COVID-19-Impfstoff von AstraZeneca

Spahn hofft auf schnelle Zulassung von Oxford-Vakzine ChAdOx1

Nachdem in der EU die Corona-Impfkampagnen anlaufen, hagelt es Kritik an der bestellten Menge und der Logistik. Minister Spahn hofft auf eine weitere Vakzine. Die 116117 ist derweil überlastet.

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AZD1222 im Einsatz in Großbritannien

Bald auch in der EU verfügbar? Der COVID-19-Impfstoff von AstraZeneca.

© Gareth Fuller/PA Wire/dpa

Berlin. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) setzt zur Lösung der Probleme bei den Corona-Impfungen auf eine schnelle Zulassung des Impfstoffs ChAdOx1 (auch AZD1222 genannt) des britisch-schwedischen Konzerns AstraZeneca. Dabei strebt er aber keinen deutschen Alleingang an. „Ideal wäre eine zügige europäische Zulassung“, sagte Spahn der „Rheinischen Post“.

Der Impfstoff, der in Großbritannien bereits zugelassen ist, wird derzeit von der europäischen Zulassungsbehörde EMA geprüft. Das Mittel hatte in den relevanten Zulassungsstudien eine etwas geringere Wirksamkeit aufgewiesen als der Impfstoff Comirnaty von BioNTech und Pfizer. AZD1222 kann aber mit weniger Aufwand gelagert werden und ist deutlich günstiger.

In dieser Woche will die EMA allerdings zunächst über die Zulassungsempfehlung der mRNA-COVID-19-Vakzine mRNA-1273 des US-Pharmaherstellers Moderna entscheiden. Als Termin nannte die Behörde zuletzt Mittwoch, den 6. Januar. Formal erteilt die Zulassung im Anschluss die EU-Kommission.

Länder haben regionale Lösungen gewollt

Die Kritik an der deutschen Impfstrategie hält Spahn für ungerechtfertigt. „Wir haben ausreichend Impfstoff für Deutschland und die EU bestellt“, betonte er. „Das Problem ist nicht die bestellte Menge. Das Problem ist die geringe Produktionskapazität zu Beginn – bei weltweit extrem hoher Nachfrage.“ Das sei aber von Anfang an klar gewesen.

Beim Tempo der Impfungen sieht er auch die Bundesländer in der Pflicht. „Bei einigen läuft die Impfkampagne schneller an als bei anderen“, sagte Spahn. Tatsächlich schwanken die Impfquoten enorm.

„Dass es keine bundeseinheitliche, sondern diese unterschiedliche Herangehensweise gibt, war eine sehr bewusste Entscheidung der Länder. Nun muss diese Entscheidung gemeinsam bestmöglich umgesetzt werden.“

Alle Pflegeheimbewohner im Januar geimpft?

„Es läuft genauso, wie es geplant war“, sagte Spahn am Samstag auch in der Sendung „RTL Aktuell“. 1,3 Millionen Dosen Impfstoff seien bis Jahresende an die Bundesländer ausgeliefert worden. Es würden genau die Mengen geliefert, die er seit Wochen angekündigt habe „mit dem Hinweis, dass es am Anfang knapp sein würde und wir deshalb priorisieren müssen“.

Die Bundesregierung spreche mit dem Hersteller BioNTech und dem Land Hessen darüber, wie man schon im Februar in Marburg eine zusätzliche Produktionsstätte schaffen könne, sagte er.

Spahn sagte in „RTL Aktuell“ außerdem zu, dass im Laufe des Januars alle Menschen in Pflegeeinrichtungen hierzulande geimpft werden könnten. „Dieses Ziel können wir im Januar erreichen. Und das wollen und werden wir auch mit den Ländern erreichen“.

Überlastungen offenbar bei der 116117

Obwohl die COVID-19-Impfungen in der Bundesrepublik derzeit noch immer primär in medizinischen, Alten- und Pflegeeinrichtungen durchgeführt werden, wenden sich offenbar immer mehr Bürger an die Terminhotlines – aber ohne Erfolg. Die bundesweit einheitliche Rufnummer 116117 des ärztlichen Bereitschaftsdienstes war am Wochenende teilweise schwer erreichbar.

Den „sehr ernstzunehmenden Hinweisen auf eine Überlastung der Hotline gehen wir derzeit intensiv nach“, sagte ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums der „Welt am Sonntag“. Erste Erkenntnisse würden auf technische Gründe als Ursache hindeuten.

Seit dem 21. Dezember sind dem Bericht zufolge Callcenter mit rund 1100 Beschäftigten in Betrieb, die wöchentlich bis zu 200.000 Anfragen bearbeiten könnten. Ab 8. Januar soll die Maximalkapazität schrittweise auf wöchentlich 500.000 Anrufe hochgefahren werden, hieß es unter Berufung auf das Ministerium. (dpa/eb)

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