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Pandemie-Bekämpfung

Spahn: Hausärzte pushen Corona-Impfkampagne

Gesundheitsminister Jens Spahn sieht die Impfkampagne auch dank des Einstiegs der Hausärzte auf „gutem Weg“. Die Bund-Länder-Runde für Montag ist derweil abgesagt worden.

Thomas HommelVon Thomas Hommel Veröffentlicht:
Bundesgeusndheitsminister Jens Spahn (CDU,r.) und RKI-Präsident Professor Lothar H. Wieler verlassen das Gebäude nach einer Pressekonferenz zur aktuellen Corona-Lage.

Bundesgeusndheitsminister Jens Spahn (CDU,r.) und RKI-Präsident Professor Lothar H. Wieler verlassen das Gebäude nach einer Pressekonferenz zur aktuellen Corona-Lage.

© Kay Nietfeld/dpa

Berlin. Laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat die Corona-Impfkampagne mit dem Einstieg der Hausärzte einen deutlichen Schub erfahren. In den vergangenen Tagen seien so viele Menschen gegen das Coronavirus geimpft worden „wie nie zuvor“, sagte der CDU-Politiker am Freitag in der Bundespressekonferenz.

Das liege daran, dass es mehr Impfstoffe gebe und Hausärzte seit dieser Woche mitimpften, so Spahn. „Zu den 450 Impfzentren der Länder sind 35.000 kleinere, aber sehr effiziente Impfzentren hinzugekommen.“

719.000 Impfungen an einem Tag

Mit etwa 719.000 Impfungen habe man am Donnerstag einen weiteren Tagesrekord aufgestellt – allein 325.000 Menschen seien in Praxen geimpft worden, sagte Spahn. Mittlerweile seien 17 Millionen Impfdosen verabreicht worden.

Ausweislich einer Liste des Bundesgesundheitsministeriums vom 7. April erhalten die Länder – „vorbehaltlich der Einhaltung der Lieferprognosen der Hersteller“ – in der kommenden Woche (15. KW) gut 2,25 Millionen Impfdosen – davon rund 1,5 Millionen Dosen des Herstellers BioNTech/Pfizer, 519.000 Dosen von AstraZeneca und 232.000 Dosen von Johnson&Johnson.

Die Praxen bekommen demnach etwa gut eine Millionen Dosen von BioNTech/Pfizer. Das ist eine leichte Steigerung im Vergleich zu dieser Woche, in der rund 941.000 ausgeliefert wurden. Bei ihrem Impfgipfel am 19. März waren Bund und Länder laut einer Beschluss-Anlage noch von mehr als 1,2 Millionen Dosen für die Praxen in der 15. KW ausgegangen.

Die Ärzte verimpfen zunächst ausschließlich BioNTech/Pfizer. Ab Mitte April sollen die Impfstoffe von AstraZeneca und später die von Johnson & Johnson dazukommen. „Es wird Zug und Zug mehr werden“, versicherte Spahn.

Unwägbarkeiten bei Lieferungen

Mit BioNTech/Pfizer habe man einen sehr zuverlässigen Impfstoff-Lieferanten, so Spahn. Bei anderen Herstellern habe man diese Verlässlichkeit „was Liefertag und Liefermenge anbetrifft so noch nicht erreicht“. Daher wisse man mitunter zwar die Kalenderwoche, in der geliefert werden solle, nicht aber den exakten Tag. „Wenn dann am Ende einer Kalenderwoche eine Lieferung kommt, kann sie nicht am Anfang der Kalenderwoche an die Arztpraxen geliefert werden.“

Diese Situation sei Produktionsprozessen geschuldet und stelle für alle Beteiligten, einschließlich den Ärzten, eine „Herausforderung in der Planung“ dar, gestand Spahn ein. Er gehe aber davon aus, dass die Zahl der an die Praxen gelieferten Dosen spätestens im Mai „stark“ steige.

KBV: Vier Millionen Impfungen pro Woche möglich

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) warnte davor, zugesagte Lieferungen an die Praxen zugunsten der Impfzentren abzusenken. „Vielmehr erwarten wir, dass aller verfügbarer und für die Praxen zugesagter Impfstoff vollständig in den Praxen ankommt“, sagte KBV-Vorstandsvize Dr. Stephan Hofmeister am Freitag. Für Mai erwarteten die Vertragsärzte eine Größenordnung von vier Millionen Dosen und mehr pro Woche in den Praxen.

KBV-Vorstandschef Dr. Andreas Gassen betonte, die Impfquoten zeigten, „dass die Musik bei den Corona-Impfungen jetzt in den Arztpraxen spielt und die Kolleginnen und Kollegen dort die Impf-PS schnell, sicher und unbürokratisch auf die Straße bringen“.

Wieler: Virus lässt sich nicht wegtesten!

Der Chef des Robert Koch-Instituts (RKI), Professor Lothar Wieler, warnte, Deutschland sei „mittendrin in der dritten Welle“. Lockerungen bei Inzidenzen von um die 100 halte er daher für „bedenklich“. Öffnungen mit Tests zu flankieren, sei heikel. „Wir können das Virus nicht wegtesten“, sagte Wieler auf der gemeinsamen Pressekonferenz mit Spahn. Ein echter Lockdown brauche eine „massive Einschränkung“ der Mobilität über zwei bis vier Wochen.

Laut RKI meldeten die Gesundheitsämter am Freitag rund 25.460 neue Corona-Neuinfektionen binnen eines Tages. Zudem wurden 296 neue Todesfälle im Zusammenhang mit SARS-CoV-2 registriert. Das RKI geht jedoch davon aus, dass sich über die Osterferien weniger Menschen haben testen lassen. Verlässlicher fielen die Daten erst nächste Woche aus.

„Parteienstreit beenden, Pandemie bekämpfen“

Spahn erklärte, die Infektionszahlen seien „zu hoch“. Womöglich fielen sie wegen der zurückliegenden Feiertage noch viel höher aus. Es brauche „konsequente und bundeseinheitliche Maßnahmen“, um die dritte Welle der Pandemie „jetzt“ zu brechen.

Er empfehle daher allen, den Parteienstreit – „Wahljahr hin oder her“ – herunterzufahren und sich auf die Bekämpfung der Pandemie zu konzentrieren. Ein Bund-Länder-Treffen sei eigentlich das Format, um neue Maßnahmen zu beschließen. „Aber, wenn manche schon die Einschätzung der Lage nicht teilen, dann wird es natürlich schwierig.“

Unterdessen wurde bekannt, dass sich Bund und Länder auf eine Änderung des Infektionsschutzgesetzes geeinigt haben. Bereits am kommenden Dienstag (13. April) will das Bundeskabinett einen Beschluss dazu fassen. Das für Montag geplante Bund-Länder-Gespräch wurde abgesagt. Intensivärzte riefen derweil zu einem harten Lockdown von zwei bis drei Wochen auf.

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