Kommentar zum Krankenhausgipfel

Spahn kontert die Kliniklobby trocken aus

Der Gesundheitsminister nimmt sich die Krankenhausfunktionäre zur Brust. Die stationäre Versorgung sei weit von bedarfsgerechten Strukturen entfernt, sagt Jens Spahn.

Von Anno Fricke Veröffentlicht: 16.09.2020, 17:27 Uhr

Ein denkwürdiger Krankenhausgipfel. Selten in der Vergangenheit hat ein Gesundheitsminister der Kliniklobby derart offen die Leviten gelesen wie Jens Spahn beim Krankenhausgipfel am Mittwoch.

Die stationäre Versorgung sei weit von bedarfsgerechten Strukturen entfernt, bekam der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft ins Stammbuch geschrieben. Schlimmere Kritik gibt’s nicht. Punkt. Das saß.

Dr. Gerald Gaß hatte es zuvor fertiggebracht, die Rolle der Krankenhäuser in der Pandemie über den grünen Klee zu loben, ohne den Beitrag der niedergelassenen Ärzte auch nur mit einem Wort zu erwähnen. Sechs von sieben Corona-Behandlungen haben in den Praxen der Ärzte stattgefunden. Darauf hätte der DKG-Präsident fairerweise verweisen müssen.

Die ganze Verbohrtheit der Klinikverbandsfunktionäre kulminierte dann in dem Ausspruch, dass es nicht sein dürfe, dass Grundversorgungskrankenhäuser im Hamsterrad operieren müssten. Natürlich darf das nicht sein. Wo das so ist, ist das Krankenhaus wohl unwirtschaftlich, mithin überflüssig und gehört in eine von niedergelassenen Ärzten betriebene ambulante Versorgungseinheit umgewandelt. Zum Schaden der Patienten ist das sicherlich nicht.

Lesen Sie dazu auch

Das wissen die DKG-Oberen sehr wohl auch. Sie sollten daher verbal abrüsten und sich diesen Veränderungsprozessen einfach mal stellen beziehungsweise sie proaktiv fördern. Die Menschen stimmen ohnehin mit den Füßen ab.

Kleinkrankenhäuser am Waldesrand werden von Kommunalpolitikern zwar bis aufs Blut verteidigt. Deren Wähler gehen in der Regel aber doch lieber ins nächste Kreiskrankenhaus, auch wenn das eine halbe Fahrstunde weiter entfernt ist. Es gibt keine Argumente für die Produktion von im Hamsterrad operierten Patienten.

Schreiben Sie dem Autor: anno.fricke@springer.com

Mehr zum Thema

Ab Oktober abrechnungsfähig

Vakuumversiegelung von Wunden in EBM aufgenommen

Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Viele Menschen leiden unter chronischen Rückenschmerzen. Aber ab wann gilt eine Krankheit als chronisch? Frankfurter Wissenschaftler wollen Licht ins Dunkel bringen.

Report der Uni Frankfurt

„Chronisch krank“ ist kein definierter Begriff

Gesichtsmasken können dazu beitragen, dass die Träger die Abstandsregeln missachten,

COVID-19-Splitter

Schwangere sind besonders gefährdet

Muster auf Basis des Maschinellen Lernens erkennen, ist eine Stärke, die Künstliche Intelligenz zum Beispiel bei der Diagnostik einbringen könnte.

Enquete-Kommission

Der Arzt steht über der Künstlichen Intelligenz