Direkt zum Inhaltsbereich

Deutsche Tabakkontrollkonferenz

Tabakkontrolle: Krebsforscher hoffen auf Nationalen Präventionsplan

Die Ampelkoalition zeigt sich williger als die große Koalition, bei der Tabakkontrolle Zeichen zu setzen, findet das Deutsche Krebsforschungszentrum. Skeptisch werden aber Avancen der Industrie gesehen, Ärzte für E-Dampf zu sensibilisieren.

Matthias WallenfelsVon Matthias Wallenfels Veröffentlicht:
Nein, danke! Bis sich genügend Deutsche gegen die Kippe entscheiden, wird es wohl noch ein weiter Weg sein – zumindest aus Sicht der Tabakkontrolle.

Nein, danke! Bis sich genügend Deutsche gegen die Kippe entscheiden, wird es wohl noch ein weiter Weg sein – zumindest aus Sicht der Tabakkontrolle.

© Anyka / stock.adobe.com

Heidelberg. Trotz des gesundheitspolitischen Drucks von Seiten des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) und weiterer Verfechter einer strengen Tabakkontrolle in Deutschland auch auf die neuen Bundestagsabgeordneten hat es der Punkt Tabakkontrolle als solcher nicht geschafft, Eingang in den Vertrag der Ampelkoalitionäre zu finden. Das bedauerte Dr. Katrin Schaller, kommissarische Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention am DKFZ, am Mittwoch zum Auftakt der im virtuellen Format stattfindenden. 19. Deutschen Konferenz für Tabakkontrolle am DKFZ in Heidelberg.

Das im Mai unter Federführung des DKFZ gemeinsam mit 50 Wissenschaftsorganisationen veröffentlichte Strategiepapier für ein tabakfreies Deutschlands bis 2040 – also eine Raucherprävalenz bei Erwachsenen unter fünf und bei Jugendlichen unter zwei Prozent – habe jedoch eine gewisse Schubwirkung bei den jetzigen Koalitionären verursacht, so Schaller.

Lesen sie auch

Sei die große Koalition über vier Jahre weitgehend untätig gewesen, um die Tabakkontrolle zu forcieren, habe sie zwar im Zuge des Tabaksteuermodernisierungsgesetzes massive Tabaksteuererhöhungen in die Wege geleitet – „primär, um zusätzliche Einnahmen zu generieren“.

Nach Schallers Lesart solle die Tabakkontrolle nun unter das Dach der Weiterentwicklung des Präventionsgesetzes schlüpfen. Als Vehikel zur Stärkung der Primär- und Sekundärprävention soll ein Nationaler Präventionsplan aufgestellt werden. Im Klartext solle die Tabakkontrollstrategie künftig also in die Präventionsstrategie integriert werden.

Tabakentwöhnung auf Kasse eher ein symbolisches Feigenblatt

Unklar sei noch, ob die Kampagne „Rauchfrei leben“ der ehemaligen Drogenbeauftragten Daniela Ludwigs (CSU) fortgesetzt werde, so Schaller. Nachjustierungsbedarf sehe sie auch bei der Tabakentwöhnung auf Kasse. „Ein erster Schritt, aber es gibt nochviel Luft nach oben“, gab sie zu bedenken. Knackpunkt sei die hohe Zugangshürde zu dem einmaligen Versuch und die Wiederholungsmöglichkeit erst nach drei Jahren.

Als positives Signal für eine europaweit schärfere Tabakkontrolle wertete Dr. Ulrike Helbig, Leiterin des Berliner Büros der Deutschen Krebshilfe (DKH), den von der EU-Kommission im Februar verabschiedeten Krebsplan sowie die Einrichtung des Sonderausschusses zur Krebsbekämpfung des EU-Parlamentes (BECA).

