Kate Green | AA / picture alliance

London. In Großbritannien konkretisieren sich die Impfpläne der Regierung für COVID-19 – die Hausärzte des staatlichen britischen Gesundheitsdienstes (National Health Service, NHS) werden dabei eine zentrale Rolle einnehmen. Das Londoner Gesundheitsministerium bereitet die rund 6900 Hausarztpraxen des NHS darauf vor, „vielleicht noch vor Weihnachten“ mit dem Impfprogramm zu beginnen

Voraussetzung ist, dass sich die zu Wochenbeginn von Pfizer und dem deutschen Unternehmen BioNTech vorgestellte Vakzine als effektiv und sicher bestätigt. Britische Hausärzte sollen dann ihre Patienten informieren, wann sie in die Praxen kommen können, um sich impfen zu lassen.

SARS-CoV-2-Impfpflicht kein Thema

Das Motto der primärärztlichen Initiative lautet „Help us to help you“. Das reflektiert laut Gesundheitsminister Matt Hancock die Tatsache, dass die Nachfrage nach der Vakzine das Angebot nach verfügbarem Impfstoff „zu Beginn bei weitem übersteigen“ werde. Hausärzte sollen ihre Patienten daher bitten, solange zu warten, bis sie an der Reihe sind.

Die neue Vakzine soll in Phasen verabreicht werden und eine allgemeine Impflicht soll es nicht geben. In der ersten Phase sollen Patienten in Alten- und Pflegeheimen und die dortigen Angestellten vakziniert werden. Es folgen über 80-Jährige und alle NHS-Angestellten gefolgt von allen Patienten die älter als 75 Jahre sind. Die weitere Reihenfolge richtet sich nach Lebensalter und Risikofaktoren wie Adipositas: Je jünger ein Patient ist und je weniger Risikofaktoren er hat, desto länger muss er warten. Diese Reihenfolge wurde von einem Experten-Komitee namens „Joint Committee on Vaccination and Immunisation“ erstellt.

Regierung setzt auf den NHS

Anders als bei dem desaströsen Test-and-Trace-System, wo überwiegend Privatfirmen involviert waren, setzt die Londoner Regierung diesmal auf den NHS. Das wurde von ärztlichen Berufsorganisationen begrüßt, da die Gefahr geringer sei, dass Geld in privaten Taschen verschwinde.

Da es allerdings in Großbritannien nicht genug Hausärzte und auch nicht genug Hausarztpraxen gibt, um die Vakzine flächendeckend und schnell zu verabreichen, wurde bereits damit begonnen, auch andere Gesundheitsberufe wie Physiotherapeuten, Apotheker, Krankenschwestern, Hebammen und andere Berufsgruppen zu schulen, damit auch sie einen neuen Impfstoff verabreichen können.

Das Militär soll offenbar bei der Logistik und besonders bei der landesweiten Verteilung der Vakzine helfen. Für die britischen Hausärzte dürfte das Impfprogramm zahlreiche Probleme bringen, darunter Kapazitätsengpässe und Lagerung des Impfstoffes.

In Deutschland sind Corona-Impfzentren geplant

In Deutschland haben der Deutsche Ethikrat, die Leopoldina und die Ständige Impfkommission empfohlen, ältere Menschen und Personen mit Vorerkrankungen, Mitarbeiter im Gesundheitswesen und in der Altenpflege sowie Personen mit besonders wichtigen Funktionen für das Gemeinwesen – zum Beispiel Polizisten, Feuerwehrleute oder Lehrer – zuerst zu impfen. Bund und Länder hatten sich Ende vergangener Woche zudem darauf geeinigt, bundesweit bis zu 60 zentrale Impfzentren einzurichten und mobile Impfteams zu gründen, sobald SARS-CoV-2-Vakzinen verfügbar sind. Die Bundesländer sollen Kassenärztliche Vereinigungen in Aufbau und Organisation der Zentren einbinden können.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Kommission fordert Grippeimpfung auch für gesunde Kinder

© Getty Images

STIKO-Empfehlungen

Kommission fordert Grippeimpfung auch für gesunde Kinder

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Junge Frau spricht mit einer Freundin im Bus

© Getty Images

Update

Impflücken bei Chronikern

Chronisch krank? Grippeimpfung kann Leben retten

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Grippeschutz in der Praxis – Jetzt reinhören!

© Viatris-Gruppe Deutschland

Update

Neue Podcast-Folgen

Grippeschutz in der Praxis – Jetzt reinhören!

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Potenzielle Schäden durch eine Influenza-Infektion an verschiedenen Organsystemen

© Springer Medizin Verlag

Impfen und Herzgesundheit

Mehr als nur Grippeschutz: Warum die Influenza-Impfung bei Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen so wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Frankfurt a. M.
Abb. 1: Rückgang der generalisierten tonisch-klonischen Anfälle unter Cannabidiol + Clobazam

© Springer Medizin Verlag , modifiziert nach [1]

Real-World-Daten aus Deutschland zum Lennox-Gastaut- und Dravet-Syndrom

Cannabidiol in der klinischen Praxis: vergleichbare Wirksamkeit bei Kindern und Erwachsenen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Jazz Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Abb. 1: Daten zur lipidologischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko aus der VESALIUS-REAL-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [7]

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Autopsiestudie

So häufig wird der Krebs erst nach dem Tod erkannt

Lesetipps
Schulterschmerzen? Im höheren Alter ist die Polymyalgia rheumatica nach der Rheumatoiden Arthritis die häufigste entzündlich-rheumatische Erkrankung. (Symbolbild mit Fotomodellen)

© peopleimages.com / stock.adobe.com

Praxistipps

Schulterschmerzen: Die vertrackte, ärztliche Spurensuche