So adressierten die im BECA vertretenen Parlamentarier Themen wie die grenzüberschreitende Zusammenarbeit bei klinischen Studien, die teils auch aus datenschutzrechtlichen gründen streng reglementiert sei. Aber auch das Recht auf Vergessen werden stehe auf der BECA-Agenda – ein Punkt, der gerade in Deutschland im Zusammenhang mit der elektronischen Patientenakte an Bedeutung gewinne.

Im EU-Kontext geht es darum, dass ehemalige Krebspatienten zum Beispiel oft nur schlechte Kreditbedingungen bekämen, sei ihre frühere onkologische Erkrankung aus ihren Daten ersichtlich.

Krebshilfe: Schadensminimierung bei E-Dampf noch nicht erwiesen

Ein großer Dorn im Auge sind der DKH Helbig zufolge Bemühungen seitens der E-Zigaretten-Industrie, Ärzte für das Thema Schadensminimierung (Tobacco Harm Reduction/THR) zu sensibilisieren und sie dafür zu gewinnen, solche Produkte als Alternative zum Rauchausstieg zu bewerben. „Das Schadenspotenzial der E-Zigaretten ist noch nicht klinisch geprüft, der Einsatz erfolgt keineswegs in einem therapeutischen Setting“, so Helbig.

Klipp und klar sei der THR-Nutzen bei E-Dampf-Lösungen bei Weitem noch nicht erwiesen. Somit verbiete sich gegenüber Patienten der Verweis auf die rauchfreien Kippenalternativen – zumindest aus Sicht der evidenzbasierten Medizin.

Lesen sie auch
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Der Gesundheitsdialog

© Janssen-Cilag GmbH

J&J Open House

Der Gesundheitsdialog

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

© Springer Medizin

Johnson & Johnson Open House-Veranstaltung am 26. Juni 2025 beim Hauptstadtkongress

Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
J&J Open House beim Hauptstadtkongress

© [M] Springer Medizin Verlag

Video zur Veranstaltung

J&J Open House beim Hauptstadtkongress

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Nationale Politik an Europas Gesundheitszielen ausrichten

© quantic69 | iStock

Politische Perspektive

Nationale Politik an Europas Gesundheitszielen ausrichten

Anzeige | CSL Behring GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Langfristig überlegen: Kombinationen mit Daratumumab in der Erstlinie

© LASZLO / stock.adobe.com

Neu diagnostiziertes Multiples Myelom

Langfristig überlegen: Kombinationen mit Daratumumab in der Erstlinie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Janssen-Cilag GmbH, a Johnson & Johnson company, Neuss
Abb. 1: Studien CLIMB THAL-111 und -131: Veränderung des Gesamt-Hb-Werts und des HbF-Werts nach Exa-cel-Infusion bei TDT-Patientinnen und -Patienten (Quelle: Locatelli F et al., European Society for Blood and Marrow Transplantation (EBMT) 2026, Madrid, Spanien, Abstract GS2-5)

© Springer Medizin Verlag

Neue Perspektiven bei Hämoglobinopathien

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Vertex Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Abb.  1: Indikationsübergreifendens Therapie-Monitoring in den ersten Behandlungszyklen mit Ribociclib beim HR+/HER2- Brustkrebs

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [1]

Früher und metastasierter HR+/HER2- Brustkrebs

Einfach und konsistent: indikationsübergreifendes Therapie-Management mit Ribociclib

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Selektivvertrag und elektronische Verschreibung

Hilfsmittel: Erprobung des eRezeptes wird ausgeweitet

Lesetipps
Ein arzt schaut einem alten Patienten genau ins Gesicht

© Yuri Arcurs / adobe.stock.com

Leitlinie

Wie Sie Schmerzen bei Demenz-Patienten erkennen

Ein verschrumpelter roter Luftballon mit ganz wenig Luft.

© Jörg Lantelme / Stock.adobe.com

Von ungefährlich bis akut lebensbedrohlich

Leitsymptom Dyspnoe: So geht’s rasch zur richtigen Diagnose